Alzheimer, Musik

Alzheimer und Musik: Forscher prüfen, ob neue Lieder das Gedächtnis stützen

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 13:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine internationale Vierjahresstudie prüft, ob aktives Singen das Erinnerungsvermögen von Alzheimer-Patienten längerfristig stabilisieren kann.

Universität Wien untersucht Liedlernen als Ansatz bei Alzheimer
Ein minimalistisches Labor mit einem EEG-Gerät auf einem Holztisch in einem hellen, ruhigen Forschungsraum. Illustration mit AI erstellt.

Die Suche nach wirksamen therapeutischen Ansätzen bei neurodegenerativen Erkrankungen gewinnt vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen an Bedeutung. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Psychologin Anja-Xiaoxing Cui von der Universität Wien widmet sich nun einem spezifischen Ansatz: Es analysiert, welchen Einfluss das Erlernen neuer Lieder auf die Gedächtnisleistung von Alzheimer-Patienten ausüben kann.

Das Projekt zielt darauf ab, vertiefte Erkenntnisse über die kognitiven Wirkungsweisen musikalischer Prozesse zu gewinnen und darauf aufbauend neue Therapiewege zu erschließen.

International angelegte Untersuchung mit neurophysiologischen Messungen

Das auf vier Jahre angelegte Forschungsvorhaben erstreckt sich über Standorte in Österreich, Norwegen und Argentinien und wird vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) gefördert.

Die Rekrutierung der Probanden findet entsprechend in Wien sowie in den beiden Partnerländern statt. Für die Teilnahme qualifizieren sich Personen, die über 65 Jahre alt sind, eine gesicherte Alzheimer-Diagnose aufweisen und über keinerlei musikalische Vorkenntnisse verfügen.

Das Studiendesign sieht vor, dass die Teilnehmenden über den Zeitraum von einem Jahr individuellen Einzelunterricht erhalten. In diesen Einheiten, die in einer Frequenz von einmal pro Monat bis zu zweimal pro Woche stattfinden, werden eigens für das Vorhaben komponierte Lieder einstudiert. Um die Effekte auf das Gehirn präzise zu erfassen, kombiniert die Versuchsreihe elektroenzephalografische Messungen (EEG) mit Magnetresonanztomografien (MRT).

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Der Stellenwert von aktivem Gesang gegenüber passivem Konsum

Im Zentrum der wissenschaftlichen Fragestellung steht bewusst das aktive Singen und Einstudieren von Musikstücken und nicht das bloße Hören von Musik. Die Forscher verbinden mit diesem handlungsorientierten Ansatz die Erwartung, neuronale Verbindungen gezielt zu stimulieren, zu festigen und so das Erinnerungsvermögen zu unterstützen.

Wie Cui im September 2026 im FWF-Magazin scilog erläuterte, könne Musik als Brücke fungieren, um an Gedächtnisinhalte heranzukommen, die im Gehirn zwar weiterhin vorhanden, für Betroffene jedoch nur noch schwer abrufbar seien. Die Verbindung von Melodie, Rhythmus und Text schaffe alternative neuronale Zugangswege zu diesen verschütteten Erinnerungen.

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Neurologische Verankerung und gesellschaftliche Relevanz

Die menschliche Empfänglichkeit für musikalische Reize ist tief im Nervensystem verankert. Untersuchungen an Säuglingen belegen, dass das menschliche Gehirn bereits ab einem Alter von drei Monaten in der Lage ist, Musikstrukturen zu verarbeiten und diese direkt mit motorischen Reaktionen zu verknüpfen.

Zugleich verdeutlichen regionale Gesundheitsdaten die Dringlichkeit neuer Behandlungsformen. Allein im österreichischen Bundesland Salzburg leben rund 10.000 Menschen mit einer Demenzerkrankung. Den vorliegenden Berichten zufolge entfallen rund zwei Drittel dieser diagnostizierten Fälle auf die Alzheimer-Krankheit.

Die Ergebnisse der vierjährigen Studie sollen Aufschluss darüber geben, in welchem Maße aktive musikalische Interventionen dazu beitragen können, kognitive Fähigkeiten bei Betroffenen längerfristig zu stabilisieren.

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