Altersarmut durch Pflege: 920 Euro Eigenanteil übersteigt Durchschnittsrente
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die geplante Pflege-Reform der Bundesregierung sorgt für politischen Zündstoff. Kritiker warnen vor sozialen Härten für pflegende Angehörige und höheren Kosten in Heimen.
Rentenkürzungen sorgen für Empörung
Besonders umstritten: Die geplante Absenkung der Rentenbeiträge für Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen. Ein Entwurf von Anfang August 2026 sieht vor, die Beiträge auf 70 Prozent des bisherigen Niveaus zu reduzieren. Aktuell zahlen Pflegende bis zu 740 Euro monatlich in die Rentenkasse.
Die Pflegebeauftragte Katrin Staffler (CSU) läuft dagegen Sturm. Sie warnte am 3. August, weniger Rentenpunkte würden die finanzielle Absicherung im Alter gefährden. Unterstützung kommt von den ostdeutschen Ministerpräsidenten sowie von Grünen und Linken. Der Grünen-Fraktionsvize Audretsch befürchtet, dass Pflegende in die Altersarmut getrieben werden. Die SPD-Vorsitzende Bas zeigt sich gesprächsbereit, während Unions-Politiker wie CSU-Chef Söder und CDU-Mann Reddig davor warnen, das gesamte Paket neu aufzuschnüren.
Eigenanteile: Pflege darf nicht in die Sozialhilfe führen
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Auch die Kosten in Pflegeheimen bereiten Sorgen. Schon 2024 lag der Mindest-Eigenanteil bei 920 Euro pro Monat – die Durchschnittsrente beträgt gerade einmal 1.154 Euro. Die Linke rechnet vor: Für Lebenshaltungskosten bleibt kaum etwas übrig.
CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek fordert eine Begrenzung der Eigenanteile. „Pflege darf nicht zwangsläufig in die Sozialhilfe führen“, mahnt er. Sein Vorschlag: versicherungsfremde Leistungen aus Steuermitteln finanzieren und die häusliche Pflege stärker fördern.
Vorsorge statt Reparatur?
Pflegende Angehörige zahlen heute bis zu 740 Euro monatlich in die Rentenkasse – doch die Reform will das kürzen. Wer jetzt nicht handelt, riskiert Altersarmut. Holen Sie sich die Checkliste mit allen Leistungen, die Ihnen zustehen. Checkliste jetzt sichern
Ein Referentenentwurf vom 4. August setzt auf Prävention: Menschen ab 60 sollen künftig Anspruch auf spezielle Vorsorgeuntersuchungen haben. Damit will die Regierung Pflegebedürftigkeit frühzeitig verhindern. Experten wie Schömann-Finck zweifeln jedoch, ob dieser Ansatz die Pflegekrise nachhaltig löst.
Der Handlungsdruck ist enorm: 2023 waren über fünf Millionen Menschen pflegebedürftig. Bis 2055 könnte diese Zahl um bis zu 34 Prozent steigen. Die Frage nach der Finanzierung bleibt damit eines der drängendsten sozialpolitischen Themen.
