Alzheimer-Risiko: Wie APOE-?4-Gen ErnÀhrung auf das Gehirn wirkt
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 14:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ungesunde ErnĂ€hrung gilt seit Langem als möglicher Risikofaktor fĂŒr den kognitiven Abbau im Alter. Aktuelle Forschung legt nun nahe, dass genetische Voraussetzungen mitentscheiden könnten, wie stark sich westliche Kost tatsĂ€chlich auf das Gehirn auswirkt. Im Zentrum steht dabei die Genvariante APOE-?4, die bereits als bekannter Risikofaktor fĂŒr Alzheimer gilt.
Die Studie aus Perth
Grundlage der Berichterstattung ist eine Untersuchung der Murdoch University, veröffentlicht im Fachjournal Nutrients. Die Forschenden begleiteten 185 Ă€ltere Erwachsene aus Perth ĂŒber einen Zeitraum von 90 Monaten.
Zu Beginn der Untersuchung waren die Teilnehmenden im Schnitt 70,6 Jahre alt und zeigten keine Anzeichen einer Demenzerkrankung. 57 von ihnen trugen das APOE-?4-Allel, jene Genvariante, die mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko in Verbindung gebracht wird.
Bei den TrĂ€gerinnen und TrĂ€gern dieser Genvariante zeigte sich laut der Studie ein Zusammenhang zwischen westlicher ErnĂ€hrung â geprĂ€gt von rotem und verarbeitetem Fleisch, Pommes, SĂŒĂigkeiten, WeiĂmehlprodukten, Bier und Pizza â und einem schnelleren Verlust der Aufmerksamkeitsleistung. Bei Teilnehmenden ohne die Genvariante lieĂ sich dagegen kein belastbarer Zusammenhang zwischen ErnĂ€hrungsweise und kognitivem Abbau feststellen.
EinschrÀnkungen der Ergebnisse
Die Aussagekraft der Studie ist allerdings begrenzt. Nachdem die Forschenden 19 Teilnehmende ausschlossen, die unterhalb eines bestimmten Grenzwerts im kognitiven Testverfahren MoCA lagen, verlor der beobachtete Zusammenhang seine statistische Signifikanz. Zum Ende der Untersuchung lagen zudem nur noch von 36 Teilnehmenden vollstĂ€ndige Daten vor â eine vergleichsweise kleine Stichprobe, die generelle Schlussfolgerungen erschwert.
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Die Autorinnen und Autoren betonen entsprechend, dass sich aus den Daten keine individuellen ErnÀhrungsempfehlungen ableiten lassen. Die Studie liefert damit eher einen Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang als einen belastbaren Beweis.
Mögliche Bedeutung fĂŒr Risikogruppen
Trotz der methodischen EinschrÀnkungen ordnen Beobachter die Ergebnisse als relevanten Baustein in der Alzheimer-Forschung ein: Eine ErnÀhrungsweise mit hohem Anteil an gesÀttigten FettsÀuren und Zucker könnte demnach das Alzheimer-Risiko speziell bei genetisch vorbelasteten Personen zusÀtzlich verschÀrfen. Diese EinschÀtzung deckt sich mit einem wachsenden Forschungszweig, der untersucht, wie Lebensstilfaktoren mit genetischen Risiken zusammenwirken.
Der Hauptautor der Studie wies laut Newsweek darauf hin, dass ErnĂ€hrung nur einen Faktor unter vielen darstellt. Kognitive Gesundheit im Alter sei das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus Lebensstil, allgemeinem Gesundheitszustand und genetischen Risiken â keine einzelne Variable lasse sich isoliert betrachten.
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Einordnung fĂŒr die Praxis
FĂŒr die breite Bevölkerung lĂ€sst sich aus der Untersuchung keine unmittelbare Handlungsanweisung ableiten, zumal die meisten Menschen ihren APOE-?4-Status nicht kennen und die Studie selbst keine individuellen Empfehlungen zulĂ€sst.
Dennoch fĂŒgt sich die Arbeit in ein gröĂeres Bild ein, wonach eine ausgewogene ErnĂ€hrung mit wenig verarbeiteten Lebensmitteln generell als gĂŒnstig fĂŒr die Gehirngesundheit gilt.
Ob und wie stark genetische Faktoren diesen Effekt verstĂ€rken oder abschwĂ€chen, dĂŒrfte Gegenstand weiterer Forschung bleiben, zumal die begrenzte Teilnehmerzahl und der Verlust der Signifikanz nach Datenbereinigung zeigen, wie vorsichtig solche ZusammenhĂ€nge derzeit noch zu interpretieren sind.
Mehr zum Thema bei Frankfurter Rundschau: âAlzheimer und ErnĂ€hrung könnten zusammenhĂ€ngen: Besonders ein Risikogen beeinflusst, wie stark ungesundes âŠâ
