Alzheimer-Früherkennung: Bluttest sagt Erkrankung 10 Jahre voraus
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eli Lilly und Roche bauen ihre Alzheimer-Forschung massiv aus. Der Fokus verschiebt sich von der Behandlung fortgeschrittener Stadien hin zur Früherkennung und Prävention. Treiber sind neue Bluttests und KI-Modelle.
Milliardendeal für Psychedelika
Eli Lilly hat seine Position im Bereich psychische Gesundheit gestärkt. Das Unternehmen übernahm im Juli 2026 den Spezialisten für psychedelische Therapeutika AtaiBeckley – für eine Vorabzahlung von 2,8 Milliarden US-Dollar. Im Zentrum steht ein Wirkstoff der Phase 3 gegen therapieresistente Depressionen.
Die Neurowissenschaften-Chefin Carole Ho will Eli Lilly zur führenden Kraft in der Hirnforschung machen. Das prognostizierte Umsatzpotenzial: 137 Milliarden US-Dollar bis 2032. Neben Depressionen fokussiert sich Lilly auf Schlafstörungen (durch die Übernahme von Centessa) und Alkoholabhängigkeit (Wirkstoff Brenipatide, Phase 3).
Paradigmenwechsel in der Alzheimer-Forschung
Bislang behandeln Medikamente wie Kisunla (Donanemab) erst frühe symptomatische Patienten. Jetzt zielen neue Studien auf die präklinische Phase ab – also Menschen ohne Symptome, aber mit erhöhtem biologischem Risiko.
Ermöglicht wird das durch bessere Diagnostik. Der Bluttest p-tau217 sagt das Alzheimer-Risiko fünf bis zehn Jahre vor den ersten Symptomen voraus. Eli Lilly nutzt ihn in der geplanten ANCHOR-AD-Studie mit 3.300 Teilnehmern – der Test stammt von Roche.
Roche selbst testet in der Phase-3-Studie PrevenTRON den Antikörper Trontinemab. 1.600 symptomfreie Personen ab 55 Jahren nehmen teil. Der Wirkstoff nutzt die Brainshuttle-Technologie, um die Blut-Hirn-Schranke effizienter zu passieren.
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Auch neuartige Ansätze sind in der Entwicklung. siRNA-Therapeutika greifen gezielt das Tau-Protein an. Der Wirkstoff Diranersen konnte Tau-Fibrillen im Gehirn in frühen Studien bereits signifikant reduzieren.
KI sagt Alzheimer sieben Jahre voraus
Die Diagnostik wird technologisch unterstützt. Ein KI-Modell der Texas A&M Universität erreicht laut Berichten aus dem Sommer 2026 eine Genauigkeit von über 92 Prozent – und das bis zu sieben Jahre vor den ersten klinischen Symptomen.
Forscher untersuchen zudem den präventiven Nutzen bereits zugelassener Medikamente. Eine Analyse im Fachjournal JAMA Network Open zeigt: SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko bei Typ-2-Diabetikern um bis zu 43 Prozent. Bei GLP-1-Rezeptor-Agonisten waren es 33 Prozent.
Dagegen enttäuschte Semaglutid: Die Phase-3-Studien EVOKE und EVOKE+ zeigten keinen klinischen Nutzen bei bereits bestehender leichter Demenz.
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Gesellschaftlicher Druck wächst
Die Dringlichkeit der Präventionsforschung ist enorm. Das Wissenschaftliche Institut der AOK prognostiziert bis 2060 bis zu 2,1 Millionen Demenzkranke in Deutschland. Alzheimer macht 60 bis 70 Prozent dieser Fälle aus.
Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte im Juli 2026 aktualisierte Leitlinien: Rund 45 Prozent aller Demenzfälle wären durch modifizierbare Risikofaktoren vermeidbar. Lebensstilfaktoren spielen eine zentrale Rolle. Eine im Juni 2026 publizierte Studie zeigt: Eine entzündungshemmende Ernährung senkt das Demenzrisiko selbst bei erhöhten Biomarkern um 29 Prozent.
Trotz der Fortschritte bleibt der Zugang zu neuen Antikörpern wie Lecanemab und Donanemab begrenzt. Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen kommen für diese Therapien infrage. Zudem müssen Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen oder Mikroblutungen (ARIA) berücksichtigt werden.
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