Akupunktur-Woche am Kloster Banz: 75 Jahre Tradition trifft auf moderne Schmerzforschung
16.05.2026 - 10:57:24 | boerse-global.de
Die 40. Internationale Akupunktur-Woche am Kloster Banz feiert ein doppeltes Jubiläum: 75 Jahre Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA) und einen Wandel in der medizinischen Denkweise. Mehr als 300 Teilnehmer und rund 80 Fachkurse zeigen, wie stark die Integration traditioneller Verfahren in die moderne Medizin voranschreitet. Die Tagung läuft noch bis zum 17. Mai 2026.
Von der Nadel zur Nervenheilkunde
Im Mittelpunkt der Jubiläumsveranstaltung Mitte Mai stehen Vorträge von Experten wie Professor Maio, Professor Kohls und Dr. Ventocilla. Die Bandbreite der Kurse spiegelt die zunehmende Professionalisierung der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) in Europa wider. Das Kloster als Tagungsort symbolisiert dabei die „Kraft der Ruhe“ – ein Konzept, das bei chronischen Erkrankungen immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Während Experten in Banz über die Professionalisierung der TCM diskutieren, können Betroffene von einer uralten Methode profitieren, die in wenigen Minuten spürbare Linderung bei Gelenkschmerzen verschaffen kann. Die Schmerzexpertin Christina Seibert zeigt in ihrem bebilderten Guide, wie der sogenannte 3-Finger-Trick aus der Akupressur ganz ohne Hilfsmittel im Alltag funktioniert. 101 Druckpunkte gegen Arthrose jetzt kostenlos entdecken
Doch nicht nur die Akupunktur erlebt eine Renaissance. Das Rheinland-Klinikum Dormagen-Hackenbroich ist seit März 2026 die erste zertifizierte Schmerzklinik Deutschlands für EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Die Methode, die seit 2015 in der Psychotherapie zugelassen ist, wird nun gezielt gegen chronische Schmerzen eingesetzt. Ein Paradigmenwechsel: Statt nur Symptome zu behandeln, rücken die neurologischen und psychologischen Wurzeln des Schmerzes in den Fokus.
Kreativität als Schmerzmittel
Neue Forschungsergebnisse untermauern diesen Ansatz. Eine Studie von Radwa Khalil von der Constructor University Bremen, veröffentlicht Mitte Mai 2026 im Fachjournal Neuroscience and Biobehavioral Reviews, zeigt: Kreative Tätigkeiten wie Malen, Schreiben oder Musizieren aktivieren dieselben neuronalen Bahnen, die auch bei der Schmerzverarbeitung beteiligt sind.
Der Effekt ist zweifach: Kreativität lenkt die Aufmerksamkeit vom Schmerz ab und aktiviert gleichzeitig das Belohnungssystem des Gehirns – vor allem durch die Ausschüttung von Dopamin. Die Forscher sehen darin eine vielversprechende Ergänzungstherapie nicht nur bei chronischen Schmerzen, sondern auch bei ADHS und Autismus.
Ein praktisches Beispiel liefert der „Nähkreis Lebensfreude“ in Mühlheim. Seit 2013 haben die Helfer dort rund 8.000 herzförmige Kissen genäht, die Brustkrebspatientinnen nach Operationen helfen, Schmerzen und Schwellungen zu lindern.
Hyperbare Sauerstofftherapie gegen Long-Covid
Die Neuausrichtung der Medizin zeigt sich auch bei komplexen Systemerkrankungen. Am Universitätsklinikum Graz kommt die größte Druckkammer Mitteleuropas zum Einsatz. Rund 400 Patienten mit ME/CFS und Post-Covid werden dort jährlich behandelt. Sie atmen unter erhöhtem Druck reines Sauerstoff – das soll Entzündungen reduzieren und die Mitochondrien-Aktivität verbessern. Die Wartezeiten für eine ambulante Behandlung betragen allerdings rund ein Jahr.
