Altersarmut: 1,3 Millionen Rentner auf Grundsicherung angewiesen
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 16:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die finanzielle Kluft zwischen steigenden Lebenshaltungskosten und dem Rentenniveau wird größer. Besonders Frauen und Pflegebedürftige sind betroffen.
Fast 1,3 Millionen beziehen Grundsicherung
Im Jahr 2025 waren knapp 1,3 Millionen Menschen auf Grundsicherung im Alter angewiesen. Das ist ein deutlicher Anstieg: 2016 lag die Zahl noch bei 1,03 Millionen, 2021 bei 1,12 Millionen. Die Armutsgefährdungsschwelle lag bei 1.446 Euro brutto pro Monat.
Besonders hart trifft es Frauen. Über 60 Prozent der Rentnerinnen lagen 2025 unter dieser Schwelle. Bei den Männern waren es 27,8 Prozent. Die durchschnittliche Rente von Frauen betrug 1.039 Euro, die der Männer 1.415 Euro. Selbst eine lange Erwerbsbiografie schützt nicht: 2,22 Millionen Frauen mit mehr als 40 Beitragsjahren blieben unter der Armutsgrenze.
Wohnkosten und Pflege: Die größten Kostentreiber
Die Wohnkosten belasten Rentner massiv. 2024 bezogen über 709.000 Rentner Wohngeld – fast viermal so viele wie 2015 (194.000). Für Immobilienbesitzer gibt es unter bestimmten Voraussetzungen einen Lastenzuschuss.
Noch dramatischer ist die Entwicklung bei den Pflegekosten. Der durchschnittliche Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz stieg bis Mitte 2026 auf 3.364 Euro pro Monat. Die Sozialhilfequote in Pflegeheimen erreichte mit 37 Prozent einen historischen Höchststand. Ohne Reformen könnte dieser Anteil bis 2035 auf fast 43 Prozent steigen.
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Rentenerhöhung: Nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
Zum 1. Juli 2026 stiegen die Renten um 4,24 Prozent. Der Rentenwert liegt nun bei 42,52 Euro. Doch die reale Entlastung bleibt begrenzt: Steigende Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Steuerpflicht fressen einen Teil der Erhöhung auf. Der steuerliche Grundfreibetrag für Alleinstehende liegt aktuell bei 12.348 Euro.
Der Unterschied zwischen gesetzlicher Rente und Pension ist eklatant: Die durchschnittliche Rente liegt bei 1.289 Euro, die Durchschnittspension bei 3.416 Euro brutto. Wer Angehörige pflegt, zahlt drauf: Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen verlieren pflegende Angehörige im Schnitt 1,3 Rentenpunkte.
Reformstau: Was plant die Politik?
Die Pflegeversicherung steuert auf ein Defizit von 22,5 Milliarden Euro in den nächsten zwei Jahren zu. Die Gesundheitsministerin schlägt vor, den Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte auf 0,7 Prozent anzuheben. Für Versicherte mit Kindern bliebe er stabil.
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Diskutiert werden außerdem eine Mindestrente und die Einbeziehung von Selbstständigen und Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung. Auch eine Streckung von Zuschusszeiträumen bei der Pflege steht im Raum – was kurzfristig höhere Eigenanteile bedeuten würde.
Die Skepsis in der Bevölkerung ist groß: 82 Prozent der Deutschen glauben nicht, dass die gesetzliche Rente im Alter ausreicht. Eine umfassende Pflegereform wird für Herbst 2026 im Bundestag erwartet.
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