Welt-Polio-Tag: Ausbruch in New York scheint eingedÀmmt
22.10.2023 - 10:38:40Rund ein Jahr nach dem wiederholten Nachweis von Polioviren im US-Bundesstaat New York scheint der Ausbruch weitgehend eingedÀmmt. Nachdem Anfang des Jahres noch vereinzelt Erreger im Abwasser des Bundesstaates nachgewiesen wurden, seien nun schon lÀnger keine mehr gefunden worden, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Der Katastrophenfall, den Gouverneurin Kathy Hochul im vergangenen Jahr ausgerufen hatte, war bereits im Dezember ausgelaufen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den 24. Oktober (Dienstag) zum Welt-Polio-Tag erklÀrt - mit dem Ziel einer weltweiten Ausrottung der KinderlÀhmung.
Internationale Entwarnung bedeutet die aktuelle Entwicklung in den USA nicht. Das vor 35 Jahren von der WHO zusammen mit Partnern beschlossene Ziel, die auch Poliomyelitis genannte Erkrankung auszumerzen, sei bisher nicht erreicht, heiĂt es im aktuellen Epidemiologisches Bulletin des Robert Koch-Instituts. Im Jahr 2022 habe es in Teilen Pakistans und Afghanistans einen Anstieg erfasster Infektionen mit Poliowildviren (WPV) gegeben. Ein noch gröĂeres Problem stellten in den letzten Jahren aber Infektionen mit sogenannten vakzineabgeleiteten Polioviren (cVDPV) dar.
FĂŒr 2022 sind laut Bulletin weltweit 880, fĂŒr 2023 bisher 305 solche FĂ€lle erfasst. Sie treten vor allem in Gebieten auf, in denen ein hoher Anteil der Bevölkerung ungeimpft ist. «Die abgeschwĂ€chten Viren in der Schluckimpfung können lange Zeit unentdeckt zirkulieren, sich dabei verĂ€ndern und schlieĂlich wieder akute schlaffe LĂ€hmungen verursachen», heiĂt es beim RKI. Durch die sehr niedrige Zahl mit Symptomen assoziierter FĂ€lle werde bei einer nachgewiesenen Erkrankung jeweils mit etwa 200 weiteren, nicht erkannten Infektionen gerechnet.
Impf-Routine unterbrochen
Routine-Impfungen wie die gegen Polio wurden in den Pandemie-Jahren in vielen LĂ€ndern unterbrochen. Afrikanische LĂ€nder seien aufgrund niedriger Impfquoten besonders von cVDPV-Infektionen betroffen, hieĂ es vom RKI. Auch unter anderem in Israel und GroĂbritannien hatte es im vergangenen Jahr Nachweise gegeben. Die Schluckimpfung wird beispielsweise in Afrika, Asien und auch in Israel noch verwendet, wĂ€hrend in den USA, GroĂbritannien und Deutschland schon seit lĂ€ngerem mit inaktiviertem Impfstoff gearbeitet wird, der keine lebensfĂ€higen Viren enthĂ€lt.
In den USA hatte die Infektionskrankheit eigentlich bereits als ausgestorben gegolten, nachdem es rund ein Jahrzehnt lang keine FÀlle mehr gegeben hatte. Dann aber infizierte sich im Sommer 2022 ein junger Mann nördlich der Millionenmetropole New York mit dem Virus, seine Beine sind nun teilweise gelÀhmt. Im Abwasser mehrerer Gemeinden des Bundesstaates und auch der Millionenmetropole wurden danach eine Zeit lang immer wieder Polio-Erreger nachgewiesen.
Die Erkrankung, die oft ĂŒber kontaminierte HĂ€nde als sogenannte Schmierinfektion oder ĂŒber verunreinigtes Wasser verbreitet wird, kann LĂ€hmungen auslösen und zum Tod fĂŒhren, vor allem Kleinkinder können dauerhafte LĂ€hmungen davontragen. Eine Heilung gibt es bisher nicht.
Vor EinfĂŒhrung von Schutzimpfungen gab es allein in Deutschland tausende Erkrankte und hunderte TodesfĂ€lle jĂ€hrlich. Durch die 1988 initiierten weltweiten Impfkampagnen konnten bis heute rund 20 Millionen Menschen vor einer LĂ€hmung und anderthalb Millionen vor dem Tod bewahrt werden, wie es bei der WHO heiĂt. Inzwischen allerdings liegen die Impfquoten vielerorts viel zu niedrig. In Deutschland werden Babys ab zwei Monaten geimpft, die Impfquote liegt im bundesweiten Mittel bei rund 90 Prozent.


