Altersvorsorgedepot, Riester-Regeln

Altersvorsorgedepot 2027: Neue Riester-Regeln und bis zu 540 Euro Grundzulage

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehr Selbstverwaltung und digitale Angebote prägen die Vorsorge; zugleich bevorzugen viele Menschen bei wichtigen Finanzfragen persönliche Beratung.

Altersvorsorge im Wandel: Eigenverantwortung und neue Depotmodelle
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Raum mit einem leeren Sessel, der Ruhe und langfristige Planung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die weltweiten Altersvorsorgesysteme befinden sich in einem grundlegenden Wandel. Wie das Swiss Re Institute in seiner sigma-Studie mit dem Titel „Neue Realität in der Altersvorsorge“ darlegt, überträgt ein anhaltender Generationenwechsel zunehmend Eigenverantwortung für Alterseinkommen, Nachlassplanung und Pflege auf die einzelnen Bürger. Finanzdienstleister stehen vor der Aufgabe, sich auf diese stark veränderten Kundenbedürfnisse einzustellen.

Wachsender Trend zur individuellen Kapitalverwaltung

Die Verschiebung hin zu mehr Eigenverantwortung zeigt sich deutlich im Verhalten der Vorsorgenden. Den Erhebungen des Swiss Re Institute zufolge entschieden sich im Jahr 2018 in einem der größten Altersvorsorgepläne der USA über die Hälfte der Pensionierten für einen Kapitalbezug und die anschließende Selbstverwaltung ihres Vermögens.

Im Jahr 2000 hatte dieser Anteil bei lediglich 10 Prozent gelegen. Eine vergleichbare Entwicklung zeigt sich im Vereinigten Königreich: Dort wurden im Jahr 2024 rund 36 Prozent des Vorsorgevermögens, auf das Pensionierte zugriffen, als Kapital anstelle eines lebenslangen Einkommens bezogen.

Zugleich verändert sich die Vertriebslandschaft der Vorsorgebranche. Nach Angaben des Swiss Re Institute schlossen drei von Private Equity unterstützte US-Vertriebsgruppen im Zeitraum von 2017 bis 2025 mehr als 300 öffentlich angekündigte Übernahmen von unabhängigen Vertriebs- und Beratungsunternehmen ab.

Digitalisierung trifft auf Wunsch nach persönlicher Beratung

Parallel dazu investiert die Branche intensiv in die Digitalisierung. Eine Untersuchung des Swiss Re Institute von 197 öffentlich bekannten KI- und Technologieinitiativen führender globaler Lebensversicherer und Vermittler ergab, dass rund 70 Prozent dieser Projekte direkte Kundenbereiche sowie die Kundenerfahrung betreffen.

Dennoch bleibt der menschliche Faktor entscheidend: In einer Umfrage des Instituts unter knapp 3.000 Konsumenten in sieben Ländern gaben fast zwei Drittel der Befragten an, bei komplexen Vorgängen wie der Schadensabwicklung einen persönlichen Kontakt zu bevorzugen.

Diese Haltung spiegelt sich auch im deutschen Markt wider. Laut der OVB-Studie „Finanzberatung im Zeitalter der KI“ unter 1.000 Befragten in Deutschland hat zwar mehr als die Hälfte bereits KI für Finanz- oder Versicherungsthemen genutzt – 37 Prozent regelmäßig oder gelegentlich und 18 Prozent selten –, doch 75 Prozent vertrauen bei wichtigen Finanzentscheidungen eher oder ausschließlich einem Menschen.

Bei 43 Prozent der Befragten besteht keine Bereitschaft, allein auf Basis einer KI-Empfehlung zu investieren; 23 Prozent würden dies nur nach Bestätigung durch einen Berater tun.

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Als zentrale Sorgen nannten 59 Prozent falsche Empfehlungen, 45 Prozent eine unzureichende Berücksichtigung der persönlichen Situation und 44 Prozent den Datenschutz. Den größten Beratungsbedarf sehen die Befragten mit 41 Prozent beim Thema Altersvorsorge.

Deutscher Markt vor der Reform: Das Altersvorsorgedepot

In Deutschland wird der Übergang zu mehr Eigenverantwortung und renditeorientierten Modellen zusätzlich durch den Gesetzgeber vorangetrieben. Am 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot als Nachfolger der Riester-Rente, während neue Riester-Verträge nur noch bis zum 31. Dezember 2026 abgeschlossen werden können. Das neue Modell sieht unter anderem eine Grundzulage von maximal 540 Euro pro Jahr bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro sowie Kinderzulagen vor. Zudem entfällt die bisherige Pflicht zu Kapitalgarantien, was Anlagen in Fonds und ETFs ermöglicht.

Die Marktteilnehmer bereiten sich unterschiedlich auf diese Neuausrichtung vor. Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG), die Ende 2025 rund 1,4 Millionen Riester-Verträge im Bestand führte, plant das Altersvorsorgedepot ohne Garantien auf Fondsbasis anzubieten. Dabei soll der Fokus auf einem Individualdepot liegen, während ein kostengünstiges Standarddepot mit einem Kostendeckel von maximal 1,0 Prozent nicht angeboten werden soll.

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Branchenanalysten von Assekurata gehen davon aus, dass infolge der Reform bis zu 60 Prozent der alten Riester-Bestände umgeschichtet werden könnten. Zugleich belegt eine YouGov-Umfrage im Auftrag von Commerzbank und comdirect aus dem Spätsommer 2026 ein Informationsdefizit: Zwar können sich 38 Prozent der 18- bis 55-Jährigen ein Altersvorsorgedepot vorstellen, doch 56 Prozent derjenigen, die bereits davon gehört hatten, fühlen sich schlecht informiert.

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