Alzheimer: Nav1.1-Ăberexpression normalisiert Hirnrhythmen in Mausmodellen
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 09:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deNeuronale Netzwerke im Gehirn sind auf ein prĂ€zises Zusammenspiel angewiesen, um kognitive Funktionen aufrechtzuerhalten. Eine am 15. Oktober 2026 im Fachjournal Neuron veröffentlichte Untersuchung der Gladstone Institutes, des Allen Institute und von UTHealth Houston liefert neue Einblicke in die Funktionsweise sogenannter Parvalbumin-Interneurone (PV-Interneurone) und deren Fehlregulation bei der Alzheimer-Erkrankung. Die Forscher um Keran Ma und Jorge J. Palop analysierten die zellulĂ€ren AblĂ€ufe, die fĂŒr rhythmische HirnaktivitĂ€ten verantwortlich sind.
Kollaps des zeitlichen Relais-Musters
Im gesunden Zustand erzeugen PV-Interneurone Gamma-Oszillationen im Frequenzbereich von 30 bis 90 Hertz. Diese AktivitĂ€t entsteht ĂŒber ein sequenzielles Staffelfeuer, bei dem in jedem Zyklus rund 30 Prozent der beteiligten Zellen inaktiv bleiben. Bei Alzheimer-Mausmodellen bricht dieses koordinierte Timing jedoch zusammen: Anstelle des geordneten Zusammenspiels tritt eine pathologische Hypersynchronie auf, begleitet von epileptiformen Spikes.
Diese Fehlsteuerungen beschrÀnken sich nicht auf weit fortgeschrittene Stadien. Wie Keran Ma von UTHealth Houston darlegte, sind Gamma-Oszillationen bei Alzheimer-Patienten bereits bei einer leichten kognitiven BeeintrÀchtigung gestört. Zudem zeigt nach Angaben der Gladstone Institutes mehr als ein Viertel der von Alzheimer betroffenen Menschen epilepsieÀhnliche HirnaktivitÀten.
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Natriumkanal Nav1.1 im Fokus
Als zentrales Element der InstabilitĂ€t identifizierten die Wissenschaftler den Natriumkanal Nav1.1, der sowohl bei Alzheimer-MĂ€usen als auch bei menschlichen Patienten in verringerter Konzentration vorliegt. Das Team um Jorge Palop an den Gladstone Institutes untersuchte die Wirkung einer gezielten Ăberexpression von Nav1.1 in den PV-Interneuronen.
Dieser Eingriff fĂŒhrte dazu, dass sich die Gamma-Oszillationen normalisierten und die pathologischen Spikes verschwanden. In der Folge gingen die Amyloid-Beta-Plaques zurĂŒck, wĂ€hrend sich GedĂ€chtnisleistung, Kognition und Lebensspanne der Versuchstiere verbesserten.
ErgĂ€nzende Versuche an Modellen mit humanem Amyloid-Protein bestĂ€tigten diese Mechanismen. Laut UTHealth Houston konnte die Gabe einer Natriumkanal-Untereinheit die Funktion der PV-Interneurone wiederherstellen. Dadurch normalisierte sich das sequenzielle Rekrutierungsmuster der Zellen, und die Gamma-Wellen verbesserten sich. Die Wissenschaftler bewerten dies als Nachweis der prinzipiellen Machbarkeit fĂŒr eine zielgerichtete Beeinflussung dieser Nervenzellen.
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Entwicklung therapeutischer Wirkstoffe
Auf Basis dieser Ergebnisse forschen die Gladstone Institutes derzeit an kleinen MolekĂŒlen, die auf eine VerstĂ€rkung von Nav1.1 abzielen. Das Ziel besteht darin, die rhythmische SignalĂŒbertragung der Interneurone pharmakologisch zu stabilisieren und die damit verbundenen Netzwerkstörungen zu verringern.
