Zeitumstellung, MĂ€rz

Zeitumstellung neu gedacht: Besser im April statt im MĂ€rz

28.03.2025 - 04:00:49 | dpa.de

An der Uhr drehen oder nicht? Auch Experten sind da uneins. Alles so lassen, meinen nun zwei Spanier mit Blick auf Historie und Studienlage. Nur eine kleine Verschiebung sei dann doch sinnvoll.

  • Der physiologische Tageszyklus des Menschen orientiert sich am Sonnenaufgang. (Archivbild) - Foto: Thomas Warnack/dpa/dpa-tmn
    Der physiologische Tageszyklus des Menschen orientiert sich am Sonnenaufgang. (Archivbild) - Foto: Thomas Warnack/dpa/dpa-tmn
  • Menschen lieben die langen Sommerabende. (Archivbild) - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Menschen lieben die langen Sommerabende. (Archivbild) - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Wenn der Tag gleichmĂ€ĂŸig in Schlaf, Arbeit und Freizeit aufgeteilt ist, macht eine Stunde 12,5 Prozent der verfĂŒgbaren Freizeit aus. (Archivbild) - Foto: Katrin Requadt/dpa
    Wenn der Tag gleichmĂ€ĂŸig in Schlaf, Arbeit und Freizeit aufgeteilt ist, macht eine Stunde 12,5 Prozent der verfĂŒgbaren Freizeit aus. (Archivbild) - Foto: Katrin Requadt/dpa
  • FĂŒr Menschen, die sehr unter der Zeitumstellung leiden, haben Experten einen Rat: voranpassen. (Archivbild) - Foto: Maximilian von Klenze/dpa
    FĂŒr Menschen, die sehr unter der Zeitumstellung leiden, haben Experten einen Rat: voranpassen. (Archivbild) - Foto: Maximilian von Klenze/dpa
  • Seit 1996 gilt die Sommerzeit EU-weit und beginnt jeweils am letzten Sonntag im MĂ€rz. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
    Seit 1996 gilt die Sommerzeit EU-weit und beginnt jeweils am letzten Sonntag im MĂ€rz. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
  • Mit der Umstellung auf die Sommerzeit gewinnen Menschen Tageslichtstunden fĂŒr FreizeitaktivitĂ€ten. (Archivbild) - Foto: Francisco Seco/AP/dpa
    Mit der Umstellung auf die Sommerzeit gewinnen Menschen Tageslichtstunden fĂŒr FreizeitaktivitĂ€ten. (Archivbild) - Foto: Francisco Seco/AP/dpa
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Ist es wirklich Zeit, an der Uhr zu drehen? Um die halbjĂ€hrliche Zeitumstellung wird seit Jahren intensiv gerungen. Nun gibt es eine neue Idee: Die Zeitumstellung selbst verschieben. Das erste April-Wochenende sei fĂŒr das Umstellen im FrĂŒhjahr besser geeignet als der letzte Sonntag im MĂ€rz, sagen zwei spanische Forscher. Dann wĂŒrden gĂŒnstigere morgendliche LichtverhĂ€ltnisse fĂŒr einen guten Start in den Tag erwischt. 

Aus physiologischer Sicht wĂ€re es zudem sinnvoll, die Sommerzeit in der EU Anfang statt Ende Oktober enden zu lassen. Starte die Sommerzeit zu frĂŒh, werde ein grĂ¶ĂŸerer Anteil der menschlichen AktivitĂ€ten in die dunklen Morgenstunden verlegt, argumentieren die Forscher. Die RĂŒckkehr zur Winterzeit sollte entsprechend erfolgen, bevor der Haupt-AktivitĂ€tsbeginn vor Sonnenaufgang liege. In diesem Jahr werden die Uhren am 30. MĂ€rz um eine Stunde vor- und am 26. Oktober wieder zurĂŒckgestellt. 

Diskussion fĂŒhrt am biologischen Kern vorbei

Über die Zeitumstellung werde derzeit falsch diskutiert, sind Jorge Mira von der UniversitĂ€t von Santiago de Compostela und JosĂ© MarĂ­a MartĂ­n-Olalla von der UniversitĂ€t von Sevilla ĂŒberzeugt: Der Lebensrhythmus der Menschen werde dadurch in Bezug auf die Sonne keineswegs verschoben, sondern im Gegenteil werde durch die Umstellung der morgendliche Beginn aller AktivitĂ€ten wieder an den Sonnenaufgang angepasst.

Die spanische Nationalversammlung habe diese Art saisonaler Anpassung bereits im Jahr 1810 vorgenommen. «Das soziale Leben wird einfach umorganisiert, weil die LĂ€nge des Tages im Sommer es ermöglicht, die Dinge am Morgen frĂŒher zu erledigen als im Winter», erklĂ€rte MartĂ­n-Olalla. «Das Problem ist, dass sie (die Zeitumstellung) in den letzten Jahren nur noch mit Energieeinsparung in Verbindung gebracht wurde, obwohl es sich in Wirklichkeit um einen natĂŒrlichen Anpassungsmechanismus handelt.»

Tagesrhythmus orientiert sich am Sonnenaufgang

Das belegten aktuelle und historische Beispiele von Gesellschaften mit spĂ€terer AktivitĂ€t im Winter und frĂŒherer AktivitĂ€t im Sommer, entsprechend der synchronisierenden Rolle des Morgenlichts fĂŒr unseren Körper. Eine Analyse von schwedischen Daten aus dem Jahr 1746 zum Beispiel zeige, dass die Menschen im Sommer dreieinhalb Stunden eher aufstanden als im Winter.

