Alzheimer-Prävention: Roche testet Trontinemab an 1.600 Menschen ohne Symptome
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 09:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der klinischen Demenzforschung rückt die frühzeitige Intervention zunehmend in den Mittelpunkt. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf präventiven Konzepten, die ansetzen sollen, bevor kognitive Symptome erkennbar werden.
In diesem Forschungsfeld startet das Pharmaunternehmen Roche im Vereinigten Königreich die Phase-3-Studie PrevenTRON. Im Rahmen dieser Untersuchung wird der Antikörper Trontinemab erstmals präventiv an asymptomatischen Personen mit einem hohen Erkrankungsrisiko getestet.
Risikoprofile und Wirkmechanismus von Trontinemab
Die PrevenTRON-Studie umfasst rund 1.600 Teilnehmer, deren Auswahl über den Blut-Biomarker p-tau217 erfolgt. Laut einer im Fachjournal JAMA publizierten Auswertung aus dem Jahr 2026 besteht bei sehr hohen Werten von p-tau217 trotz unauffälliger Kognition ein Risiko von 78 Prozent für einen kognitiven Abbau innerhalb von zehn Jahren.
Die Laufzeit der Studie ist auf vier bis sechs Jahre ausgelegt. Studienleiter Prof. Ramin Nilforooshan hob in diesem Zusammenhang den experimentellen Charakter des Vorhabens hervor.
Trontinemab ist als bispezifischer Antikörper aufgebaut, der gleichzeitig an Beta-Amyloid und an den Transferrinrezeptor 1 bindet. Dieser Mechanismus soll es dem Molekül ermöglichen, die Blut-Hirn-Schranke effizienter zu überwinden und gleichzeitig das Auftreten von Ödemen sowie Blutungen zu verringern.
In einer früheren Phase zeigte sich eine Plaque-Beseitigung unter die PET-Nachweisgrenze bei 91 Prozent der Teilnehmer mit früher Alzheimer-Erkrankung.
Frühe Datensätze wiesen zudem eine Plaque-Beseitigung bei 90 Prozent der Frühpatienten binnen 28 Wochen aus. Vor dem Hintergrund von weltweit erwarteten 152 Millionen Demenzkranken bis zum Jahr 2050 gewinnen solche präventiven Zielsetzungen an Bedeutung.
Impfstoffansätze gegen Tau und Amyloid
Neben Antikörpertherapien werden auch aktive Impfstoffkonzepte weiterverfolgt. Das Biotechnologieunternehmen Nuravax registrierte für seinen adjuvantierten Dual-Target-Impfstoff DUVAX, der zeitgleich gegen Amyloid-beta und Tau gerichtet ist, eine Phase-1-Studie unter der Kennung NCT07142278. An einem Standort in Miami Lakes im US-Bundesstaat Florida sollen 24 gesunde Erwachsene im Alter von 40 bis 65 Jahren teilnehmen.
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Das Protokoll umfasst drei intramuskuläre Dosen von 200 µg oder 400 µg beziehungsweise Placebo in den Wochen 0, 4 und 22 bei einer 3:1-Randomisierung. Als primärer Endpunkt sind behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse bis zur Woche 74 definiert, während Anti-A?-Antikörpertiter als sekundärer Endpunkt erhoben werden; der primäre Abschluss wird für April 2027 erwartet.
Die Entwicklung stützt sich auf die MultiTEP-Plattform, die bereits über den A?-Impfstoff AV-1959R klinisch erprobt wurde, dessen Phase-1-Ergebnisse im Juli 2026 in der Fachzeitschrift Molecular Neurodegeneration erschienen.
Gefördert wird das Vorhaben über einen im Mai 2025 bewilligten Fast-Track-Zuschuss der National Institutes of Health über 3 Millionen US-Dollar gemeinsam mit dem Institute for Molecular Medicine.
Fortschritte bei Oligomer-Therapien und Diagnostik
Parallel dazu treibt das Unternehmen Alzinova die klinische Entwicklung des Impfstoffs ALZ-101 voran. Eine globale Phase-2-Studie mit rund 120 Teilnehmern mit früher Alzheimer-Erkrankung soll erste Probanden um den Jahreswechsel 2026/2027 einschließen.
Primärer Endpunkt ist die Veränderung auf der ADCOMS-Skala nach 52 Wochen bei einer Nachbeobachtungszeit von 92 Wochen. In der vorangegangenen Phase 1b an 26 Patienten wurden eine akzeptable Sicherheit sowie eine spezifische Immunantwort gegen Amyloid-beta bei mehr als 90 Prozent der Behandelten dokumentiert.
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Zur Finanzierung dient eine Bezugsrechtsemission über rund 51 Millionen Schwedische Kronen im Zeitraum vom 22. September bis zum 6. Oktober 2026, die zu rund 79,3 Prozent gesichert ist, unter anderem durch eine Garantie der Mangold Fondkommission über rund 40 Millionen Schwedische Kronen. Rund 60 Prozent der Mittel fließen in die Phase-2-Studie, jeweils rund 20 Prozent in CMC-Prozesse und Betriebskapital.
Ergänzend wurden Optionsscheine aufgelegt: TO5 für den Zeitraum vom 4. bis 18. Januar 2027 mit bis zu rund 81 Millionen Schwedischen Kronen sowie TO6 vom 7. bis 21. Oktober 2027 mit bis zu rund 122 Millionen Schwedischen Kronen, was zusammen bis zu rund 203 Millionen Schwedische Kronen ergibt. Die Verwässerung liegt bei voller Zeichnung bei rund 37,5 Prozent und bei maximal rund 66,7 Prozent bei Ausübung aller Warrants.
Laut Global Data soll das Marktvolumen für krankheitsmodifizierende Alzheimer-Therapien bis 2033 auf über 17 Milliarden US-dollar anwachsen; Alzheimer's Disease International beziffert die Zahl der Betroffenen auf rund 55 Millionen sowie mehr als 139 Millionen bis 2050. Zudem schloss Alzinova eine Forschungsarbeit mit dem Amsterdam UMC ab: Natürliche Antikörper im Serum reagierten bei Alzheimer-Patienten schwächer auf toxische Amyloid-beta-Oligomere als bei gesunden Kontrollpersonen.
Die Ergebnisse bilden die Basis für eine im Juni vereinbarte, unverbindliche Absichtserklärung mit Fujirebio zur Prüfung einer breiteren Partnerschaft für Diagnostiktests, deren Zustandekommen an die Resultate der UMC-Studie gekoppelt war. Vorgesehen sind nun die Optimierung der Analysemethode und die Validierung in einer größeren klinischen Kohorte.
