Akupunktur, Krebs

Akupunktur bei Krebs: 94% Erfolgsquote bei Schmerzlinderung

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsdaten weisen auf mögliche Linderung von Schmerzen und Mundtrockenheit hin, zeigen aber auch uneinheitliche Ergebnisse und Risiken.

Akupunktur bei Krebs: Studien zeigen Nutzen und Grenzen
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum mit einer schlichten weißen Liege in einer ruhigen, klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Fachpublikationen thematisieren verstärkt den Einsatz der Akupunktur als ergänzende Methode zur Linderung von Symptomen bei onkologischen Patienten im westlichen Raum. Während die klassische Medizin die Tumorbekämpfung fokussiert, rückt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) als unterstützende Säule zur Steigerung der Lebensqualität in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen und klinischer Berichte.

Wissenschaftliche Evidenz zur Symptomkontrolle

Bereits eine im April 2014 akzeptierte Übersichtsarbeit deutete auf die Wirksamkeit der Akupunktur bei der Behandlung von Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Mundtrockenheit (Xerostomie) hin. Diese Erkenntnisse werden durch verschiedene Studien gestützt.

Eine Untersuchung aus China aus dem Jahr 2008 verglich die Schmerzkontrolle unter Akupunktur mit der Anwendung von Analgetika nach WHO-Standard. Dabei wurde unter Akupunktur eine Erfolgsquote von 94,1 % erreicht, während die Vergleichsgruppe bei 87,5 % lag.

Weitere Daten lieferte eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) aus dem Jahr 2010. Über einen Zeitraum von vier Wochen wurden 58 Patienten einmal wöchentlich für 30 Minuten behandelt. Die Ergebnisse zeigten eine Schmerzverbesserung im CM-Score von 14 % gegenüber 1,5 % in der Kontrollgruppe.

Auch bei der Xerostomie wurde eine Senkung des entsprechenden Index um 7 % verzeichnet, während die Kontrolle lediglich eine Reduktion von 1,5 % aufwies. Auf einer allgemeinen Schmerzskala erreichten die behandelten Patienten eine Verbesserung von 20 %, im Gegensatz zu 1 % in der Vergleichsgruppe.

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Eine Pilotstudie aus Großbritannien untersuchte zudem den zeitlichen Verlauf der Schmerzlinderung. Vor der Akupunktur lag der Wert auf einer 10-Punkte-Skala bei 4,3. Zehn Minuten nach der Anwendung sank dieser auf 0,8 und stieg nach 48 Stunden wieder auf 3,2 an. Von den zwölf eingeschlossenen Patienten schlossen fünf die Untersuchung ab.

Differenzierte Studienergebnisse und Einsatzraten

Trotz positiver Tendenzen zeigen andere Untersuchungen die Grenzen der Methode auf. In einer schwedischen RCT mit 215 Teilnehmern wurden 109 Patienten mit echter Akupunktur und 106 Personen mit einer Placebo-Behandlung verglichen. Bei Symptomen wie Übelkeit (70 % vs. 62 %) und Erbrechen (25 % vs. 28 %) konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede festgestellt werden.

In China ist die Integration von TCM-Methoden weitaus fortgeschrittener. Eine Studie aus dem Jahr 2011 belegte, dass 97,5 % der onkologischen Patienten eine Kräutertherapie erhielten. 63 % der Befragten kombinierten TCM mit westlicher Medizin, während lediglich 15 % ausschließlich auf TCM setzten.

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Klinische Anwendung bei komplexen Krankheitsbildern

Die praktische Relevanz zeigt sich in Berichten aus spezialisierten Einrichtungen wie dem Provinzkrankenhaus für TCM in Jiangsu. Unter der Leitung von Qian Jun wurde im Februar 2026 ein 69-jähriger Patient behandelt, bei dem innerhalb eines Jahres drei unabhängige Primärtumoren diagnostiziert worden waren: ein Lungenadenokarzinom, ein Magenkarzinom sowie Hautkrebs an beiden Armen. Nach einer ersten Chemotherapie litt der Patient unter schwerer oraler Mukositis und Immunsuppression.

Durch die Kombination westlicher Supportivtherapie mit TCM-Anwendungen, darunter Akupunktur-Pflaster und Spülungen, konnte die Mukositis geheilt und ein notwendiges Therapiefenster für weitere Eingriffe erreicht werden.

Nach vier Behandlungszyklen verkleinerte sich der Magentumor deutlich, und die Hautknoten remittierten klinisch vollständig. Qian Jun betonte, dass Mehrfachprimärtumoren nicht selten seien; in seiner Abteilung werden jährlich über zehn Fälle von Doppelkarzinomen behandelt.

Risiken und rechtliche Auseinandersetzungen

Neben den therapeutischen Möglichkeiten werden auch die Risiken der Methode vor Gericht verhandelt. Am Amtsgericht in Oslo wurde ein Fall erörtert, der auf eine Behandlung im November 2023 zurückgeht. Eine Patientin erlitt nach Nadelstichen im Rücken- und Brustbereich eine potenziell lebensbedrohliche Luft- und Blutansammlung in der Brusthöhle und musste notfallmäßig behandelt werden.

Die betroffene Frau war in der Folge acht Monate arbeitsunfähig. Die angeklagte Akupunkteurin bestreitet die Schuld. Ihr Verteidiger, Trygve Staff, erklärte, die Behandlung sei weder ursächlich für die Komplikation gewesen, noch habe eine Fahrlässigkeit vorgelegen.

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