Akupressur bei Erkältung: Handpunkte sollen Symptome lindern und Schwitzen fördern
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deMethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin rücken bei Infektwellen regelmäßig in den Fokus der Selbstmedikation. Berichten zufolge sollen gezielte Akupressurpunkte an den Händen dazu beitragen, Erkältungs- und Grippesymptome zu lindern und das therapeutische Schwitzen zu fördern.
Fachleute und Übersichten betonen jedoch, dass solche Anwendungen primär der Gesundheitspflege dienen und eine ärztliche Behandlung bei schweren Verläufen nicht ersetzen können.
Gezielte Reizung von Handpunkten bei Infekten
Im Mittelpunkt der Empfehlungen stehen spezifische Reflexzonen an den Händen. Der sogenannte Erkältungspunkt liegt in der Knochenfurche am Übergang des dritten und vierten Fingers, genau in der Vertiefung zwischen den am stärksten hervorstehenden Knochen beider Finger. Er soll sowohl bei gewöhnlichen Erkältungen als auch bei Influenza anwendbar und für alle Altersgruppen sowie Geschlechter geeignet sein. Zur Stimulation wird geraten, mit dem Fingernagel kräftig punktuell zu drücken und zu kneten, bis ein saurer Schmerz entsteht.
Ein weiterer zentraler Punkt ist Er Men, der an der dem zweiten und dritten Finger entsprechenden Position liegt und über einen Punkt mehr verfügt als der Erkältungspunkt. Er gilt als wirkungsvoller Punkt zur Förderung des Schwitzens und wird bei äußerlich bedingten Wind-Kälte-, Wind-Hitze- sowie Wind-Feuchtigkeits-Syndromen eingesetzt.
Zudem soll Er Men Fieber senken, beruhigend wirken, Krämpfe stoppen und bei Schleim- sowie Keuchbeschwerden unterstützen. Bei der Anwendung wird empfohlen, mit Zeigefinger und Daumen gleichzeitig kräftig und zügig zu drücken und zu kneten, um rasch Schweißbildung anzuregen.
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Ergänzend werden für Beschwerden wie Naselaufen und Niesen die Punkte Shoushang an der Handgelenkmitte und Hegu am höchsten Punkt der Handgelenkfalte genannt, die jeweils fünf- bis zehnmal gedrückt werden sollen. Bei Husten beschreiben Berichte zudem den Punkt Kechuan an der ulnaren Seite des Grundgelenks des Zeigefingers, der bei Erwachsenen links mit Hilfsmitteln wie Stiften stimuliert werden kann.
Begleitende Punkte und wissenschaftliche Einordnung
Neben den Händen beziehen traditionelle Schemata weitere Körperstellen ein. Bei verstopfter Nase wird ein 20- bis 30-maliges Klopfen des Yingxiang-Punkts seitlich der Nasenflügel beschrieben, bei Husten und Halsschmerzen das Klopfen von Dazhui an der Halswirbelsäule und Fengchi am Hinterkopf. Für Erkältungskopfschmerz wird die Reizung des Taiyang-Punkts seitlich der Stirn empfohlen.
Übersichten zur Akupressur weisen darauf hin, dass die Methode dieselben Punkte nutzt wie die Akupunktur, jedoch ohne das Durchdringen der Haut. Gleichzeitig wird klargestellt, dass kein Akupressurpunkt eine Krankheit eigenständig heilen kann.
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Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen, dass die Studienlage zur Akupressur im Vergleich zur Nadelakupunktur schwächer ist. Zwar belegen Metaanalysen moderate Effekte der klassischen Akupunktur bei chronischen Schmerzen, bei der Akupressur existieren für viele Anwendungsbereiche jedoch nur kleinere Studien mit uneinheitlicher Datenqualität.
Kontraindikationen und Grenzen der Selbstbehandlung
Experten warnen vor einer unkritischen Selbstanwendung. Für Schwangere gelten bestimmte Punkte wie Hegu, Sanyinjiao, Zhiyin, Jianjing und Kunlun als strikt kontraindiziert. Auch bei Hautverletzungen sowie akuten Infektionen mit Fieber sollte von Druckmassagen an betroffenen Stellen abgesehen werden. Zudem sollte innerhalb einer halben Stunde nach den Mahlzeiten keine Bauchstimulation erfolgen.
Bei Notfällen, starken Schmerzen, Brustschmerz mit Schweißausbrüchen oder schweren Erkältungssymptomen gilt die Empfehlung, unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
