Altern: Positive Einstellung verlÀngert Leben um 7,5 Jahre
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 17:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Medienberichte und wissenschaftliche Untersuchungen rĂŒcken die Mechanismen des Ălterwerdens verstĂ€rkt in den Fokus. Die Daten verdeutlichen, dass Menschen auf molekularer Ebene höchst unterschiedlich altern. Zugleich spielen das eigene Empfinden sowie alltĂ€gliche Gewohnheiten eine erhebliche Rolle fĂŒr die geistige und körperliche Fitness in der zweiten LebenshĂ€lfte.
Individuelle Dynamiken im Blutbild
Wissenschaftliche Einblicke in die biologischen Prozesse liefert eine im Fachjournal Science erschienene Studie um Julia El-Sayed Moustafa vom King's College London.
Das Forschungsteam untersuchte 335 Frauen aus der britischen Zwillingskohorte TwinsUK im Alter zwischen 32 und 80 Jahren ĂŒber einen Zeitraum von bis zu acht Jahren wiederholt. Dabei erfassten die Wissenschaftler sowohl die GenaktivitĂ€t im Blut als auch 1.197 Stoffwechselprodukte im Blutserum.
Ăber eine Spanne von median sechs Jahren verĂ€nderten sich bei den Probandinnen mehr als 5.000 Gene sowie 181 Metabolite. Bemerkenswert waren dabei die individuellen VerlĂ€ufe, die sich bei einzelnen Teilnehmerinnen teils gegenlĂ€ufig entwickelten.
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WĂ€hrend die AktivitĂ€t des Gens TP53 sank, fielen die Werte fĂŒr CXCL9 stark unterschiedlich aus. Zudem hinterlieĂen Ă€uĂere Faktoren wie Tages- und Jahreszeiten sowie PFAS messbare molekulare Spuren im Organismus.
Die Bedeutung der mentalen Einstellung
Neben den biologischen Markern beeinflusst auch die psychologische Haltung den Alterungsprozess. Die Wiener Psychologin Jana Nikitin von der UniversitĂ€t Wien verweist darauf, dass Personen mit realistischeren und positiveren Altersbildern im Schnitt rund sieben Jahre lĂ€nger leben. Diese Menschen blieben zudem gesĂŒnder und geistig fitter.
GestĂŒtzt wird diese EinschĂ€tzung durch Forschungsarbeiten der Yale-Professorin Becca Levy. Demnach lebten Ă€ltere Menschen mit einer positiven Alters-Selbstwahrnehmung im Durchschnitt 7,5 Jahre lĂ€nger als Personen mit negativen Altersstereotypen.
Dieser Effekt erwies sich als stĂ€rker im Vergleich zu Faktoren wie einem niedrigen Blutdruck oder Normalgewicht. Eine neuere Auswertung mit mehr als 11.000 Teilnehmenden unterstreicht das Potenzial fĂŒr Verbesserungen: 45 Prozent der Ălteren legten ĂŒber einen Beobachtungszeitraum von zwölf Jahren kognitiv oder körperlich zu.
Die allgemeine Lebenserwartung hat sich in den vergangenen 150 Jahren verdoppelt. Dabei lohnt sich eine VerhaltensĂ€nderung auch im fortgeschrittenen Alter: FrĂŒhere Bewegungsmuffel profitieren nachweislich, wenn sie erst im Alter von 60 Jahren mit körperlicher AktivitĂ€t beginnen.
Wer sich mit dem Thema befasst, erkennt schnell, dass gezielte AktivitĂ€t im Alltag den Alterungsprozess massiv beeinflussen kann. Dieser Ratgeber eines Sportmediziners zeigt Ihnen 17 einfache Ăbungen, mit denen Sie in wenigen Minuten tĂ€glich Ihre Fitness stĂ€rken. 17 Ăbungen, 3 Minuten tĂ€glich â so bauen Sie Muskeln auf und beugen Beschwerden vor
Geriatrie warnt vor Pathologisierung und Scheinmitteln
Auf die gesellschaftliche Einordnung des Themas blickt Michael Denkinger, PrĂ€sident der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Geriatrie (DGG). Er betont, dass Altern keine Krankheit darstelle, und stuft eine Pathologisierung dieses natĂŒrlichen Prozesses als sehr gefĂ€hrlich ein.
Im Vorfeld des Jahreskongresses der Fachgesellschaften fĂŒr Geriatrie und Gerontologie in Frankfurt am Main, zu dem rund 1.000 Fachleute erwartet werden, debattiert die Fachwelt Leitfragen wie die Einstufung des Alterns sowie Alzheimer-Therapien und die Folgen des Klimawandels fĂŒr Senioren.
Kommerziellen Heilsversprechen erteilt der Mediziner eine Absage. FĂŒr sogenannte Longevity-Produkte wie etwa Peptide gebe es keine Belege, sondern maximal Erkenntnisse aus Tierversuchen. Bislang existiere kein Produkt, das nachweislich das menschliche Leben verlĂ€ngere.
Als wissenschaftlich gesichert gelten stattdessen bekannte Faktoren: reichlich Bewegung, eine ausgewogene ErnĂ€hrung, der Verzicht auf das Rauchen, geringer Alkoholkonsum, regelmĂ€Ăige Vorsorgeuntersuchungen sowie aktive soziale Kontakte.
