Akupunktur: Gericht verhängt nach tödlichem Behandlungsfehler 20 Millionen Won
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deObwohl die Akupunktur weltweit als etablierte Methode der Komplementärmedizin angewendet wird, verdeutlichen medizinische Zwischenfälle und behördliche Disziplinarverfahren die erheblichen Risiken unsachgemäßer Behandlungen.
Wie aus Berichten vom 25. Oktober 2026 hervorgeht, verurteilte das Bezirksgericht Daejeon in Südkorea einen 68-jährigen Mediziner der traditionellen koreanischen Medizin nach einem tödlichen Behandlungsfehler. Der Vorfall unterstreicht die Notwendigkeit strenger Sorgfalts- und Dokumentationsstandards bei invasiven Eingriffen am menschlichen Körper.
Tödlicher Behandlungsfehler und gerichtliche Konsequenzen
In einer Praxis in Geumnam-myeon in der südkoreanischen Stadt Sejong hatte der 68-jährige Mediziner gegen 14:35 Uhr eine Akupunkturbehandlung gegen Rückenschmerzen an einem 92-jährigen Patienten vorgenommen. Dabei stach der Behandler drei Nadeln im Bereich des Brustkorbs ein.
Eine dieser Nadeln drang zu tief in den Körper ein und verursachte einen winzigen Myokardriss im Perikard. Der Patient klagte anschließend über akute Brustschmerzen sowie Atemnot, blieb danach jedoch rund 15 Minuten unbeaufsichtigt. In der Folge verlor der 92-Jährige das Bewusstsein und starb nach einer Notfallüberweisung um 17:08 Uhr.
Im Rahmen des Verfahrens stellte sich heraus, dass der Orientalmediziner vor der Nadelung weder den Puls des Seniors überprüft noch eine Risikoaufklärung vorgenommen oder eine Krankenakte geführt hatte.
Richter Gu Cheon-su von der 5. Strafkammer des Bezirksgerichts Daejeon verurteilte den Mediziner wegen fahrlässiger Tötung, Verstößen gegen das südkoreanische Medizindienstgesetz sowie Geschäftsbehinderung zu einer Geldstrafe von 20 Mio. Won (15.000 US-Dollar).
Das Gericht wertete das Geständnis, die gezeigte Reue sowie einen außergerichtlichen Vergleich mit den Hinterbliebenen des Verstorbenen strafmildernd.
Infektionsrisiken und schwerwiegende Spätfolgen
Neben direkten Organverletzungen bergen invasive Nadelungen auch infektionsbiologische Gefahren. Am israelischen Rambam Health Care Campus behandelten Mediziner eine zuvor gesunde Patientin in den Fünfzigern, die sich nach einer Akupunktursitzung mit einer Schwäche in den Händen vorgestellt hatte.
Innerhalb von 36 Stunden nach ihrer Ankunft im Krankenhaus entwickelte die Frau eine partielle Lähmung an allen vier Gliedmaßen. Eine Notfall-Magnetresonanztomographie brachte einen großen Abszess im Bereich der Halswirbelsäule zutage, der erheblichen Druck auf das Rückenmark ausübte. Das Ärzteteam entlastete die betroffene Region in zwei aufeinanderfolgenden Notoperationen.
Wer bei Rücken- oder Gelenkschmerzen nach risikoarmen Alternativen sucht, kann auf bewährte Techniken ohne invasive Nadeln zurückgreifen. Dieser kostenlose Guide zeigt, wie 101 gezielte Druckpunkte spürbare Linderung im Alltag bringen können. 101 Druckpunkte gegen Schmerzen jetzt kostenlos entdecken
Dr. Shachar Vider von der Wirbelsäulenchirurgie des Campus hielt fest, dass in der Fachliteratur bislang 22 Fälle von spinalen Epiduralabszessen nach Akupunkturen dokumentiert seien. Der behandelte Fall wurde im Fachblatt International Journal of Spine Surgery innerhalb einer retrospektiven Übersicht über einen Zeitraum von 28 Jahren erfasst.
Wegen der Infektionsrisiken gelten auch im Transfusionswesen strenge Schutzmaßnahmen. Die Blutspende SRK Schweiz verlangt in ihrer Kriterienliste nach einer Nadelbehandlung eine Wartefrist von vier Monaten, um Entzündungen oder Infektionen vor einer Blutspende verlässlich auszuschließen. Dabei sieht die Liste auch bei der Verwendung steriler Einmalnadeln keine automatischen Ausnahmen vor.
Über die Zulassung zur Spende entscheidet der jeweilige regionale Dienst auf Basis von Angaben zum Behandlungsdatum, zur behandelnden Person und zum Verfahren, wie etwa Elektroakupunktur oder blutigem Schröpfen.
Disziplinarmaßnahmen und medizinische Kontraindikationen
Mängel in Praxisführung und Fachkompetenz beschäftigen zudem internationale Aufsichtsbehörden. Das College of Complementary Health Professionals of British Columbia suspendierte eine Akupunteurin mit einer Vereinbarung vom 20. Oktober 2026 für zwei Monate.
Einer seit April 2025 laufenden Untersuchung zufolge hatte die Praktikerin ihren zulässigen Tätigkeitsbereich überschritten, indem sie eigenmächtig Ivermectin sowie Fenbendazol verschrieb, Injektionstherapien vornahm und Medikamente sowie Mundpflegeprodukte abgab.
Zudem beanstandete die Behörde erhebliche Dokumentationsmängel einschließlich nachträglicher Manipulationen an Patientenakten. Neben der Suspendierung verhängte die Aufsicht eine offizielle Rüge, verpflichtete die Behandlerin zu Kursen über Berufsethik sowie Aktenführung und ordnete nach ihrer Rückkehr einjährige stichprobenartige Kontrollen an.
Um die eigene Gesundheit besser zu überwachen und medizinische Diagnosen einzuordnen, ist das Verständnis der persönlichen Vitalwerte entscheidend. Ein kostenloser 25-Seiten-Report hilft Ihnen dabei, Laborwerte sicher zu interpretieren und mögliche Mängel frühzeitig zu erkennen. Gratis-Report: Laborwerte richtig verstehen
Fachpublikationen wie das MSD Manual mahnen zur Vorsicht bei Personen unter gerinnungshemmender Medikation, bei Schwangeren, bestehenden Infektionen, Fieber sowie bei Trägern von Herzschrittmachern im Falle von Elektroakupunktur.
Die Rehabilitationsabteilung des Krankenhauses Yangzhou Guangling in China, die Akupunktur bei Schlaganfallpatienten einführte, nennt Gerinnungsstörungen, Hautläsionen, psychiatrische Leiden und sensible Akupunkturpunkte bei Schwangeren als Kontraindikationen und empfiehlt, vier bis sechs Stunden nach der Behandlung nicht zu duschen.
Hinsichtlich der therapeutischen Wirksamkeit bleibt die Datenlage differenziert. Das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health verweist darauf, dass ein Nutzen nicht pauschal vorausgesetzt werden kann.
Während ein WHO-Bericht aus dem Jahr 2002 eine variable Studienlage für diverse Indikationen aufzeigte, sind nach Einschätzung des US-Instituts chronische Rückenschmerzen, Migräne sowie Übelkeit am Akupunkturpunkt P6 am besten wissenschaftlich untersucht.
