Alzheimer-MĂ€use, Ultrakurzwellen

Alzheimer-MĂ€use: Ultrakurzwellen senken Amyloid-Ablagerungen nach sieben Tagen

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 20:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Tierstudie zeigt weniger Amyloid-beta nach tÀglicher Behandlung; Wirksamkeit und Sicherheit beim Menschen sind ungeklÀrt.
Ein Laborbecher mit einer klaren FlĂŒssigkeit in einem sterilen, minimalistischen Umfeld mit sanftem blauem Licht. Illustration mit AI erstellt.

In der Erforschung nicht-invasiver Therapien gegen neurodegenerative Erkrankungen rĂŒcken physikalische Reize zunehmend in den Fokus. Eine am 16. Oktober 2026 im Fachjournal Science Advances veröffentlichte Untersuchung des Beijing Institute of Basic Medical Sciences und des Allgemeinen Krankenhauses der Volksbefreiungsarmee Peking unter der Leitung von Jinwei Liu und Chuang Xu zeigt nun, dass elektromagnetische Wellen das Reinigungssystem des Gehirns bei MĂ€usen anregen können.

Der Einsatz von Ultrakurzwellen fĂŒhrte im Tiermodell zu einer verringerten Ablagerung von Amyloid-beta, wirft jedoch zugleich wesentliche methodische Fragen hinsichtlich einer Übertragbarkeit auf den Menschen auf.

Anregung des glymphatischen Systems im Tiermodell

Das Forschungsteam setzte ein Physiotherapie-GerĂ€t ein, das mit einer Frequenz von 40,68 MHz und einer Leistung von rund 4,4 Watt arbeitet. Die Strahlung war weder ionisierend noch fĂŒhrte sie zu einer ErwĂ€rmung des Gewebes.

Bei wachen, gesunden MĂ€usen beschleunigte bereits eine einmalige zehnminĂŒtige Sitzung den Abtransport eines injizierten Farbstoffs in das Hirnwasser und weiter in die Halslymphknoten. Eine VerlĂ€ngerung der Bestrahlungsdauer auf 20 bis 30 Minuten brachte den Daten zufolge keinen zusĂ€tzlichen Nutzen.

Gleichzeitig verzeichneten die Forschenden unter der Behandlung einen massiven Anstieg der Delta-Wellen im Bereich von 0,5 bis 4 Hz um etwa das 20-Fache. Dieser Zustand Ă€hnelt den Hirnstrommustern im tiefen Schlaf, in dem das glymphatische System natĂŒrlicherweise am aktivsten ist. Bei Tieren mit einem SchĂ€del-Hirn-Trauma konnte eine Einzelsitzung zudem die Schwellung des Gehirns mildern.

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Ergebnisse bei Alzheimer-MĂ€usen und biologische Mechanismen

Aufschluss ĂŒber die potenziellen therapeutischen Effekte gaben Versuche mit sechs Monate alten Alzheimer-MĂ€usen. Nach einer siebentĂ€gigen Behandlung mit tĂ€glichen Einheiten von je zehn Minuten wiesen die Tiere weniger Amyloid-beta im Hirngewebe auf. Gleichzeitig schnitten sie in GedĂ€chtnistests in einem sogenannten Y-Labyrinth besser ab als unbehandelte Artgenossen. Dieser positive Effekt hielt mindestens einen Monat lang an.

Als maßgeblich fĂŒr die Wirkweise identifizierten die Forschenden die neuronale AktivitĂ€t sowie die WasserkanĂ€le des Typs Aquaporin-4 (AQP4). Wurden die NervenaktivitĂ€t oder die AQP4-KanĂ€le medikamentös blockiert, blieb der reinigende Effekt vollstĂ€ndig aus. Zudem zeigte sich unter der Bestrahlung eine verĂ€nderte rĂ€umliche Verteilung von AQP4 im Gehirn.

Grenzen der Übertragbarkeit und Kontrast zu klinischen Daten

Trotz der beachteten Resultate betonen Fachleute erhebliche EinschrĂ€nkungen. Die Tierstudie umfasste lediglich kleine Gruppen von fĂŒnf bis neun Tieren eines einzigen Geschlechts.

Eine unabhÀngige Wiederholung der Versuche steht bislang aus, und Daten zu Menschen fehlen vollstÀndig. WÀhrend der Transport des Tracers bei gesunden Tieren innerhalb von zehn Minuten reagierte, erforderte die messbare Plaque-Reduktion eine tagelange Behandlung.

Ein menschlicher SchĂ€del weist zudem eine ungleich grĂ¶ĂŸere Dicke auf, weshalb Fragen zur tatsĂ€chlichen Eindringtiefe, Dosierung und Langzeitsicherheit völlig offenbleiben. Auch die Beteiligung des Meningenlymphsystems und der arteriellen Pulsation bedarf weiterer KlĂ€rung.

Überzogene Darstellungen in sozialen Medien, wonach Plaques binnen Minuten ausgewaschen werden könnten, verwechseln laut Kommentatoren kurzfristige FlĂŒssigkeitsbewegungen bei MĂ€usen mit dem Abbau verfestigter Eiweißablagerungen beim Menschen.

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Zum Vergleich: Der Antikörper Donanemab benötigte in einer Phase-3-Studie 76 Wochen wiederholter Gaben, um eine substanzielle Plaque-Reduktion bei Patienten zu erzielen. Zudem belegt eine Übersichtsarbeit in Frontiers in Neuroscience aus dem Oktober 2026, dass unter den nicht-medikamentösen AnsĂ€tzen fĂŒr den Menschen bisher einzig gesunder Schlaf wissenschaftlich gesichert ist.

Dass physikalische AnsĂ€tze am Patienten oft scheitern, belegte jĂŒngst auch ein sĂŒdkoreanisches Team in Radiotherapy and Oncology. Eine Phase-II-Studie mit 41 Teilnehmern prĂŒfte niedrigdosierte Ganzhirn-Bestrahlungen (Gesamtdosen von 0,24 Gy und 3 Gy im Vergleich zur Scheinbehandlung).

Der primĂ€re kognitive Endpunkt nach sechs Monaten wurde verfehlt: Die 0,24-Gy-Gruppe verzeichnete eine Differenz von minus 2,08 Punkten (p=0,401), die 3-Gy-Gruppe minus 2,92 Punkte (p=0,129). Die Autoren der aktuellen Ultrakurzwellen-Studie fordern daher vor jeglichen klinischen Versuchen zunĂ€chst grĂ¶ĂŸere Tierstudien und unabhĂ€ngige BestĂ€tigungen.

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