Alibaba-Angriff: Anthropic wirft Kopie von 28,8 Mio. Claude-Abfragen vor
25.06.2026 - 12:07:08 | boerse-global.de
Der KI-Sicherheitspionier Anthropic hat den chinesischen Technologiekonzern Alibaba beschuldigt, in einem massiven Angriff die Fähigkeiten seines KI-Modells Claude illegal kopiert zu haben.
In einem Schreiben an den US-Senat und das Weiße Haus wirft das Unternehmen Alibaba vor, rund 25.000 gefälschte Konten für 28,8 Millionen Abfragen seiner Systeme genutzt zu haben. Die Aktion habe zwischen Ende April und Anfang Juni 2024 stattgefunden.
Der größte bekannte „Destillationsangriff"
Anthropic spricht von einem sogenannten Destillationsangriff. Dabei wird ein schwächeres oder konkurrierendes Modell mit den Ausgaben eines fortschrittlichen Systems trainiert, um dessen Logik und Leistungsfähigkeit nachzubilden. Das Unternehmen bezeichnet den Vorfall als den größten bekannten Fall eines solchen Angriffs – ein „dreister" Versuch, proprietäre Modell-Intelligenz abzuschöpfen.
Neben Alibaba habe man ähnliche Destillationsversuche von anderen chinesischen Unternehmen wie DeepSeek, Moonshot und MiniMax identifiziert, die Millionen von Abfragen umfassten. Alibaba selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Chinesische Regierungsvertreter und Branchenexperten wiesen die Anschuldigungen als haltlos zurück und führten sie auf Wettbewerbsangst und den Wunsch nach technologischer Vorherrschaft zurück.
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Mythos-Modell knackt geheime US-Systeme
Die Vorwürfe kommen zu einem brisanten Zeitpunkt. Erst kürzlich wurden die Sicherheitsrisiken von Anthropics fortschrittlichsten Modellen offenbar. In einer Anhörung vor dem US-Kongress enthüllte Senator Mark Warner, dass das Modell „Mythos" bei speziellen Tests Schwachstellen in hochsensiblen, geheimen US-Regierungssystemen identifizieren konnte. Die NSA soll demnach berichtet haben, dass das Modell diese Systeme in Stunden statt Wochen überwand.
Als Reaktion auf die nationalen Sicherheitsbedenken erließ das US-Handelsministerium am 12. Juni 2026 eine Anordnung. Anthropic musste seine Modelle „Fable 5" und „Mythos 5" für alle ausländischen Staatsangehörigen sperren. Das Unternehmen kam der Aufforderung innerhalb von 90 Minuten nach und nahm die Modelle kurzzeitig weltweit offline, bevor es eine Zugangskontrolle auf Basis der Staatsangehörigkeit einführte. Gegen diese Beschränkung hat die Kanzlei Legion LegalTech Klage eingereicht. Sie argumentiert, die Regierung habe mit der Anwendung von Exportkontrollen auf gehostete KI-Software ihre gesetzlichen Befugnisse überschritten.
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Strengere Identitätsprüfung ab Juli
Parallel zu den Sicherheitsenthüllen verschärft Anthropic seine Nutzerverifikation. Eine aktualisierte Datenschutzrichtlinie, die am 8. Juli 2026 in Kraft tritt, führt eine neue Kategorie für „Verifizierungsdaten" ein. Das Unternehmen kann dann von Nutzern der Free-, Pro- und Max-Tarife verlangen, amtliche Ausweise, Gesichtsfotos und biometrische Scans vorzulegen.
Die Maßnahmen sollen unter bestimmten Umständen zur Durchsetzung von Altersbeschränkungen und Sicherheitsregeln dienen. Anthropic will dafür auf Drittanbieter zurückgreifen. Der Schritt markiert eine deutliche Wende hin zu einer strengeren Identitätsverwaltung – das Unternehmen will sein geistiges Eigentum schützen und den wachsenden Anforderungen der US-Behörden gerecht werden. Anthropic fordert zudem ein koordiniertes Vorgehen von Regierung und Industrie, darunter klarere kartellrechtliche Leitlinien und härtere Strafen für unbefugte Modell-Destillation.
