Alzheimer-Diagnose, Bluttest

Alzheimer-Diagnose: Bluttest sagt Symptome 3–4 Jahre voraus

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 14:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Der pTau217-Bluttest zur Alzheimer-Früherkennung ist ab Juli 2026 EU-weit verfügbar und soll die aufwändige Liquor-Analyse ersetzen.

Alzheimer-FrĂĽherkennung: Neuer pTau217-Bluttest jetzt EU-weit zugelassen
Nahaufnahme eines Blutprobenröhrchens mit blauer Flüssigkeit in einem hochmodernen Labor, das fortgeschrittene Diagnostik und Medizintechnik symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Verfahren soll die bisherige Liquor-Analyse teilweise ersetzen und den Zugang zu präzisen Diagnosen erleichtern.

Diagnostik-Riesen drängen auf den Markt

Mehrere Gesundheitskonzerne haben die regulatorischen Hürden genommen. Die Danaher-Tochter Beckman Coulter Diagnostics erhielt im Juli die CE-Kennzeichnung für ihren p-Tau217-Assay unter der neuen IVDR-Verordnung. Das System läuft auf dem DxI 9000 Analyzer und nutzt Antikörper, die gemeinsam mit AlzPath entwickelt wurden.

Roche treibt parallel die Marktdurchdringung voran. Auf der Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) Mitte Juli in London präsentiert das Unternehmen Daten zum Elecsys pTau217-Bluttest. Auch Fujirebio ist mit eigenen Testverfahren in Europa vertreten. Die Branche rechnet mit deutlichen Umsatzsteigerungen – für Danaher etwa bis 2029.

Ăśber 90 Prozent Sicherheit bei Amyloid-Plaques

Die Tests messen spezifische Tau-Proteine im Blut. Klinische Daten bescheinigen ihnen eine Sicherheit von über 90 Prozent bei der Identifizierung von Amyloid-Plaques. Eine Studie der Washington University School of Medicine in Nature Medicine belegt: Der Bluttest sagt Alzheimer-Symptome bereits drei bis vier Jahre vor dem Einsetzen erster Gedächtnisverluste voraus. Grundlage sind Daten von 603 älteren Erwachsenen.

In der Praxis läuft bereits ein Pilotprojekt. Im süddeutschen Raum startete im Juli eine Apotheken-Studie mit Gedächtnis-Checks für Menschen ab 60 Jahren. Ziel: Die Hürden für eine frühzeitige Abklärung senken.

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Forschung profitiert von präzisen Bluttests

Die neuen Tests verändern auch die pharmazeutische Forschung. Roche plant die PrevenTRON-Studie – eine Phase-III-Untersuchung zur präklinischen Alzheimer-Krankheit. Der Elecsys pTau217-Test soll hier zur Teilnehmeridentifikation dienen. Auf Fachkongressen diskutieren Forscher zudem neue Wirkstoffkandidaten wie Trontinemab, das die Amyloid-Last im Gehirn reduzieren soll.

Alamar Biosciences präsentierte im Juli Untersuchungen mit der NULISA-Plattform. Sie ermöglicht eine hochsensitive Multiplex-Analyse von über 220 Proteinen. In Australien startet das Australian Dementia Network (ADNeT) eine Pilotstudie, die digitale kognitive Tests mit pTau217-Analysen kombiniert. Das Budget: 6 Millionen Dollar über fünf Jahre. Ziel sind kürzere Wartezeiten – außerhalb der Ballungszentren liegen sie derzeit oft bei über zwölf Monaten.

Kostenfrage noch ungeklärt

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Trotz der medizinischen Evidenz ist die Kostenübernahme in Europa noch nicht flächendeckend geregelt. Aktuell zahlen Patienten zwischen 100 und 150 Euro pro Test – in der Regel als Selbstzahlerleistung.

International zeigt sich ein anderes Bild: In den USA übernimmt der Versicherer Anthem ab dem 1. Oktober 2026 die Kosten für den PrecivityAD2-Bluttest von C2N Diagnostics für rund 40 Millionen Mitglieder. Grundlage sind klinische Studien, die eine hohe Genauigkeit bei der Identifizierung von Amyloid-Pathologien bestätigen. In Europa bleibt die Integration in den öffentlichen Leistungskatalog der entscheidende Faktor für die künftige Marktverbreitung.

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