AMD-Supplemente, AREDS-Mischungen

AMD-Supplemente: AREDS-Mischungen senken das Fortschreiten um 25 Prozent

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 04:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Auswertung von 89 Fachartikeln und 51 Studien bestÀtigt AREDS; weitere StoffwechselansÀtze sind bislang experimentell.
Nahaufnahme eines menschlichen Auges mit Fokus auf die komplexe Struktur der Iris und NetzhautgefĂ€ĂŸe. Illustration mit AI erstellt.

Metabolische NahrungsergÀnzungsmittel stehen zunehmend im Fokus der ophthalmologischen Forschung. Wissenschaftler untersuchen dabei vermehrt, inwieweit gezielte Stoffwechselinterventionen den Prozess der altersbedingten Netzhautdegeneration verlangsamen können.

Ein wissenschaftlicher Übersichtsartikel, ĂŒber den das Fachportal scienmag.com Ende Oktober 2026 berichtete, analysiert chronische Augenkrankheiten wie die altersabhĂ€ngige Makuladegeneration (AMD), die diabetische Retinopathie und das Glaukom unter dem Blickwinkel einer beschleunigten Alterung des Augengewebes.

FĂŒr die systematische Auswertung berĂŒcksichtigten die Autoren 89 Fachartikel sowie 51 registrierte klinische Studien, um den aktuellen Kenntnisstand zu verschiedenen NĂ€hrstoff- und StoffwechselansĂ€tzen zu erfassen.

AREDS-Kombinationen als bisher einziger robuster Beleg

Trotz des breiten Interesses an neuen Wirkstoffen zeigt die Auswertung eine klare Grenze der bisherigen klinischen Evidenz auf: Spezifische AREDS-Supplemente bleiben die einzige ErnĂ€hrungstherapie bei Netzhauterkrankungen, deren Nutzen durch große randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) solide nachgewiesen ist.

Die Einnahme der AREDS-Formulierungen senkt die Progression von einer intermediÀren zu einer fortgeschrittenen AMD um etwa 25 %. Andere weit verbreitete ErgÀnzungen konnten diesen Standard hingegen nicht bestÀtigen. So ergab die AREDS2-Untersuchung keinen zusÀtzlichen therapeutischen Nutzen einer tÀglichen Gabe von 350 mg DocosahexaensÀure (DHA) und 650 mg EicosapentaensÀure (EPA) gegen das Fortschreiten der Makuladegeneration.

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Neue metabolische AnsÀtze im Fokus der Forschung

Neben den bewĂ€hrten Formulierungen rĂŒckten in dem Übersichtsbericht vor allem sogenannte NAD+-Booster, Citicolin, Pyruvat sowie Omega-3-FettsĂ€uren als experimentelle StoffwechselansĂ€tze in den Mittelpunkt:

  • Nicotinamid (NAM): Im Tiermodell (DBA/2J-MĂ€use) zeigte die Substanz neuroprotektive Effekte. AbhĂ€ngig von der Dosierung schĂŒtzte sie bis zu 70 % der Augen bei niedriger und bis zu 93 % bei hoher Dosis vor SchĂ€digungen.
  • Kombination mit Pyruvat: In einer Phase-2-Studie bei Patienten mit Offenwinkelglaukom fĂŒhrte eine orale Gabe von 1.000 bis 3.000 mg Nicotinamid pro Tag kombiniert mit 1.500 bis 3.000 mg Pyruvat pro Tag ĂŒber einen Zeitraum von rund zwei Monaten zu einer Verbesserung von Parametern des Gesichtsfelds.

Gleichzeitig verweist die Übersichtsarbeit auf wesentliche Risiken und EinschrĂ€nkungen. Nicotinamid besitzt keine Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA fĂŒr die Behandlung von Glaukompatienten. Zudem wurden bei einer Dosis von mindestens 3 g Nicotinamid pro Tag zwei FĂ€lle arzneimittelinduzierter LeberschĂ€den dokumentiert, was die Notwendigkeit einer vorsichtigen Dosierung unterstreicht.

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Einblicke in die mitochondriale Dynamik

Weitere wissenschaftliche Berichte vertiefen das VerstĂ€ndnis der zellulĂ€ren AblĂ€ufe bei degenerativen Prozessen im Auge. Eine Multi-omics-FlĂŒssigbiopsie des Kammerwassers bei Patienten mit geografischer Atrophie identifizierte 64 differentiell exprimierte mitochondriale Proteine, darunter reduzierte Enzyme des Citratzyklus wie PDHB und DLST.

Parallel dazu lieferte eine frĂŒhe klinische Phase-0-Studie (NCT07269704) bei Katarakt-Patienten erste In-vivo-Hinweise darauf, dass oral verabreichte Stoffwechselsubstanzen das Milieu im Auge tatsĂ€chlich erreichen und verĂ€ndern können: Eine Supplementierung mit ?-Ketoglutarat steigerte die intraokularen ?-Ketoglutarat-Spiegel sowie das VerhĂ€ltnis von ?-Ketoglutarat zu Succinat signifikant (P < 0,05).

WĂ€hrend grundlegende Mechanismen und frĂŒhe Studienphasen neue Ansatzpunkte fĂŒr kĂŒnftige metabolische Therapien liefern, verbleibt die Verringerung des Progressionsrisikos durch klassische AREDS-Mischungen der bislang einzig klinisch breit untermauerte ErnĂ€hrungsansatz in diesem Segment.

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