Befragung, Vertrauen

68-LĂ€nder Befragung zeigt Vertrauen in Forscher

20.01.2025 - 13:41:19

Am Tag der AmtseinfĂŒhrung von Donald Trump als US-PrĂ€sident prĂ€sentiert ein internationales Team Daten zum Vertrauen in Forscher. Weltweit sieht es ganz gut aus, es gibt aber Kritik an der Studie.

  • Verschiedene Bevölkerungsgruppen haben ein unterschiedlich hohes Vertrauen in Forscher. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpa

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  • Auch das sind Wissenschaftler: Ägyptische ArchĂ€ologen restaurieren Funde in Luxor. (Archivbild) - Foto: Khaled Elfiqi/AP/dpa

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  • Forscher erklĂ€ren Vergangenheit: ArchĂ€ologen graben bei Döbeln-GĂ€rtitz eine frĂŒhbonzezeitliche Siedlung aus. (Archivbild) - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

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  • Katalin Kariko und Drew Weissman haben den Medizin-Nobelpreis fĂŒr grundlegenden Arbeiten zu mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 bekommen. (Archivbild) - Foto: Peggy Peterson/Penn Medicine/dpa

    Peggy Peterson/Penn Medicine/dpa

  • Auf der Internationalen Raumstation ISS forschen Menschen aus vielen LĂ€ndern gemeinsam. (Archivbild) - Foto: -/Roscosmos State Space Corporation via AP/dpa

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Verschiedene Bevölkerungsgruppen haben ein unterschiedlich hohes Vertrauen in Forscher. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpaAuch das sind Wissenschaftler: Ägyptische ArchĂ€ologen restaurieren Funde in Luxor. (Archivbild) - Foto: Khaled Elfiqi/AP/dpaForscher erklĂ€ren Vergangenheit: ArchĂ€ologen graben bei Döbeln-GĂ€rtitz eine frĂŒhbonzezeitliche Siedlung aus. (Archivbild) - Foto: Hendrik Schmidt/dpaKatalin Kariko und Drew Weissman haben den Medizin-Nobelpreis fĂŒr grundlegenden Arbeiten zu mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 bekommen. (Archivbild) - Foto: Peggy Peterson/Penn Medicine/dpaAuf der Internationalen Raumstation ISS forschen Menschen aus vielen LĂ€ndern gemeinsam. (Archivbild) - Foto: -/Roscosmos State Space Corporation via AP/dpa

Das Vertrauen in Forscher ist weltweit gesehen auf «moderat hohem» Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung von knapp 72.000 Menschen aus 68 LÀndern. Die Studie widerlege die ErzÀhlung einer weitreichenden Vertrauenskrise in Wissenschaftler, schreibt das Team von 241 Forschern im Journal «Nature Human Behaviour». Es gibt jedoch einige Kritikpunkte am Messverfahren der Arbeit, insbesondere an der Vergleichbarkeit der LÀnder.

Die Mehrheit der Menschen wĂŒnsche sich, dass sich Forscher in Politik und Gesellschaft einbringen, berichtet das Team unter Leitung von Viktoria Cologna (Eidgenössische Technische Hochschule ETH ZĂŒrich) und Niels Mede (UniversitĂ€t ZĂŒrich). 

Frauen und religiöse Menschen haben höheres Vertrauen in Forscher 

Einige demografische Gruppen vertrauen Forschern laut Studie besonders. Dazu zÀhlten Frauen, Àltere Menschen und Menschen mit hohem Einkommen. Auch religiöse Menschen, gebildete, liberale sowie Menschen mit linker politischer Orientierung vertrauten Wissenschaftlern eher. Bewohner stÀdtischer Gebiete hÀtten ein höheres Vertrauen zu Forschern als solche auf dem Land.

«TatsĂ€chlich fanden wir heraus, dass ReligiositĂ€t insgesamt positiv mit Vertrauen in Wissenschaftler assoziiert ist», schreibt das Team. Eine Studie von 2020 habe gezeigt, dass die meisten muslimischen Teilnehmer keinen Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion wahrnehmen, da der Koran viele Prinzipien der Wissenschaft enthalte. Einige Christen empfanden in der frĂŒheren Studie jedoch, dass Wissenschaft im Widerspruch zu ihrer Religion stehe – es gebe dabei aber deutliche Unterschiede zwischen den LĂ€ndern.

