Amazon Trainium3: Cloud-Riese plant Direktverkauf an Rechenzentren
20.06.2026 - 05:34:10 | boerse-global.de
Der Cloud-Riese will seine hauseigenen Trainium3-Prozessoren künftig direkt an Rechenzentren verkaufen. Das könnte den Milliardenmarkt für KI-Hardware neu ordnen.
Amazon erwägt einen strategischen Kurswechsel in seiner KI-Strategie. CEO Andy Jassy und Peter DeSantis, Chef der KI-Sparte bei Amazon Web Services (AWS), bestätigten, dass der Konzern den Direktverkauf seiner Trainium3-Racks an Drittanbieter-Rechenzentren prüft. Bislang blieb die Hardware exklusiv der eigenen Cloud-Infrastruktur vorbehalten. Mit diesem Schritt würde Amazon in direkte Konkurrenz zum Branchenprimus Nvidia treten.
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AWS bringt neue Blackwell-Instanzen an den Start
Bereits am 19. Juni 2026 gab AWS die allgemeine Verfügbarkeit seiner neuen EC2-G7-Instanzen bekannt. Diese Systeme basieren auf Nvidias RTX PRO 4500 Blackwell Server Edition GPUs und versprechen deutliche Leistungssprünge. Laut Unternehmensangaben erreichen sie eine bis zu 4,6-mal höhere KI-Inferenzleistung und die 2,1-fache Grafikperformance im Vergleich zur Vorgängerserie G6. Die Hardware verfügt über 32 GB GPU-Speicher und setzt auf Hochgeschwindigkeitsnetzwerke – zunächst in den US-Regionen East und West.
Doch Amazons eigener Chip-Bereich wächst rasant. Die Sparte, die die Prozessorlinien Trainium, Graviton und Nitro produziert, erzielt bereits einen annualisierten Umsatz von rund 20 Milliarden Euro. Jassy schätzt das Potenzial auf bis zu 50 Milliarden Euro Jahresumsatz. Die aktuelle Trainium3-Generation ist bereits ausverkauft, und für den Nachfolger Trainium4, der in etwa 18 Monaten erwartet wird, liegen bereits erhebliche Vorbestellungen vor. Zu zu den prominenten Nutzern der Trainium-Chips zählen Anthropic, OpenAI und Uber.
Neue Wettbewerber setzen auf Effizienz
Während die großen Cloud-Anbieter ihr Angebot ausbauen, drängen Startups mit spezialisierter Technologie auf den Markt. Das Unternehmen Tensordyne hat seinen ersten kommerziellen Beschleuniger namens „Napier" bei TSMC im 3nm-Verfahren tape-outen lassen. Der Chip nutzt die Mitchell-Approximation für logarithmische Multiplikation – ein Ansatz, der laut Firmenangaben deutlich höheren Durchsatz und bessere Energieeffizienz als Nvidias Blackwell-Architektur ermöglicht. Die Markteinführung ist für das zweite oder dritte Quartal 2027 geplant.
Das Miami-Startup Subquadratic hat ein Large Language Model vorgestellt, das auf „sparse attention" statt der üblichen „dense attention"-Architektur setzt. Das Unternehmen verspricht einen Kontextfenster von 12 Millionen Tokens bei extrem hoher Geschwindigkeit.
Die rasante Entwicklung neuer KI-Systeme bringt nicht nur Chancen, sondern auch neue rechtliche Risiken für die IT-Sicherheit mit sich. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer durch die neuen KI-Gesetze jetzt kennen müssen. Neue KI-Gesetze, neue Cyberrisiken: Was kommt wirklich auf Ihr Unternehmen zu?
Aus Boston kommt BoolSi: Das Unternehmen sicherte sich sechs Millionen Euro Seed-Finanzierung für die Entwicklung eines Compilers, der aus C/C++-Funktionen FPGA-Beschleuniger generiert. Eine private Beta soll im dritten Quartal 2026 starten, Zielgruppe sind Entwickler in der Robotik und bei eingebetteten Systemen.
KI für den Schreibtisch und neue Speichertechnik
Auch im Bereich der KI-fähigen Personal Computer tut sich einiges. Lenovo brachte das Yoga Pro 7 mit AMDs Ryzen AI Max+ 388 Prozessor und schnellem LPDDR5X-Speicher auf den Markt. GMKtec kündigte an, dass der Early Access für seinen Evo-X3 Mini-PC mit Ryzen AI Max+ 395 am 22. Juni 2026 beginnt.
Die Versorgung mit Hochleistungskomponenten bleibt ein zentrales Thema. SK Hynix, das im ersten Quartal 2026 einen Marktanteil von 58 Prozent bei High-Bandwidth Memory hielt, liefert bereits Muster seines 12-Lagen-HBM4E-Speichers aus – früher als geplant. Die Komponenten sollen mehr als 20 Prozent effizienter sein als das Standard-HBM4.
Nvidia und der Doosan-Konzern haben ihre Partnerschaft zur Integration von Physical AI in die Robotik ausgeweitet. Ziel ist die Entwicklung kommerzieller humanoider Roboter bis 2028. Doosan Electro-Materials investiert dafür 130 Millionen Euro in eine neue Fabrik in Thailand, deren Produktion in der zweiten Jahreshälfte 2028 anlaufen soll.
