Altersvorsorge-Krise, Erwerbstätiger

Altersvorsorge-Krise: 76% Erwerbstätiger trauen der Rente nicht

26.06.2026 - 09:50:54 | boerse-global.de

Eine Postbank-Umfrage zeigt: 76% der Erwerbstätigen misstrauen der gesetzlichen Rente. Kostengünstige ETFs werden zur beliebten Alternative für die private Altersvorsorge.

Altersvorsorge: Deutsche setzen zunehmend auf ETFs statt Rente
Altersvorsorge-Krise - Hände halten ein Tablet mit Finanzdiagrammen und ETF-Daten. Im Hintergrund ein unscharfes modernes Büro. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Postbank-Befragung vom Juni 2026. Die Folge: Immer mehr Anleger setzen auf kosteneffiziente Anlageformen wie ETFs.

Warum ETFs aktiv gemanagten Fonds überlegen sind

Der größte Vorteil passiver Indexfonds liegt in der Gebührenstruktur. Während aktiv gemanagte Fonds oft eine Gesamtkostenquote (TER) von 1,5 bis 2,0 Prozent verlangen, liegen die Kosten für ETFs meist unter 0,2 Prozent. Hinzu kommen Ausgabeaufschläge von bis zu 5 Prozent bei aktiven Fonds – bei ETFs entfallen sie komplett.

Die langfristige Wirkung dieser Differenz ist enorm. Eine Modellrechnung zeigt: Wer 10.000 Euro einmalig anlegt und monatlich 250 Euro über 20 Jahre spart, erzielt bei 7 Prozent Marktrendite vor Kosten unterschiedliche Ergebnisse. Ein aktiver Fonds mit 1,8 Prozent Gesamtkosten bringt rund 125.745 Euro. Ein ETF mit 0,9 Prozent Kosten schafft etwa 143.713 Euro. Die Kostenersparnis: über 17.900 Euro.

Auch praktische Erfahrungen bestätigen diesen Trend. Der Autor Sebastian Dalkowski startete im August 2025 einen ETF-Sparplan. Sein Fazit: Eine über 15 Jahre besparte private Rentenversicherung hatte bei Beiträgen von über 20.000 Euro gerade einmal 1.000 Euro Gewinn erwirtschaftet.

Einstieg wird immer günstiger

Banken und Neobroker senken die Hürden für den Vermögensaufbau massiv. Die Kreissparkasse Euskirchen und die OstseeSparkasse Rostock bieten ETF-Sparpläne bereits ab 25 Euro monatlich an. Die Erste Sparkasse ermöglicht den Einstieg über ihre Plattform George Invest ab 50 Euro.

Gleichzeitig locken höhere Zinsen auf Tagesgeldkonten. Nach der ersten EZB-Zinserhöhung seit fast drei Jahren auf 2,25 Prozent haben zahlreiche Neobroker ihre Konditionen angepasst. Die Spanne reicht von 2,0 Prozent bei Smartbroker+ oder Traders Place bis zu 3,50 Prozent bei Trading212. Direktbanken wie Consorsbank oder ING ködern Neukunden mit befristeten Aktionszinsen von bis zu 3,40 Prozent.

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KI verändert das Anlageverhalten

Künstliche Intelligenz mischt auch die Finanzwelt auf. Eine Studie der Hochschule Luzern und Finpension vom Februar 2026 zeigt: Jeder vierte Schweizer nutzt KI bereits für Finanzfragen. Besonders stark ist der Trend bei der Gen Z – 32 Prozent greifen gelegentlich bis täglich auf KI-Unterstützung zurück.

Die Auswirkungen sind messbar: Rund 12 Prozent der KI-Nutzer wechselten aufgrund einer KI-Empfehlung ihren Finanzanbieter. Zudem treffen Anleger dank der Technologie schneller Entscheidungen und investieren tendenziell höhere Beträge.

Staatliche Rente: Kommt das schwedische Modell?

Die Bundesregierung plant eine kapitalgedeckte Rente nach schwedischem Vorbild. Ab 2028 sollen schrittweise 2 Prozent des Bruttoeinkommens von Arbeitgebern und Beschäftigten in den Kapitalmarkt fließen. Anja Mikus, Chefin des staatlichen Fonds Kenfo, bezeichnet das als „wesentliche Reform für den Standort Deutschland“ und fordert klare rechtliche Rahmenbedingungen.

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Kritik kommt von Arbeitgeberverbänden und Wirtschaftswissenschaftlern. Sie warnen vor einer Mehrbelastung von über 40 Milliarden Euro jährlich und möglichen Doppelstrukturen. Doch die langfristigen Daten des Deutschen Aktieninstituts sprechen für sich: Ein DAX-Sparplan über 20 Jahre erzielte historisch eine durchschnittliche Rendite von rund 9 Prozent pro Jahr. Aus 12.000 Euro Einzahlung wurden so etwa 32.000 Euro.

Trotz der hohen Sparneigung bleibt die allgemeine Konsumstimmung verhalten. Der Konsumklima-Index für Juli 2026 liegt bei -29,2 Punkten. Nachlassende Inflationssorgen deuten aber auf eine leichte Entspannung hin.

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