Akute RĂŒckenschmerzen: Warum Bewegung statt Bettruhe empfohlen wird
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei akuten RĂŒckenschmerzen galt lange Zeit die strikte Schonung als Mittel der Wahl. Medizinische Leitlinien und FachĂ€rzte bewerten diesen Ansatz inzwischen jedoch grundlegend anders. Carlos MartĂn, Chef der Traumatologie am Hospital Universitario Sanitas La Moraleja, rĂ€t bei RĂŒckenschmerzen ausdrĂŒcklich von absoluter Ruhe ab.
Solange keine Verletzung oder spezifische Àrztliche Anweisung die Bewegung einschrÀnke, solle eine angepasste AktivitÀt beibehalten werden, hieà es in einem spanischen Medienbericht vom 20. Oktober 2026.
AlltagsaktivitĂ€ten sollten demnach im tolerierbaren Bereich fortgefĂŒhrt und Bewegung schrittweise wiederhergestellt werden. Ein auftretender Schmerz bei Bewegung bedeute nicht zwingend, dass zusĂ€tzlicher Schaden im Gewebe entstehe.
Bewegung statt Schonung im Alltag
Fachleute empfehlen, AktivitĂ€t und Pausen abzuwechseln, anstatt sich vollstĂ€ndig ins Bett zu legen. Bei starken Schmerzen könne das Tempo vorĂŒbergehend reduziert, die Position gewechselt oder regelmĂ€Ăig aufgestanden werden. Besonders bei Ă€lteren Personen mit bestehender FragilitĂ€t können bereits relativ kurze Phasen der InaktivitĂ€t zu einer Dekonditionierung fĂŒhren.
Auch der Verband Physio Deutschland betont, dass starke RĂŒckenschmerzen nicht automatisch auf eine strukturelle SchĂ€digung hinweisen. Studien zeigen laut dem Verband, dass in den meisten FĂ€llen keine gefĂ€hrliche Ursache vorliegt. Bettruhe gelte demnach als ĂŒberholt, wĂ€hrend moderate AktivitĂ€t den Genesungsprozess unterstĂŒtze.
Zudem liefern bildgebende Verfahren wie MRT oder Röntgenaufnahmen hĂ€ufig Befunde, die sich gleichermaĂen bei vollkommen beschwerdefreien Menschen zeigen. Therapeuten arbeiten daher zunehmend nach einem bio-psycho-sozialen Ansatz. Auch alltĂ€gliche Bewegungen wie BĂŒcken und Heben seien nicht grundsĂ€tzlich gefĂ€hrlich.
HĂ€ufigkeit und Ursachen von Lumbalgien
RĂŒckenschmerzen im Lendenwirbelbereich zĂ€hlen weltweit zu den fĂŒhrenden Gesundheitsproblemen. Daten aus dem Jahr 2020 beziffern die Zahl der Betroffenen weltweit auf 619 Millionen, bei einer LebenszeitprĂ€valenz von 40 Prozent. Eine von fĂŒnf Lumbalgien fĂŒhrt zu einer ArbeitsunfĂ€higkeit, womit das Beschwerdebild weltweit die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr InvaliditĂ€t darstellt.
In mehr als 90 Prozent der FÀlle lÀsst sich keine spezifische organische Ursache feststellen, was medizinisch als unspezifische Lumbalgie bezeichnet wird. Bei etwa 5 bis 10 Prozent liegt eine lumbale Radikulopathie vor, wÀhrend andere spezifische Diagnosen weniger als 1 Prozent ausmachen.
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Nur in etwa einem von 1.000 FĂ€llen machen neurologische AuffĂ€lligkeiten eine sofortige Bildgebung erforderlich, weshalb bildgebende Verfahren routinemĂ€Ăig nicht empfohlen werden.
Unkomplizierte Beschwerden klingen oft von selbst wieder ab. Zur UnterstĂŒtzung der Bewegung können kurzfristig Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (AINS) oder Muskelrelaxanzien eingesetzt werden, wĂ€hrend Opioide maximal 14 Tage verabreicht werden sollten.
Bei chronischen VerlĂ€ufen wird ein supervidiertes Training von mindestens 20 Stunden ĂŒber einen Zeitraum von 8 bis 12 Wochen in Verbindung mit kognitiver Verhaltenstherapie angeraten. Nach zwölf Monaten liegt die Erholungsquote bei akuten Lumbalgien bei 72 Prozent, bei chronischen FĂ€llen bei 42 Prozent.
Ergonomie am Arbeitsplatz und Warnsignale
Einen wesentlichen Faktor fĂŒr Beschwerden stellt das Bewegungsverhalten am Arbeitsplatz dar. Die Segeberger Kliniken weisen darauf hin, dass der RĂŒcken auf Bewegung ausgelegt sei und Probleme primĂ€r durch stundenlanges Verharren in derselben Position entstĂŒnden. Empfohlen werden MobilisationsĂŒbungen, Treppensteigen und stĂŒndliches Aufstehen.
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Eine Untersuchung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ergab, dass mehr als 40 Prozent der Befragten bei Bildschirmarbeit ĂŒber Beschwerden im Nacken- oder RĂŒckenbereich klagten. Durch die Arbeit im Homeoffice traten bei 15 Prozent völlig neue Probleme auf, bei weiteren 19 Prozent verschlimmerten sich bestehende Leiden.
Trotz der allgemeinen Empfehlung zur Bewegung mĂŒssen bestimmte Warnsignale Ă€rztlich abgeklĂ€rt werden. MartĂn nennt hierzu Schmerzen nach einem schweren Trauma, Kraftverlust, SensibilitĂ€tsstörungen sowie plötzliche VerĂ€nderungen oder fortschreitende Verschlechterungen. Auch TaubheitsgefĂŒhle in den Beinen oder im Leistenbereich sowie Kontrollverluste von Blase oder Darm erfordern eine umgehende medizinische Untersuchung.
