Alzheimer: KI-Modell erkennt Erkrankung 7 Jahre vor Symptomen
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 08:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Alzheimer-Forschung erweitert ihren Fokus. Neben dem jahrelangen Fokus auf Beta-Amyloid-Plaques rĂŒcken jetzt Tau-Proteine und kombinierte Behandlungen in den Mittelpunkt.
Aktuelle Analysen aus den USA belegen zwar eine kognitive Stabilisierung ĂŒber ein Jahr durch etablierte Amyloid-Antikörper. Doch neue Studiendaten deuten auf ein gröĂeres Potenzial: Der direkte Angriff auf Tau-Proteine könnte den Krankheitsverlauf weiter beeinflussen.
CELIA-Studie: Gemischte Ergebnisse, klare Signale
Mitte Juli 2026 prÀsentierte Biogen auf einer Fachkonferenz in London die Phase-II-Studie CELIA. Der Wirkstoff Diranersen, ein Antisense-Oligonukleotid, soll die Tau-Produktion reduzieren. 416 Patienten mit leichter kognitiver BeeintrÀchtigung oder milder Alzheimer-Demenz nahmen an der 18-monatigen Studie teil.
Das Bild war gemischt: Der primĂ€re Endpunkt wurde nicht erreicht â höhere Dosierungen brachten keinen zusĂ€tzlichen Nutzen. Doch die niedrigste Dosierungsgruppe (60 mg alle sechs Monate) zeigte eine Verlangsamung der Verschlechterung um 26 Prozent auf der CDR-SB-Skala. Andere Skalen wie ADAS-Cog13 und MMSE verbesserten sich um 42 beziehungsweise 50 Prozent. Die Tau-Konzentration im Liquor sank um 50 bis 65 Prozent. Eine Phase-III-Studie ist geplant.
Kombinationstherapien: Zwei Proteine gleichzeitig angreifen
Ein neuer Trend in der Forschung: die Kombination verschiedener Wirkmechanismen. Die ATP-Studie, geleitet von der UCSF und Harvard, startete im Juli 2026 mit dem Screening. Bis zu 825 Teilnehmer erhalten zunÀchst den Amyloid-Antikörper Donanemab oder ein Placebo, gefolgt vom Tau-Impfstoff AADvac1. Kann die gleichzeitige oder sequentielle Adressierung beider Proteine den kognitiven Abbau stoppen?
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Roche treibt parallel die SekundĂ€rprĂ€vention voran. Die Phase-III-Studie PrevenTRON untersucht Trontinemab bei kognitiv gesunden Personen mit Alzheimer-Biomarkern wie erhöhtem pTau217. Trontinemab nutzt eine spezielle Technologie, um die Blut-Hirn-Schranke effizienter zu passieren. FrĂŒhere Phasen zeigten bereits eine deutliche Reduktion der Amyloidlast.
Molekulare DurchbrĂŒche: SORLA und OTULIN
Zwei aktuelle Publikationen liefern neue AnsĂ€tze fĂŒr die Wirkstoffentwicklung. Eine Studie in Science Advances vom 22. Juli 2026 identifizierte das Protein SORLA als Schutzfaktor. In Mausmodellen reduzierte eine Erhöhung von SORLA Tau-SchĂ€den und Hirnatrophie â das Protein fördert den Abbau von giftigem Tau in den Lysosomen.
Forscher der University of New Mexico veröffentlichten im Juli 2026 Untersuchungen zum Enzym OTULIN. Durch kleine MolekĂŒle oder Gen-Knockouts stoppten sie die Tau-Produktion in menschlichen Neuronen und entfernten bereits vorhandenes Tau. Die Nervenzellen ĂŒberlebten â OTULIN positioniert sich als möglicher âMaster-Regulatorâ der Hirnalterung.
KI-Diagnose und innovative Reinigungsverfahren
Auch bei FrĂŒherkennung und Protein-Clearance gibt es Fortschritte. Ein KI-Modell der Texas A&M UniversitĂ€t erreicht 92 Prozent Genauigkeit bei der Vorhersage einer Alzheimer-Erkrankung â bis zu sieben Jahre vor den ersten Symptomen.
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Auf der Londoner Konferenz wurden Pilotdaten zur CO2-Inhalation prĂ€sentiert: Eine intermittierende Inhalation von 5 Prozent CO2 aktivierte das glymphatische System. Beta-Amyloid und Tau stiegen messbar im Blut an â ein Hinweis auf verstĂ€rkte Ausschleusung aus dem Gehirn.
Ein weiterer Meilenstein: Am 22. Juli 2026 berichtete eine Phase-I-Studie zum Impfstoff AV-1959R. Bei allen 16 gesunden Teilnehmern zwischen 40 und 60 Jahren wurden hohe Antikörpertiter gegen pathologische Amyloid-Formen induziert â stabil ĂŒber ein Jahr. Eine Phase-II-PrĂ€ventionsstudie wurde bereits genehmigt.
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