Alzheimer-Bluttest, Halles

Alzheimer-Bluttest: Halles zweistufiges Verfahren filtert Fehldiagnosen

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 04:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein zweistufiges Messverfahren unterschied in der Studie Alzheimer- von ALS-Befunden; vor dem klinischen Routineeinsatz sind weitere Prüfungen nötig.
Ein Labor-Reagenzglas mit einer klaren Flüssigkeit auf einem sterilen Labortisch als Symbol für medizinische Forschung. Illustration mit AI erstellt.

Blutbasierte Biomarker gelten in der Altersmedizin als Hoffnungsträger, um neurodegenerative Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Allerdings bergen gängige Tests das Risiko von Fehldiagnosen, da bestimmte Signalstoffe nicht ausschließlich im Gehirn entstehen.

Ein modifiziertes Verfahren soll diese diagnostische Lücke nun schließen. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten zur Erhöhung der Testgenauigkeit wurde eine Forschungsgruppe der Universitätsmedizin Halle im Oktober 2026 mit dem Theo und Friedl Schöller-Preis ausgezeichnet.

Auszeichnung für Forschung an der Universitätsmedizin Halle

Die Auszeichnung ging am 23. Oktober 2026 im Marmorsaal der Nürnberger Akademie an das Team um Professor Markus Otto und Dr. Samir Abu Rumeileh von der Medizinischen Fakultät in Halle. Der Theo und Friedl Schöller-Preis 2026 ist mit 20.000 Euro dotiert und gilt nach Angaben der verleihenden Stiftung als der höchstdotierte Preis für Altersmedizin in Deutschland. Im Vorfeld der Vergabe lagen dem Auswahlgremium 21 Bewerbungen vor.

Die prämierte Arbeit entstand in Zusammenarbeit eines 24-köpfigen Forschungsverbunds, dem neben der Universitätsmedizin Halle auch Wissenschaftler der Universitäten Mailand, Mannheim und Ulm angehören.

Das Problem unspezifischer Biomarker bei Bluttests

Konventionelle Bluttests auf Alzheimer nutzen vor allem sogenannte pTau-Biomarker wie pTau217. Das Team aus Halle wies jedoch nach, warum auffällige Messwerte im Blut nicht zwingend auf eine Alzheimer-Demenz hindeuten.

Wie eine bereits im Jahr 2025 veröffentlichte Studie belegt, treten erhöhte pTau-Werte ebenso bei der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) auf. Eine wesentliche Quelle für die gemessenen Proteine ist demnach teilweise die erkrankte Skelettmuskulatur.

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Ein isoliert erhöhter pTau-Wert im Blut reicht folglich nicht für eine eindeutige Alzheimer-Diagnose aus. Herkömmliche pTau217-Assays bergen das Risiko von falsch-positiven Befunden, da Standard-Immunoassays bei Alzheimer- und ALS-Patienten gleichermaßen erhöhte Werte anzeigen.

Zweistufiges Verfahren filtert ZNS-spezifische Proteine

Um diese diagnostische Unschärfe zu beheben, entwickelte das Konsortium ein verfeinertes zweistufiges Messverfahren. Wie eine Folgestudie vom Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications (Band 17, Artikel 10745) darlegt, basiert die Methode auf einer Immunanreicherung von spezifischem niedermolekularem Tau aus dem zentralen Nervensystem vor der eigentlichen Messung. Durch diese vorgeschaltete Isolation hirnstämmiger Tau-Formen sinkt der Anteil falsch-positiver Ergebnisse deutlich.

Die Validierung des modifizierten Protokolls erfolgte anhand von EDTA-Plasmaproben von insgesamt 315 Personen. Die Kohorte umfasste 101 Alzheimer-Erkrankte, 139 ALS-Patienten sowie 75 Kontrollpersonen aus Halle, Mannheim und Mailand. Während der herkömmliche Test bei beiden Patientengruppen anschlug, wies das verfeinerte Verfahren erhöhte Werte ausschließlich bei Alzheimer-Betroffenen nach.

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Ausblick auf den künftigen Einsatz in der Praxis

Die Studienergebnisse belegen, dass die diagnostische Spezifität von Bluttests durch die ZNS-spezifische Anreicherung messbar gesteigert werden kann. Nach Angaben der Universitätsmedizin Halle könnte das zweistufige Verfahren künftig ergänzend genutzt werden, wenn vorherige Standard-Blutuntersuchungen erste Auffälligkeiten zeigen. Vor einem regulären Einsatz in der klinischen Routineversorgung sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich.

Mehr zum Thema bei MDR: „Universitätsmedizin Halle erhält Spitzenpreis für Alzheimer-Studie und Bluttest-Verfahren“

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