Alzheimer: STING-Protein als neuer Angriffspunkt gegen Entzündungen
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Demenzkranken soll sich bis 2050 auf 152 Millionen verdreifachen. Forscher suchen deshalb fieberhaft nach neuen Therapieansätzen. Im Fokus: chronische Entzündungen im Gehirn und bessere Diagnoseverfahren.
Entzündung als Treiber des kognitiven Verfalls
Lange galt die Amyloid-Hypothese als Königsweg der Alzheimer-Forschung. Doch die Enttäuschungen über Antikörper-Therapien wachsen. Forscher von Scripps Research setzen nun auf einen anderen Ansatz: Sie identifizierten das Protein STING als zentralen Faktor schädlicher Entzündungsreaktionen im Gehirn.
Eine spezifische chemische Modifikation an der Stelle Cysteine 148 führt zu einer Überaktivierung von STING. Ausgelöst wird dieser Prozess durch Ablagerungen von Amyloid-beta und Alpha-Synuclein. Die Folge ist eine Entzündungskaskade, die Synapsen schädigt.
Im Mausmodell konnten die Wissenschaftler zeigen: Wird dieser Prozess blockiert, bleiben die Nervenzellen geschützt. Nun arbeiten die Forscher an kleinen Molekülen, die gezielt an dieser Stelle ansetzen – ohne die allgemeine Immunfunktion zu beeinträchtigen. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift Cell Chemical Biology.
Mikroglia: Helfer mit zweifelhafter Rolle
Auch die Immunzellen des Gehirns rücken in den Fokus. Mikroglia sind ein zweischneidiges Schwert: Sie können einerseits schädliche Plaques abbauen, andererseits wandeln sie lösliches Amyloid-beta in harte Stränge um. Therapien, die nur die Mikroglia-Aktivität steigern, stehen damit auf dem Prüfstand.
An der University of Kentucky entdeckten Forscher eine weitere Funktion: Mikroglia sind maßgeblich an Schlafstörungen bei Alzheimer-Patienten beteiligt. Die gezielte Entfernung dieser Zellen im Versuchsmodell erhöhte die Schlafdauer signifikant. Als mögliche Medikamente werden Metformin und Stiripentol diskutiert.
Auch Astrozyten, die Stützzellen des Gehirns, spielen eine Rolle. Eine präzise Steuerung der Autophagie – dem zellulären Recyclingprozess – kann die Amyloid-Last im Hippocampus senken und Nervenzellen schützen.
Immuntherapie: Neuer Ansatz in der klinischen Prüfung
Eine israelische Phase-1-Studie mit 40 Teilnehmern untersucht die Immuntherapie IBC-Ab002. Der Ansatz zielt nicht auf die Plaques selbst, sondern auf die Immun-Checkpoints PD-1/PD-L1. Dadurch soll das Immunsystem angeregt werden, die Krankheitspathologie selbst zu bekämpfen.
Erste Daten zeigen eine gute Verträglichkeit und eine Reduktion von Biomarkern für Nervenschäden. Parallel dazu erforschen Wissenschaftler epigenetische Verfahren. Der Wirkstoff FLAV-27, ein G9a/EHMT2-Inhibitor, konnte in präklinischen Versuchen kognitive Defizite und soziale Verhaltensstörungen umkehren – unabhängig von der vorhandenen Plaque-Last.
Wer sich mit den Ursachen kognitiver Veränderungen befasst, möchte oft auch wissen, wie es um die eigene geistige Fitness steht. Dieser kostenlose Selbsttest liefert in nur zwei Minuten eine erste, diskrete Einschätzung zu möglichen Warnsignalen. Anonymen 7-Fragen-Check jetzt starten
Diagnostik: Sanftere Verfahren für präzisere Früherkennung
Das LMU-Klinikum München eröffnete Anfang August ein Zentrum für kognitive Störungen. Ein spezialisierter PET-Scanner weist Amyloid-Ablagerungen nach – in einer offenen Untersuchungsumgebung statt der herkömmlichen Röhre.
Für Menschen mit Down-Syndrom gibt es ebenfalls Fortschritte. Eine im August in Communications Medicine veröffentlichte Studie belegt: Bluttests wie p-tau217 und ?-Amyloid 1-42 erkennen Alzheimer-Veränderungen bei dieser Hochrisikogruppe mit hoher Genauigkeit. Das Lebenszeitrisiko für Alzheimer liegt hier bei über 90 Prozent. Die Bluttests ersetzen die unangenehme Lumbalpunktion.
Prävention: 45 Prozent der Fälle vermeidbar
Der Lancet Commission Report von 2024 nennt 14 Risikofaktoren, deren Modifikation rund 45 Prozent der Demenzfälle verhindern könnte. Aktuelle Daten der Rutgers University zeigen: Intervallfasten mit einem Essensfenster zwischen 10 und 18 Uhr verbessert die kognitive Leistung bei Frauen zwischen 50 und 79 Jahren.
Neben der Ernährung spielt auch die aktive geistige Forderung eine entscheidende Rolle für die langfristige Gehirngesundheit. Dieser kostenlose Ratgeber stellt elf praktische Alltagsübungen vor, mit denen Sie Ihre Konzentration stärken und gezielt vorbeugen können. Gehirntraining-Ratgeber kostenlos herunterladen
Harvard-Forscher belegen zudem: Bereits 3.000 bis 5.000 Schritte täglich verzögern den kognitiven Verfall um etwa drei Jahre. Höhere Schrittzahlen verstärken den Effekt weiter.
Kritische Stimmen bleiben jedoch. Eine Auswertung von 17 Studien mit über 20.000 Teilnehmern zeigt: Die Reduktion von Amyloid-Plaques führt nicht zwangsläufig zu klinischem Nutzen. Gleichzeitig bleiben Risiken wie Hirnschwellungen (ARIA) bestehen. Die Forschung muss sich also weiter auf alternative Ziele konzentrieren – Neuroinflammation und mitochondrialer Schutz könnten der Schlüssel sein.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
