Alzheimer-Prävention, SGLT2-Inhibitoren

Alzheimer-Prävention: SGLT2-Inhibitoren senken Risiko um 43%

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 06:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue Studien belegen: Diabetes-Wirkstoffe senken Alzheimer-Risiko deutlich. Kostengünstige Bluttests ermöglichen Früherkennung.

Alzheimer-Prävention: Bluttests, Medikamente & Lebensstil im Fokus
Ein stilisiertes menschliches Gehirn mit leuchtenden neuronalen Pfaden, umgeben von medizinischen Forschungselementen wie Molekülen und Testergebnissen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Gleichzeitig belegen Langzeitstudien den enormen Einfluss von Ernährung und Bewegung auf das Erkrankungsrisiko.

Diabetes-Medikamente schützen das Gehirn

Im Juni veröffentlichte Daten im Fachmagazin JAMA Network Open zeigen ein überraschendes Potenzial alter Wirkstoffe. Eine Untersuchung mit über 112.000 Teilnehmern belegt: SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko um bis zu 43 Prozent. GLP-1-Agonisten reduzieren es immerhin um 33 Prozent.

Die Pharmaforschung arbeitet parallel an spezialisierten Wirkstoffen. Der Kandidat KCL-286, der DNA-Schäden in Neuronen reparieren soll, hat eine erste Sicherheitsstudie bestanden. Seit 2025 sind zudem mit Lecanemab und Donanemab zwei Therapien in der EU zugelassen. Sie verzögern den Krankheitsverlauf laut Studien um etwa ein Drittel.

Bluttests mit über 90 Prozent Genauigkeit

Seit Juli sind in der Europäischen Union pTau217-Bluttests von Herstellern wie Roche, Fujirebio und Beckman Coulter verfügbar. Die Tests kosten zwischen 100 und 150 Euro und erreichen eine Genauigkeit von über 90 Prozent. Damit rückt eine breitenwirksame Früherkennung in greifbare Nähe.

Ergänzend setzt das LMU Klinikum München einen neuen offenen PET-Scanner ein. Für die Zukunft zeichnen sich zudem dezentrale Lösungen ab: Das Projekt „MeXenz“ der Hochschule Kaiserslautern plant ab 2027 elektrochemische Biosensoren für die Point-of-Care-Diagnose. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben mit einer Million Euro.

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Die MIND-Diät senkt das Demenzrisiko um 35 Prozent

Eine 15-Jahres-Studie der Universität Ljubljana mit über 1.800 Teilnehmern über 60 Jahren bestätigt den Einfluss der Ernährung. Die sogenannte MIND-Diät senkt das Demenzrisiko um bis zu 35 Prozent. Eine allgemein anti-entzündliche Ernährung reduziert es um 21 bis 29 Prozent. Experten empfehlen zudem eine Proteinzufuhr von mindestens 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Die Lancet Commission wies bereits darauf hin: Rund 45 Prozent der Demenzfälle wären durch modifizierbare Lebensstilfaktoren vermeidbar.

Schon 3.000 Schritte täglich schützen das Gehirn

Eine Bostoner Studie mit 300 Probanden belegt: Bereits 3.000 Schritte täglich verlangsamen die Ablagerung von Tau-Proteinen im Gehirn. Höhere Umfänge von 5.000 bis 7.500 Schritten verstärken diesen Effekt. Eine Metaanalyse von 45 Studien aus dem Jahr 2025 ergab zudem: Wöchentlich 2,5 Stunden aerobes Training steigern die kognitive Leistung um 30 Prozent.

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Erste Modelle für die Praxis

Deutschland erprobt bereits konkrete Modelle zur Früherkennung. Im Projekt „Dare“ boten 14 Münchner Apotheken Gedächtnis-Checks für Menschen über 60 an. In Wien untersucht eine Doppelblindstudie mit 126 Probanden die Kombination aus Krafttraining und L-Serin-Supplementierung.

Trotz dieser Fortschritte bleibt die Herausforderung groß. Daten der AOK prognostizieren für Schleswig-Holstein eine nahezu Verdopplung der Demenzkranken bis 2060. Zur Unterstützung der pflegerischen Versorgung wurde für 2025 eine Neuregelung der kombinierten Verhinderungs- und Kurzzeitpflege mit einem jährlichen Budget von bis zu 3.539 Euro angekündigt.

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