Akupressur: 361 Akupunkturpunkte und praktische Anleitungen zur Selbstmassage
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Traditionelle Chinesische Medizin setzt seit Jahrhunderten auf die Reizung spezifischer Punkte, um funktionelle Beschwerden zu lindern. Im Rahmen von Bestrebungen zur Qualitätssicherung und Dokumentation veröffentlichte die Zhongguancun Health Service Industry Promotion Association am 15. Dezember 2021 den Gruppenstandard T/HSIPA 014-2021 unter dem Titel „Acupoint therapy of Fuximen Vitality Guidance method“, der am selben Tag in Kraft trat.
Der Standard bildet einen formellen Rahmen für spezifische Methoden der Akupunkturpunkttherapie. Parallel dazu gewinnen praxisnahe Anleitungen und strukturierte Handreichungen für die Selbstanwendung an Bedeutung.
Standardisierte Punkte und praxisnahe Handbücher
Die Weltgesundheitsorganisation zählt weltweit 361 zertifizierte Akupunkturpunkte. Auf dieser Grundlage entstehen neben formalen Branchenstandards auch Bildungsmaterialien zur Selbstanwendung. Ein an der Beijing University of Chinese Medicine entstandenes Handbuch, das in den Formaten PDF und TXT vorliegt, bietet illustrierte Selbstmassage-Anleitungen für den häuslichen Gebrauch.
Das Werk folgt dem Prinzip, ein Symptom jeweils einem spezifischen Punkt zuzuordnen. Der Verfasser ist Medizindoktor, außerordentlicher Professor an der Beijing University of Chinese Medicine und Generalsekretär des Akupunktur-Fachausschusses der China Association of Acupuncture-Moxibustion. Die Unterlagen dienen ausschließlich Lernzwecken, die Urheberrechte verbleiben bei Autor und Verlag.
Auch im deutschsprachigen Raum wird der Ansatz rezipiert. Nicoletta Wagenstetter widmet sich in ihrem Buch „Heilsame Körperpunkte für Frauen“ sowie in ihrem Podcast FrauGefühl der Akupressur als Nadel-loser Variante entlang der Meridiane. Sie thematisiert unter anderem den Punkt Milz 6 am Innenknöchel, der als Treffpunkt dreier Meridiane gilt, sowie Perikard 6 am Unterarm.
Wagenstetter, die selbst 25 Jahre bis zu ihrer Endometriose-Diagnose benötigte, betont jedoch, dass Akupressur keine medizinische Behandlung ersetzen könne.
Fachliche Empfehlungen für funktionelle Beschwerden
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Fachmediziner beschreiben konkrete Einsatzbereiche für die Reizung bestimmter Punkte. Xu Jin vom Ersten Angeschlossenen Krankenhaus der Henan University of TCM empfiehlt bei saisonal auftretenden Unruhezuständen oder Schlafstörungen eine Reizung der Punkte Shenmen (an der Innenseite des Handgelenks, kleinfingerseitig) und Yongquan (am vorderen Drittel der Fußsohle) über eine Dauer von je 3 bis 5 Minuten.
Bei Appetitlosigkeit und Blähungen verweist der Experte auf Zhongwan (auf der Mitte zwischen Brustbein und Nabel) und Zusanli (vier Finger unterhalb der Kniescheibe, einen Finger breit neben der Tibia).
Für Reizbarkeit und Brustenge empfiehlt er Neiguan, gelegen zwei Cun über der Handgelenksfalte zwischen den Sehnen. Halten Symptome länger als einen Monat an oder treten Brustschmerzen auf, sei eine ärztliche Abklärung erforderlich.
Im japanischen Osaka (Bezirk Asahi-ku) wird in einer videobasierten Anleitung die Fuß-Akupressur der Punkte Taibai und Gongsun zur Behandlung von Magendruck und Sodbrennen beschrieben. Die Übungen lassen sich im Liegen oder Sitzen ausführen; die individuelle Wirkung variiert, und auch hier gilt bei fortdauernden Beschwerden die Empfehlung zur ärztlichen Konsultation.
Aus Japan stammt zudem eine von Tokujiro Namikoshi beschriebene Shiatsu-Selbstmassage des paarigen Punktes Da-Zhu (V11). Dieser befindet sich einen Wirbel unter dem siebten Halswirbel und 1,5 Fingerbreiten seitlich davon.
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Mit Zeige- und Mittelfinger beider Hände wird der Punkt für 3 bis 5 Sekunden senkrecht in Richtung der Knochenmitte während des Ausatmens gedrückt und beim Einatmen gelöst. Bei 8 bis 10 Wiederholungen soll die Technik Verspannungen der Trapezmuskulatur lockern, Spannungskopfschmerzen lindern und die Durchblutung anregen, insbesondere bei sitzender Computer- oder Fahrarbeit.
Begleitende Maßnahmen und Sicherheitshinweise
Das Ellicott Acupuncture Centre führt Akupressurpunkte als begleitende Maßnahme bei Panikattacken an. Dazu zählen P6 (Neiguan, drei Finger unterhalb der Handgelenksfalte zwischen den Sehnen über 1 bis 2 Minuten), Yintang (zwischen den Augenbrauen, 30 bis 60 Sekunden), HT7 (Shenmen, Handgelenksfalte kleinfingerseitig, etwa 1 Minute), LI4 (Hegu, zwischen Daumen und Zeigefinger, 30 bis 60 Sekunden) sowie K1 (Yongquan, vorderes Drittel der Fußsohle, 30 bis 60 Sekunden).
Der Punkt LI4 ist während einer Schwangerschaft zwingend zu meiden. Das Zentrum verweist auf die begrenzte Studienlage; die Methode ersetze weder Psychotherapie noch Medikation, und bei wiederholten Episoden oder Brustschmerzen sei ärztliche Hilfe hinzuzuziehen.
Für die allgemeine Durchführung gelten konkrete Vorsichtsregeln: Nach sanftem Druck auf Punkte wie Hegu, Neiguan und Zusanli ist nach einer Ruhe- und Beobachtungszeit von rund 15 bis 30 Minuten lauwarmes Duschen im Regelfall möglich, wobei dies keinen allgemeingültigen Standard darstellt.
Heiße Duschen oder Thermalbäder sollten unmittelbar im Anschluss unterbleiben. Nach Gua-Sha-Anwendungen ist häufig eine mehrstündige Beobachtungszeit erforderlich, bei großflächigen Behandlungen bis zum Folgetag. Zudem sollte kein Eis direkt auf die Haut aufgelegt werden.
