Altersarmut, Rentner

Altersarmut: 771.275 Rentner auf Grundsicherung – Rekordstand

06.07.2026 - 05:10:31 | boerse-global.de

Die Zahl der Grundsicherungsempfänger im Rentenalter erreicht mit über 771.000 einen neuen Höchststand. Besonders Frauen und Ostdeutsche sind betroffen.

Rekord bei Grundsicherung: Immer mehr Rentner in Deutschland betroffen
Altersarmut - Die Hände einer älteren Person zählen eine kleine Menge Euromünzen auf einem Tisch in einer schummrigen Wohnung. 06.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

771.275 Rentner in Deutschland sind auf Grundsicherung angewiesen – so viele wie nie zuvor. Das zeigen aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes, die auf eine Anfrage der BSW-Gruppe zurückgehen. Der Wert markiert den höchsten Stand seit Einführung des Systems im Jahr 2003.

Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Empfänger um rund 30.000. Im Vergleich zu vor vier Jahren sind es sogar 180.000 Betroffene mehr. Allein im ersten Quartal 2026 kamen über 7.000 hinzu.

Vor allem Frauen und Geringverdiener betroffen

Besonders häufig trifft es Frauen, Geringverdiener und Alleinlebende. Experten sehen die Ursache unter anderem im deutschen Rentenniveau, das im EU-Vergleich niedrig ausfällt. In Österreich etwa liegt die Durchschnittsrente deutlich höher, eine Mindestrente schützt dort besser vor Armut.

Ostdeutschland besonders belastet

Die regionalen Daten zeigen eine überdurchschnittliche Betroffenheit in Ostdeutschland. In Sachsen bezogen im März 21.490 Rentner Grundsicherung – 1.600 mehr als im Vorjahr. In Sachsen-Anhalt waren es 11.835 (plus 800), in Thüringen 9.510 (plus 900). Auch Brandenburg mit über 13.000 und Mecklenburg-Vorpommern mit mehr als 10.000 Beziehern melden eine angespannte Lage.

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BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze kritisiert geplante Rentenreformen scharf. Besonders die Streichung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren könnte Erwerbsbiografien in Ostdeutschland hart treffen. Er spricht von „deutlichen Rentenkürzungen“.

Verdeckte Armut als großes Problem

Neben niedrigen Löhnen und lückenhaften Berufsbiografien belasten vor allem Inflation und steigende Wohnkosten die Haushalte. Hinzu kommt ein massives Problem: Nach Schätzungen des DIW nehmen rund 60 Prozent der Anspruchsberechtigten die Grundsicherung nicht in Anspruch.

BSW-Chefin Sahra Wagenknecht warnt, viele Senioren verzichteten aus Scham auf den Gang zum Sozialamt. Die offiziellen Zahlen seien nur die „Spitze eines Eisbergs“. Die tatsächliche Bedürftigkeit dürfte deutlich höher liegen.

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Warnsignal für die Politik

In der politischen Debatte gilt die Entwicklung als Alarmzeichen. Kritiker betonen, die Grundsicherung werde von einer Ausnahme zu einem strukturellen Merkmal des deutschen Rentensystems. Im Fokus steht die geplante Reform der Bundesregierung. Oppositionspolitiker warnen, sie könnte die finanzielle Situation künftiger Rentnergenerationen weiter verschärfen.

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