Ein relativ geringes Forscher-Vertrauen hatten dagegen in vielen LĂ€ndern Menschen mit rechtsgerichteten und konservativen politischen Ansichten. «Angesichts des weltweit zunehmenden Einflusses autoritĂ€r-populistischer Parteien und Strömungen – wie der AFD in Deutschland oder der FPÖ in Österreich – sehe ich hier eine nicht zu unterschĂ€tzende Herausforderung fĂŒr die Wissenschaft und die Wissenschaftskommunikation in den kommenden Jahren», sagte der Philosoph Mathias Frisch von der UniversitĂ€t Hannover, der nicht an der Studie beteiligt war. 

Befragte halten Wissenschaftler fĂŒr vertrauenswĂŒrdig 

In allen analysierten LĂ€ndern hĂ€lt eine Mehrheit der Bevölkerung Wissenschaftler fĂŒr vertrauenswĂŒrdig. Zur Ermittlung des Wertes nutzten die Forscher Antworten zu den Bereichen Kompetenz, zum Wohlwollen der Forscher, zur IntegritĂ€t und zu ihrer Offenheit. Die Befragten konnten wĂ€hlen zwischen 1 (sehr niedrig), 2 (eher niedrig), 3 (weder hoch noch niedrig) 4 (eher hoch) und 5 (sehr hoch). Insgesamt erreichte das Vertrauen in Wissenschaftler laut Studie einen Mittelwert von 3,62.

Deutschland liegt dabei mit 3,49 auf Platz 44 von 68. Dort wurden mehr als 8.000 Menschen befragt. Die Vertrauensskala reicht von Albanien (3,05) und Kasachstan (3,13) bis hoch zu Ägypten (4,30) und Indien (4,26). Insgesamt zeigten Russland sowie mehrere ehemalige Sowjetrepubliken und Satellitenstaaten ein vergleichsweise niedriges Vertrauen in Wissenschaftler. 

Studie hat EinschrÀnkungen

Der wichtigste Beitrag der Studie sei darin zu sehen, dass sie den Mythos von der gefĂ€hrlich geringen VertrauenswĂŒrdigkeit von Wissenschaftlern ausrĂ€umt, kommentiert Frank Marcinkowski von der UniversitĂ€t DĂŒsseldorf. «Kein gemessener LĂ€ndermittelwert liegt unterhalb des Mittelpunkts der verwendeten 5er-Skala.» 

Er schrĂ€nkte jedoch ein: «Angesichts offensichtlicher Differenzen in den sozialen, kulturellen, politischen, ökonomischen und anderen Randbedingungen von Wissenschaft in den einzelnen LĂ€ndern, scheint es mir kaum möglich, die LĂ€nderwerte direkt aufeinander zu beziehen.» Zudem gebe es «keine theoretisch begrĂŒndete Vorstellung von dem richtigen Maß an Vertrauen, das die Wissenschaft genießen sollte». 

Insgesamt stimmen 75 Prozent der Befragten zu, dass wissenschaftliche Forschungsmethoden der beste Weg sind um herauszufinden, ob etwas wahr oder falsch ist. Weltweit wĂŒnschen 83 Prozent, dass Forschende mit der breiten Öffentlichkeit kommunizieren.

Die Studie habe mehrere EinschrĂ€nkungen, rĂ€umen auch die Forscher selbst ein. So wurde die Umfrage in einigen LĂ€ndern auf Englisch oder Französisch gefĂŒhrt, auch wenn diese dort nicht die am hĂ€ufigsten gesprochenen Sprachen sind. Zudem erfolgte die Umfrage online. Beides könnte zur ÜberreprĂ€sentation gebildeter Menschen gefĂŒhrt haben. Die Begriffe «Wissenschaft» und «Wissenschaftler» könnten zudem in verschiedenen LĂ€ndern etwas unterschiedlich interpretiert werden.

Minderheit mit möglichem Einfluss

«Es gibt zwar keinen weit verbreiteten Mangel an Vertrauen an Wissenschaftlern», schließt das Team, «wir können aber die Sorge nicht ausschließen, dass ein Mangel an Vertrauen in Wissenschaftler selbst bei einer kleinen Minderheit die BerĂŒcksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse bei der politischen Entscheidungsfindung beeinflussen kann.»

@ dpa.de