Altersverifikation, Forscher

Altersverifikation: Forscher knackt EU-System mit Chrome-Erweiterung

Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 22:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Sicherheitsforscher deckt Schwachstellen in der EU-Altersverifikation auf, während die Kommission das System auf soziale Medien ausweiten will.

Sicherheitslücke in EU-Altersprüfung: Forscher zeigt Umgehungsweg auf
Digitales Vorhängeschloss mit EU-Symbol, leuchtende Codezeilen, verschwommene Social-Media-Icons im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Sicherheitsforscher hat kritische Schwachstellen in der europäischen Altersverifikations-Infrastruktur aufgedeckt – ausgerechnet während die EU-Kommission das System ausweiten will.

Der Forscher Paul Moore demonstrierte am 15. Juli 2026, wie eine einfache Chrome-Erweiterung die offizielle App zur Altersprüfung umgehen kann. Das System soll Minderjährige vor altersbeschränkten Inhalten schützen.

Technische Mängel und Sicherheitslücken

Die von der EU eingeführte Verifikationslösung ermöglicht einen anonymen Altersnachweis über digitale Geldbörsen oder spezielle Apps. Moores Analyse zeigt jedoch: Die Anwendung verwendet einen softwarebasierten P-256-Kryptographieschlüssel statt hardwaregestützter Sicherheitszertifikate.

Diese technische Umsetzung erlaubt es, Altersnachweise mehrfach zu verwenden – eine Schwachstelle, die den Umgehungsangriff erst möglich machte. Die EU-Kommission hatte zwar eingeräumt, dass VPN-Dienste die Hürden teilweise umgehen können. Das erklärte Ziel war jedoch, die technische Schwelle für den Zugang zu Glücksspiel, Alkoholverkauf und Erwachseneninhalten deutlich anzuheben.

Ausbaupläne für soziale Medien

Die Sicherheitslücke kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen plant, genau diese Infrastruktur für Altersbeschränkungen in sozialen Netzwerken zu nutzen. Formelle Vorschläge werden nach dem Sommer 2026 erwartet.

Die Initiative zielt auf ein EU-weites Mindestalter von etwa 13 Jahren für den Zugang zu sozialen Plattformen. Ein am 16. Juli 2026 veröffentlichter Bericht des Sonderausschusses für Kindersicherheit im Netz unterstützt diese Pläne. Das Gremium, das im Frühjahr und Frühsommer 2026 tagte, empfiehlt eine EU-weite Sperre für Nutzer unter 13 Jahren. Die Beweislast soll bei den Dienstanbietern liegen.

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Regulatorischer Druck wächst

Parallel zur EU-Initiative geraten bestehende Plattformen zunehmend unter Druck. Die britische Regulierungsbehörde Ofcom leitete am 16. Juli 2026 eine Untersuchung gegen TikTok ein. Der Vorwurf: Die Alterserkennungsmodelle des Dienstes identifizieren angeblich einen erheblichen Anteil Minderjähriger nicht korrekt. Bei Verstößen gegen den britischen Online Safety Act drohen Strafen von bis zu 18 Millionen Pfund oder zehn Prozent des weltweiten Umsatzes.

Während die EU auf ein Mindestalter von 13 Jahren setzt, gehen einige Mitgliedstaaten weiter. Spanien plant ein Verbot bestimmter Anwendungen für unter 16-Jährige, verbunden mit verpflichtenden Altersprüfungen. Diese nationalen Vorstöße zeigen einen wachsenden Trend zur „Altersabsperrung“ des Internets – trotz Warnungen von Datenschützern vor dem Ende des offenen und anonymen Netzes.

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Technologiekonzerne reagieren

Angesichts der steigenden Nachfrage arbeiten auch andere Tech-Giganten an Lösungen. Aktuelle Software-Updates deuten darauf hin, dass Google Wallet eine „Altersnachweis“-Funktion entwickeln könnte. Sie soll Nutzern erlauben, ihr Alter zu bestätigen, ohne persönliche Ausweisdaten an einzelne Websites weiterzugeben. Die Funktion ist jedoch noch nicht vollständig einsatzbereit.

Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen bleibt fraglich. Eine britische Studie zeigt: Nur sieben Prozent der Kinder nutzen VPNs, um Alterskontrollen zu umgehen. Fast die Hälfte der unter 13-Jährigen gibt jedoch schlicht ein falsches Alter an. Ofcom will im Oktober 2026 einen weiteren Bericht zur Wirksamkeit robuster Alterskontrollen vorlegen.

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