Android-Betrug: KI-Apps stehlen 64,4 Millionen Euro von 21.000 Nutzern
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 22:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kriminelle nutzen KI für Millionenbetrug – Ermittler schlagen zurück.
KI-gestützte Betrugsmaschinerie in Surat zerschlagen
Die Polizei in Surat hat einen 18-jährigen Entwickler festgenommen, der mit Hilfe künstlicher Intelligenz ein Netzwerk von über 120 gefälschten Android-Apps aufgebaut haben soll. Rohit Virendra Singh Shakya, ein Schulabbrecher aus Kanpur, habe sich die Technologie per Online-Tutorials selbst beigebracht, um täuschend echte Kopien von Bank- und Regierungs-Apps zu erstellen.
Die Schadsoftware imitierte unter anderem die State Bank of India, Punjab National Bank, Axis Bank und ICICI Bank. Auch Klone von Diensten wie BigBasket, Aadhaar und Verkehrsstrafen-Portalen waren im Umlauf. Auf über 21.000 Mobilgeräten fanden die Ermittler die falschen Apps – mit verheerenden Folgen: Mehr als 54.000 betrügerische Transaktionen im Wert von umgerechnet rund 64,4 Millionen Euro wurden registriert.
Das Geschäftsmodell: ein „Malware-as-a-Service“-Abo. Shakya soll die Apps über Telegram an kriminelle Banden in Jamtara, Rajasthan und Haryana verteilt haben. Die Kosten: eine einmalige Einrichtungsgebühr plus monatlich rund 15.000 Rupien (etwa 165 Euro). Auslöser der Ermittlungen war eine Anzeige aus Surat: Ein Bürger hatte im Mai 2026 umgerechnet 55.000 Euro durch eine manipulierte App der Punjab National Bank verloren.
Google in Hyderabad unter Druck
In einer zweiten Großermittlung hat die Cyberkriminalitätsabteilung von Hyderabad den Indien-Chef von Google offiziell als Mitbeschuldigten in drei Betrugsfällen benannt. Opfer verloren insgesamt umgerechnet rund 530.000 Euro durch betrügerische Handels- und Investment-Apps.
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Der Vorwurf: Der Tech-Riese habe es versäumt, die betrügerischen Apps rechtzeitig aus seinem offiziellen App-Store zu entfernen. Google erklärte, man prüfe die Vorwürfe. Nur eine der genannten Apps sei tatsächlich im Play Store gelistet gewesen – und diese habe den Finanzdienstleistungsrichtlinien entsprochen. Das Unternehmen betonte seine Kooperation mit den Behörden.
Google hatte bereits 2025 strengere Prüfverfahren eingeführt. Eine Partnerschaft mit der indischen Börsenaufsicht SEBI sorgt seitdem für Listen geprüfter Handels-Apps. Seit März 2026 erhalten SEBI-registrierte Anbieter zudem offizielle Verifizierungsabzeichen.
Internationale Netzwerke und neue Trojaner-Gefahr
Die Dimension der mobilen Finanzkriminalität reicht weit über Indien hinaus. In Punjab zerschlug die Polizei das „Tycoon2FA“-Phishing-Netzwerk, das für über 96.000 gefälschte Banking-Apps und Phishing-Links verantwortlich sein soll. Die Bande operierte weltweit – mit Zielen in Nord- und Südamerika, Europa und Zentralasien. Vier Verdächtige sollen ins Ausland geflohen sein; Interpol hat rote Haftbefehle ausgestellt.
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Parallel dazu entdecken Sicherheitsforscher immer raffiniertere Bedrohungen. Das Analyseunternehmen Zimperium zLabs warnt vor einer neuen Kampagne des „GodFather“-Android-Trojaners. Die Schadsoftware nutzt eine Technik namens On-Device-Virtualisierung, um fast 500 legitime Finanz- und Kryptowährungs-Apps zu kapern. Der Trojaner liest in Echtzeit Zugangsdaten aus und umgeht dabei selbst moderne Sicherheitsabfragen.
Auch Singapur meldet einen Anstieg ähnlicher Fälle: Seit Januar 2025 registrierten die Behörden mindestens 32 Fälle mit Verlusten von umgerechnet rund 1,6 Millionen Euro. Die Täter lockten ihre Opfer meist über soziale Medien oder Dating-Plattformen an und leiteten sie dann auf manipulierte Apps – entweder über Drittlinks oder direkt aus offiziellen App-Stores.
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