Amália, Portugal

Amália: Portugal startet eigenes KI-Sprachmodell mit 9 Milliarden Parametern

Veröffentlicht am: 01.07.2026 um 20:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Portugal stellt mit Amália ein offenes KI-Sprachmodell vor, das auf europäisches Portugiesisch spezialisiert ist und die digitale Souveränität stärken soll.

Portugal launcht KI-Modell Amália für europäisches Portugiesisch
Digitale neuronale Netzwerke mit subtilen portugiesischen Kulturmustern, die das erste Open-Source-KI-Modell des Landes symbolisieren. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Die nach der legendären Fadosängerin Amália Rodrigues benannte Künstliche Intelligenz ist speziell auf europäisches Portugiesisch trainiert und als Open-Source-Modell frei verfügbar.

Das Projekt reiht sich in eine wachsende europäische Bewegung ein: Nach ähnlichen Initiativen in der Schweiz und Polen setzt nun auch Portugal auf eigene KI-Infrastruktur. Ziel ist es, strategische Unabhängigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Technologiekonzernen zu gewinnen.

Mehr als nur ein Chatbot

Premierminister Luís Montenegro bezeichnete den Launch als „entscheidenden Schritt für die strategische Autonomie Europas“. Die digitale Unabhängigkeit des Kontinents hänge zunehmend von eigenen KI-Fähigkeiten ab. Das Modell solle die Souveränität der portugiesischen Sprache, Kultur und Daten in der digitalen Welt sichern.

Paulo Dimas, CEO des Zentrums für Verantwortungsvolle KI, stellte klar: „Amália ist kein allgemeiner Chatbot für Verbraucher.“ Das Modell sei ein spezialisiertes Werkzeug für institutionelle Aufgaben – mit höchsten Ansprüchen an Datensicherheit und kulturelle Genauigkeit.

18 Monate Forschung, 60 Wissenschaftler

Die Entwicklung dauerte anderthalb Jahre. Ein Konsortium aus fünf Forschungszentren und über 60 Wissenschaftlern war beteiligt. Technisch basiert Amália auf den Frameworks EuroLLM-9B und GlorIA und verfügt über 9 Milliarden Parameter.

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Das Training erfolgte mit 4 Milliarden Wörtern – unter anderem aus dem Webarchiv Arquivo.pt, um sprachliche Präzision für das europäische Portugiesisch zu gewährleisten. Die nötige Rechenleistung lieferten die Supercomputer Deucalion und MareNostrum 5. Eine Testversion war bereits im September 2025 fertiggestellt worden.

EU-Fördermittel in Millionenhöhe

Die Finanzierung von 5,5 Millionen Euro stammt aus dem EU-Aufbau- und Resilienzplan. Die Mittel verteilen sich auf mehrere Institutionen:

  • NOVA-Universität: 2,475 Millionen Euro
  • Instituto Superior TĂ©cnico (IST): 1 Million Euro
  • Universitäten Porto, Minho und Coimbra: jeweils 375.000 Euro
  • Stiftung fĂĽr Wissenschaft und Technologie (FCT): 900.000 Euro

Die Förderung ist bis Ende 2027 gesichert.

Vom Klassenzimmer bis zur Marine

Amália soll in verschiedenen öffentlichen Bereichen zum Einsatz kommen:

  • Bildung: Als KI-Assistent fĂĽr die Unterrichtsvorbereitung
  • Kultur: Als virtueller MuseumsfĂĽhrer
  • Verteidigung: EntscheidungsunterstĂĽtzung fĂĽr die portugiesische Marine
  • BĂĽrgerservice: Integration ins Regierungsportal gov.pt fĂĽr Anfragen und Verwaltungsaufgaben
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Der Start erfolgt in einem veränderten globalen KI-Umfeld. Während europäische Länder auf eigene Modelle setzen, haben die USA kürzlich Exportbeschränkungen für andere fortschrittliche Modelle gelockert – darunter Anthropics Claude Fable 5 und Mythos 5, die Ende Juni und Anfang Juli 2026 wieder für den europäischen Markt freigegeben wurden.

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