Amazon schaltet KiroRank ab: Tokenmaxxing kostet Millionen
29.05.2026 - 19:55:06 | boerse-global.deDer Konzern schaltet sein System zur Bewertung von KI-Nutzung ab – zu viele Angestellte spielten das System nur für die eigene Statistik.
Amazon hat sein internes KI-Ranking-System KiroRank abgeschaltet. Der Grund: Mitarbeiter betrieben sogenanntes „Tokenmaxxing“ – sie ließen KI-Agenten sinnlose Aufgaben ausführen, nur um ihre Platzierung auf der internen Rangliste zu verbessern. Die Abschaltung erfolgte am 28. und 29. Mai 2026.
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Wettbewerb ohne Mehrwert
Das KiroRank-Dashboard war ein inoffizielles internes Tool, das die Nutzung von Künstlicher Intelligenz unter den Beschäftigten fördern sollte. Doch die Führungsetage stellte fest, dass Angestellte KI-Agenten für redundante oder zwecklose Aufgaben laufen ließen. Einziges Ziel: die eigene Position im Ranking zu verbessern. Die Folge: explodierende Kosten für die KI-Infrastruktur – ohne geschäftlichen Nutzen.
Dave Treadwell, Senior Vice President bei Amazon, sprach das Problem Ende Mai an. Er forderte die Mitarbeiter auf, KI nicht einfach um der Technologie willen einzusetzen. Das Ranking-System habe zwar gute Absichten gehabt, aber ein Verhalten gefördert, das Kennzahlen über echte Ergebnisse stelle. Amazon bestätigte inzwischen die Deaktivierung.
Neue Messmethode: „Normalized Deployments“
Als Reaktion auf die Betrugsfälle führt Amazon eine neue interne Kennzahl ein: normalisierte Bereitstellungen (normalized deployments). Damit soll künftig gemessen werden, ob KI tatsächlich implementiert und genutzt wird – statt nur, wie viele Token verbraucht werden.
Der Strategiewechsel kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Amazon massiv in Künstliche Intelligenz investiert. Die geschätzten Investitionen des Konzerns in KI belaufen sich auf rund 180 Milliarden Euro (umgerechnet 200 Milliarden Dollar). Trotz der Probleme mit dem internen Ranking bleibt die KI-Nutzung im Unternehmen hoch: Mehr als 80 Prozent der Entwickler setzen eigenen Angaben zufolge wöchentlich KI-Tools ein.
Branchenweites Problem
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Amazon ist nicht der einzige Technologieriese mit Schwierigkeiten bei internen KI-Rankings. Bereits am 8. April dieses Jahres hatte Meta ein ähnliches System namens Claudenomics abgeschaltet. Damals hatten Mitarbeiter innerhalb von 30 Tagen 60 Billionen Token verbraucht.
Die hohen Kosten unkontrollierter KI-Nutzung bereiten großen Konzernen zunehmend Sorgen. Branchenberichte nennen ein nicht namentlich genanntes Unternehmen, das in einem einzigen Monat 450 Millionen Euro (500 Millionen Dollar) für Anthropics Claude-KI ausgab – weil keine Nutzungslimits für Mitarbeiterlizenzen festgelegt worden waren.
Finanzbranche reagiert
Während einzelne Firmen mit internen Kontrollen kämpfen, treibt der Finanzsektor die Standardisierung der KI-Bewertung voran. Die Shanghai Futures Exchange entwickelt derzeit einen Derivatemarkt speziell für KI-Token. Gleichzeitig planen die CME Group und die ICE, Futures-Kontrakte für GPU-Vermietungen einzuführen. Aktuelle Marktdaten zeigen, dass die Mietpreise für H100-GPUs zwischen 1,30 und 3,90 Euro pro Stunde liegen (umgerechnet 1,40 bis 4,27 Dollar).
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