Android-Sicherheit: NFC-Angriffe steigen um 188 Prozent
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 20:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Sicherheitslage für Android-Nutzer hat sich drastisch verschlechtert. In der ersten Jahreshälfte 2026 verzeichnen Sicherheitsforscher einen massiven Anstieg bei Fernzugriffstrojanern und NFC-Angriffen. Besonders beunruhigend: Kriminelle setzen zunehmend KI ein, um lohnende Opfer zu identifizieren.
NFC-Angriffe steigen um 188 Prozent
NFC-basierte Angriffe auf Android-Smartphones sind in den ersten vier Monaten um 188 Prozent gestiegen. Ein großer Sicherheitsdienstleister blockierte allein rund 35.600 Angriffsversuche. Besonders betroffen sind Europa, Lateinamerika und Russland. Zu den gefährlichsten Malware-Familien zählen SuperCard X, PhantomCard und NGate.
Besonders perfide: die Methode des Reverse NFC. Die Täter bringen ihre Opfer dazu, eine bösartige App als primäre Zahlungsmethode zu installieren. Statt autorisierter Zahlungen fließt das Geld direkt zu den Angreifern.
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Parallel dazu legte der Online-Betrug in deutschen Webshops um 134 Prozent zu. Die Verbreitung von Fernzugriffstrojanern stieg um 69 Prozent. Deutschland liegt mit 2,3 Millionen blockierten Fällen weltweit auf Platz drei bei Support-Betrug.
KI-Profiler sucht sich die besten Opfer
Der Trojaner Dolphin X sorgt derzeit für besondere Besorgnis. Die Schadsoftware verfügt über 329 Funktionen und extrahiert Daten aus mehr als 300 Anwendungen. Betroffen sind neun Webbrowser, über 160 Kryptowährungs-Wallets sowie diverse Passwort-Manager und Cloud-Tools.
Das Besondere: Dolphin X nutzt einen integrierten AI-Profiler. Dieser analysiert App-Nutzung, installierte Software und besuchte Domains. Für jedes infizierte Gerät wird ein Risikoscore erstellt. Die Angreifer erhalten täglich eine Rangliste der wertvollsten Ziele.
Auch die Malware RedHook macht Schlagzeilen. Die Täter geben sich als Bankmitarbeiter oder Behördenvertreter aus. Durch geschicktes Social Engineering bringen sie ihre Opfer dazu, Apps außerhalb des offiziellen Stores zu installieren. RedHook missbraucht die Android-Eingabehilfen und drahtlose Debugging-Schnittstellen für den vollen Systemzugriff. Die Software kann Bildschirminhalte streamen, Tastatureingaben aufzeichnen und die Kamera aktivieren.
Unternehmen und Krypto-Anleger im Visier
Auch Unternehmen geraten zunehmend unter Beschuss. Die Kampagne FakeAgent kompromittierte in der zweiten Julihälfte mindestens 29 Organisationen. Die Angreifer schalteten manipulierte Anzeigen in der Suchmaschine Bing, die für eine gefälschte Desktop-Version der KI-Software Claude warben. Statt der Anwendung installierten die Opfer den Trojaner SectopRAT, der Browserdaten und Kreditkarteninformationen stiehlt.
Im Kryptoumfeld ist die nordkoreanische Gruppe BlueNoroff aktiv. Zwischen Ende Mai und Mitte Juli tauchten fünf Versionen eines Phishing-Kits auf. Es nutzt gefälschte Landingpages für Zoom und Microsoft Teams. Über kompromittierte Telegram-Konten werden Führungskräfte zu vermeintlichen Meetings eingeladen. Das Kit führt ein Browser-Fingerprinting durch, um installierte Krypto-Wallets zu identifizieren.
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Behörden schlagen zurück
Trotz der düsteren Lage gibt es Erfolgsmeldungen. Das Bundeskriminalamt zerschlug in Zusammenarbeit mit dem FBI und indonesischen Behörden den Phishing-Dienst Kratos. Rund 200 Server wurden beschlagnahmt, 96.000 Phishing-Apps sichergestellt. Der Dienst hatte zuletzt rund 1.800 Kunden und wickelte bis zu 15.000 Kampagnen pro Monat ab.
Die Industrie reagiert mit beschleunigten Updates. Xiaomi veröffentlichte im Juli Sicherheitspatches für 58 Modelle. Samsung rollt seit Anfang Juli gestaffelt Patches für die Galaxy-Serien S23 bis S26 aus. Google aktualisierte die Play Services am 20. Juli auf Version 26.28.
Experten warnen vor der nächsten Eskalationsstufe. DFKI-Chef Krüger verweist auf die wachsende Gefahr durch autonome KI-Agenten. Jüngste Tests zeigten, dass KI-Modelle eigenständig Sicherheitslücken in Servern entdecken und ausnutzen können. Mittelständischen Unternehmen wird geraten, verstärkt auf konventionelle Sicherheitsarchitekturen und VPN-Lösungen zu setzen.
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