Auch in tropischen Gesellschaften ohne Zugang zu kĂŒnstlichem Licht lĂ€gen die Aufstehzeiten in der Regel in der MorgendĂ€mmerung, die Schlafenszeit in der Regel etwa drei Stunden nach Sonnenuntergang, erklĂ€ren Mira und MartĂ­n-Olalla. Der physiologische Tageszyklus des Menschen orientiere sich stets am Sonnenaufgang.

Tipp: Wecker stufenweise umstellen

FĂŒr Menschen, die halbjĂ€hrlich sehr unter der Zeitumstellung leiden, hat das spanische Forscher-Duo einen Rat: voranpassen. Der Wecker könne, jeweils drei Wochen vor dem Termin beginnend, wöchentlich um eine Viertelstunde in Richtung der «neuen» Zeit verstellt werden.

1980 war in der Bundesrepublik und der DDR die noch immer geltende, etwa halbjĂ€hrliche Sommerzeit eingefĂŒhrt worden. Seit 1996 gilt sie EU-weit und beginnt jeweils am letzten Sonntag im MĂ€rz. Am letzten Sonntag im Oktober werden die Uhren wieder zurĂŒckgestellt. In der Fachzeitschrift «Open Science» der britischen Royal Society gehen Mira und MartĂ­n-Olalla nun auf die physiologischen und sozialen Grundlagen und Auswirkungen auf die Gesundheit ein.

Forscher: Risiko-Nutzen-Bilanz verzerrt dargestellt

In den vergangenen Jahren hatte es eine Reihe von Studien zu Folgen der halbjĂ€hrlichen Zeitumstellung gegeben, etwa zu mehr VerkehrsunfĂ€llen in den Tagen danach und Gesundheitsproblemen wie zeitweisen Schlafstörungen und kurz erhöhten Herzinfarkt-Raten. Der grĂ¶ĂŸte Nachteil der Zeitumstellung seien solche mit den Übergangszeiten verbundenen Probleme, sagen auch die spanischen Forscher. Eine wirklich relevante Gefahr sei aber nicht zu erkennen. Der kurzfristige leichte Anstieg des Risikos fĂŒr UnfĂ€lle oder Herzinfarkte zum Beispiel sei gering verglichen mit dem Einfluss zahlreicher anderer Faktoren.

Vielfach sei zudem die Methodik solcher Studien fraglich, schreibt das Forscher-Duo. Stellungnahmen und Analysen etwa von Chronobiologen oder Schlafmedizinern seien oft ausschließlich auf Nachteile fixiert und ignorierten die heute oft vergessenen positiven Aspekte eines nĂ€her am Sonnenaufgang liegenden Arbeitsbeginns. Die Risiko-Nutzen-Bilanz werde verzerrt dargestellt.

Welche Folgen hÀtte ein Verzicht auf die Zeitumstellung?

Bei der Forderung nach einem Ende der Zeitumstellung sei zudem zu bedenken, dass die Abschaffung weit schlimmere Folgen haben könnte als die Umstellung selbst: Mit der Umstellung auf die Sommerzeit gewönnen die Menschen Tageslichtstunden fĂŒr FreizeitaktivitĂ€ten, fĂŒr SpaziergĂ€nge, Sport draußen oder ein paar Stunden am Strand - was Wohlbefinden und Gesundheit fördert. «Wenn der Tag gleichmĂ€ĂŸig in Schlaf, Arbeit und Freizeit aufgeteilt ist, macht eine Stunde 12,5 Prozent der verfĂŒgbaren Freizeit aus.»

In einstigen medizinischen Stellungnahmen zur saisonalen Sommerzeit sei das dringende BedĂŒrfnis der Menschen nach mehr Licht, Luft
und Sonnenschein betont worden, heißt es in der Studie. Eine Verbesserung der Lebensbedingungen habe vielfach im Vordergrund gestanden - und nicht etwa wirtschaftliche Fragen. Die Sommerzeit in Italien zum Beispiel sei 1964 begleitet von Bemerkungen ĂŒber die psychologischen Verbesserungen eingefĂŒhrt worden.

Menschen lieben lange Sommerabende

Ein weiterer Aspekt: Schlafmediziner plĂ€dierten zwar fĂŒr eine Abschaffung der Sommerzeit, wie die Forscher ausfĂŒhren. In der Bevölkerung sei die gĂ€ngige Vorliebe aber eine andere: Viele Menschen liebten die jetzige Situation im Sommer und genössen ihre lĂ€ngere Freizeit bei Tageslicht. In Umfragen vor die Wahl zwischen dauerhafter Sommer- oder Winterzeit gestellt, setzen sie ĂŒberwiegend auf erstere.

Doch auch eine ewige Sommerzeit widerspreche der menschlichen Physiologie, erklĂ€rte Mira. Mediziner weisen darauf hin, dass Menschen das blaue Licht der Sonnenstrahlung brauchen, um wach zu werden. LehrerverbĂ€nde kritisieren, dass SchĂŒler ihren Schulweg ohne die Umstellung auf Winterzeit an wesentlich mehr Tagen im Dunklen zurĂŒcklegen mĂŒssten. Letztlich sei eine Entscheidung zwischen ewiger Sommer- oder ewiger Winterzeit so, als ob man wĂ€hlen wolle, auch im Winter Sandalen oder Stiefel selbst im Sommer zu tragen, so die Forscher.

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