Ein weiteres Beispiel für den Wandel: die Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO). Aktuelle Daten von Mitte Mai 2026 zeigen, dass zwischen 60 und 80 Prozent der Patienten mit der Diagnose Reizdarmsyndrom tatsächlich an SIBO leiden. Die Diagnose erfolgt über Wasserstoff-Atemtests, behandelt wird mit spezifischen Antibiotika wie Rifaximin oder der Low-FODMAP-Diät. Die Rückfallquote liegt allerdings bei 50 Prozent innerhalb von sechs bis neun Monaten.
Der Gender Health Gap: Wenn Frauen nicht ernst genommen werden
Ein zentrales Thema der medizinischen Neuausrichtung ist die systematische Verzerrung in der Diagnostik. Der „Gender Health Gap“ – die geschlechtsspezifische Ungleichbehandlung im Gesundheitswesen – steht in der Kritik. Schmerzen von Frauen werden häufiger verharmlost oder fälschlich als psychosomatisch abgetan. Besonders betroffen sind Erkrankungen wie ME/CFS, die überwiegend Frauen betreffen und lange Zeit nicht ausreichend anerkannt wurden. Fallbeispiele zeigen Patientinnen, die ein Jahrzehnt mit Fehldiagnosen lebten, bevor sie die notwendige chirurgische Behandlung erhielten.
Selbsthilfe zwischen Klinikbesuchen
Um die LĂĽcke zwischen Arztbesuchen zu schlieĂźen, setzen Experten zunehmend auf medizinisch geprĂĽfte Selbstbehandlungsprotokolle. Physiotherapeuten empfehlen:
- Schlafhygiene: Spezielle Kissen mit 10 bis 13,5 Zentimetern Höhe stabilisieren die Wirbelsäule bei Seitenschläfern und reduzieren Druckpunkte.
- Die „Wolfsstunde“: Zwischen 3 und 4 Uhr morgens – wenn hormonelle Schwankungen von Cortisol und Melatonin oft zu Wachphasen und Angst führen – sollten Betroffene bewusst gegensteuern.
- Akupressurmatten aus Naturmaterialien und der richtige Einsatz von Walkingstöcken entlasten die Gelenke.
- Zielgerichtete Übungen gegen ISG-Blockaden (Iliosakralgelenk) mit spezifischen Dehnungen für Gesäß- und Hüftbeuger.
Neben manuellen Techniken wie Akupressur spielt auch die gezielte Kräftigung eine entscheidende Rolle, um Gelenkschmerzen dauerhaft zu lindern. Der Orthopäde Prof. Dr. med. Wessinghage hat 17 effektive Übungen zusammengestellt, die in nur 3 Minuten täglich helfen, Beschwerden vorzubeugen und Muskeln aufzubauen. Kostenlosen PDF-Ratgeber mit 17 Wunderübungen anfordern
Ausblick: Schmerzkongress und regionale Herausforderungen
Am 19. Mai 2026 lädt das Schmerzzentrum am Kantonsspital St. Gallen zu einem öffentlichen Vortrag unter dem Titel „Update Chronischer Schmerz“. Die Expertinnen Dr. Andrea Berendes und Dr. Klaus Elbs diskutieren aktuelle Entwicklungen.
Doch nicht überall läuft es rund. In Wien warnt die Ärztekammer vor Versorgungslücken an Wochenenden in der Klinik Penzing ab Juli 2026 – Grund ist der Mangel an Anästhesisten. Die Klinik soll bis 2032 schrittweise geschlossen werden.
Und in Nordrhein-Westfalen breitet sich die invasive Asiatische Hornisse (Vespa velutina) aus. Bereits knapp 2.000 Sichtungen wurden Anfang 2026 gemeldet. Das Land hat 150.000 Euro für ein Bekämpfungsprogramm bereitgestellt – ein weiteres Beispiel dafür, wie Umwelt- und Gesundheitsfragen zunehmend miteinander verwoben sind.
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