Alzheimer-Risiko: Gealtertes Gehirn geht mit mehr als dreifachem Risiko einher
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 02:11 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Bestimmung des biologischen Alters über molekulare Marker gilt als wachsendes Forschungsfeld, wirft in der Praxis jedoch grundlegende Fragen auf. Eine am 20. Juli 2026 im Fachjournal npj Aging veröffentlichte Untersuchung mit 3.227 Teilnehmenden der US Health and Retirement Study verdeutlichte, dass unterschiedliche epigenetische Uhren keineswegs dieselben biologischen Prozesse erfassen. Fachleute weisen darauf hin, dass die Messwerte stark vom methodischen Ansatz abhängen.
Differenzierte Messung über Proteine und Metabolite
Neben epigenetischen Veränderungen der DNA rücken zunehmend organspezifische und metabolische Profile in den Mittelpunkt. Forschende von Stanford Medicine entwickelten einen Bluttest, der das Alter einzelner Organe bei knapp 45.000 Menschen im Alter zwischen 40 und 70 Jahren schätzte.
Ein biologisch gealtertes Gehirn ging dabei mit einem um mehr als das Dreifache erhöhten Alzheimer-Risiko und einem fast dreifach höheren Sterberisiko innerhalb von 15 Jahren einher. Tony Wyss-Coray von der Stanford University arbeitet an entsprechenden Proteintests zur Organbewertung, die jedoch noch nicht breit verfügbar sind.
An der Jiaotong-Universität Shanghai analysierten Wissenschaftler Plasmaproben von 18.476 Personen im Alter von einem bis 96 Jahren und identifizierten 56 Metabolite, die mit dem biologischen Altern korrelieren.
Der daraus abgeleitete Wert einer metabolomischen Altersbeschleunigung zeigte Assoziationen mit Fettleber, Bluthochdruck, Diabetes sowie einer erhöhten Gesamtsterblichkeit. Forschergruppen von Mass General Brigham und der Harvard University stellten zudem Transkriptomik-Uhren vor, für die über 11.000 Genexpressionsproben aus mehr als 25 Gewebetypen ausgewertet wurden.
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Bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Herzinsuffizienz bildeten diese Uhren eine beschleunigte molekulare Alterung ab. Gleichzeitig warfen die Autoren ethische Bedenken hinsichtlich einer biologischen Diskriminierung bei Versicherungen oder Transplantationslisten auf.
Fortschritte bei Sensitivität und methodische Grenzen
Die methodische Entwicklung vollzieht sich in Generationen. Daniel Belsky von der Columbia University legte dar, dass Uhren der zweiten und dritten Generation wie PhenoAge, GrimAge oder DunedinPACE die langfristige Gesundheit deutlich verlässlicher vorhersagen als Instrumente der ersten Generation.
Ein gezieltes therapeutisches Targeting des Alterns sei am Menschen jedoch noch nicht erprobt. Nach Einschätzung von Raghav Sehgal von der Harvard University reagieren neuere Uhren sensitiver auf therapeutische Eingriffe.
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Gleichzeitig bleiben grundlegende Schwachstellen bestehen. Mohammad Arfan Ikram vom Erasmus University Medical Center betonte, dass die Tests nicht aufzeigen könnten, welche spezifischen Prozesse im Körper fehlerhaft ablaufen. So verlangsamte eine Supplement-Intervention in einer Studie zwar einzelne Uhren, ohne jedoch klassische Gesundheitsindikatoren wie den Blutdruck messbar zu verändern.
Zudem schwanken die Ergebnisse epigenetischer Uhren abhängig von Schlafdauer, Mahlzeiten und Tageszeit, da primär die DNA weißer Blutkörperchen analysiert wird.
In einer im Fachblatt Nature Biotechnology veröffentlichten Phase-2a-Studie des Wirkstoffs Rentosertib zeigten sechs proteomische Uhren zwar ein rechnerisch niedrigeres biologisches Alter an, konnten altersbedingte Effekte jedoch nicht sauber von krankheits- und behandlungsspezifischen Wirkungen trennen.
Freiverkäufliche Tests für Endverbraucher besitzen laut Stanford Medicine keine Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA und finden in der regulären klinischen Praxis keine Anwendung. Auch übergeordnete Projekte wie die FAST-Initiative, die Biomarker auf Basis von Proteinen, Metaboliten und epigenetischen Markern im Hinblick auf Alterungsinterventionen systematisiert, haben bislang noch keine finalen Ergebnisse vorgelegt.
