Altersvorsorge ab 2027: Depot bringt Gutverdiener bis 630 Euro Vorteil
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bundesrat hat die Reform der privaten Altersvorsorge gebilligt. Ab dem 1. Januar 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente fĂŒr alle NeuvertrĂ€ge. Bestehende Riester-VertrĂ€ge lassen sich weiterfĂŒhren oder in das neue Modell ĂŒberfĂŒhren. Besonders fĂŒr Gutverdiener eröffnet das Depot neue Wege zur Steueroptimierung und zum renditeorientierten Vermögensaufbau.
So funktioniert die staatliche Förderung
Das neue Modell kombiniert direkte Zulagen mit steuerlichen Abzugsmöglichkeiten. Die Grundzulage ist gestaffelt: FĂŒr die ersten 360 Euro Eigenbeitrag jĂ€hrlich gibt es 50 Cent Zuschuss pro investiertem Euro. Bei BetrĂ€gen zwischen 361 und 1.800 Euro sinkt die Förderung auf 25 Cent pro Euro. Wer 1.800 Euro einzahlt, erhĂ€lt damit maximal 540 Euro vom Staat â vorausgesetzt, die Mindesteinzahlung von 120 Euro pro Jahr wird erreicht.
FĂŒr Gutverdiener lohnt sich zusĂ€tzlich der Sonderausgabenabzug. Wer einen Grenzsteuersatz von 42 Prozent hat â ab etwa 70.000 Euro Jahreseinkommen â, kann mit einer Erstattung von rund 443 Euro rechnen. Bei 50 Prozent Grenzsteuersatz steigt der Vorteil auf etwa 630 Euro. Möglich sind zwei Depots mit einem geförderten Höchstbetrag von jeweils 6.840 Euro. Ungeförderte Einzahlungen sind bis zu 11.880 Euro pro Jahr erlaubt.
Schluss mit teuren Garantien
Ein zentraler Unterschied zur Riester-Rente: Das Altersvorsorgedepot verzichtet weitgehend auf verpflichtende Beitragsgarantien. Klassische Riester-Produkte fraĂen oft hohe Absicherungskosten in die Rendite. Das neue Format erlaubt stattdessen Investitionen in Aktienfonds und ETFs. Die Fondsindustrie reagiert bereits: Die DWS Group verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 ZuwĂ€chse beim verwalteten Vermögen auf 1.190 Milliarden Euro.
Branchenanalysen von S&P Global prognosticieren zusĂ€tzliche jĂ€hrliche NettozuflĂŒsse zwischen 26 und 56 Milliarden Euro in den ersten zwei Jahren. DWS-CEO Hoops rechnet branchenweit mit 34 Milliarden Euro jĂ€hrlich durch das neue Vorsorgemodell. Die Hoffnung: mehr Rendite durch den Zugang zu KapitalmĂ€rkten â und damit eine effektivere SchlieĂung der RentenlĂŒcke.
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Das gilt in der Auszahlungsphase
Das Depot folgt dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Einzahlungen und Zulagen bleiben in der Ansparphase steuerfrei, Auszahlungen werden spÀter versteuert. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber:
- Geförderter Teil: Auszahlungen aus staatlich bezuschussten BeitrÀgen unterliegen der vollen Einkommensteuer.
- Ungeförderter Teil: Bei mindestens 12 Jahren Haltedauer und Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr greift das HalbeinkĂŒnfteverfahren. Sonst kommt die Abgeltungsteuer zur Anwendung.
- AuszahlungsplÀne: Bei EntnahmeplÀnen kalkulieren SchÀtzungen mit etwa 18 Prozent Belastung ab 65 Jahren oder 17 Prozent ab 67 Jahren.
Der Trend zur stĂ€rkeren Besteuerung von AlterseinkĂŒnften zeigt sich in den Daten fĂŒr 2025: Von 423 Milliarden Euro ausgezahlten Renten waren bereits 304 Milliarden Euro steuerpflichtig â das sind 72 Prozent. Seit 2015 ist der durchschnittliche Besteuerungsanteil um mehr als 16 Prozentpunkte gestiegen.
FrĂŒhstartrente: 10 Euro pro Monat vom Staat
ZusĂ€tzlich fĂŒhrt die Reform ab 2027 die FrĂŒhstartrente ein. FĂŒr berechtigte Kinder zahlt der Staat bis zum 18. Geburtstag monatlich 10 Euro in ein Depot ein. Eltern können diesen Betrag eigenstĂ€ndig aufstocken, um den Zinseszinseffekt ĂŒber die lange Laufzeit zu nutzen.
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Doch die ZurĂŒckhaltung ist spĂŒrbar: Jeder vierte befragte Elternteil will den Zuschuss laut einer Umfrage der MLP School of Financial Education und YouGov (April 2026) nicht aus eigener Tasche ergĂ€nzen. Fachleute warnen: Die staatlichen 10 Euro allein reichen kaum fĂŒr eine substanzielle Altersvorsorge. Entscheidend bleiben private ErgĂ€nzungen und die Wahl renditestarker Anlageformen.
Erstmals erhalten auch SelbststÀndige und Mitglieder von Versorgungswerken umfassenden Zugang zu den geförderten Strukturen.
