Android-Sicherheit: Vier SDKs sammeln Standortdaten ohne Zustimmung
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 17:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Untersuchungen im Bereich der mobilen Sicherheit zeigen ein erhebliches Datenschutzrisiko für Android-Nutzer auf. Berichten zufolge sammeln vier weit verbreitete Werbe-SDKs (Software Development Kits) standardmäßig Standortdaten, ohne dass die betroffenen Anwender explizit zugestimmt haben. Zu den identifizierten Plattformen gehören InMobi, BidMachine, Verve/HyBid sowie Huawei Petal Ads. Die Reichweite dieser Praxis ist enorm und betrifft Milliarden von Endgeräten weltweit.
Massive Reichweite durch Werbe-Schnittstellen
Die betroffenen SDKs sind tief in das Ökosystem mobiler Anwendungen integriert. Das SDK von InMobi erreicht Schätzungen zufolge rund 2 Milliarden Nutzer in mehr als 150 Ländern. Ähnlich umfangreich ist die Präsenz von Verve/HyBid, das in über 10.000 Apps implementiert ist und damit etwa 1,5 Milliarden Nutzer erreicht. Huawei Petal Ads ist sogar in mehr als 85.000 Anwendungen integriert und deckt damit einen signifikanten Teil des App-Marktes ab.
Besonders detaillierte Erkenntnisse liegen für das SDK von BidMachine vor, das von rund 600 Millionen direkten Nutzern verwendet wird. In diesem Zusammenhang wurden spezifische Anwendungen identifiziert, die über das SDK Standortdaten übermittelten. Dazu gehören die App "QR Scanner" mit mehr als 50 Millionen Downloads sowie "GPS Speedometer", die über 10 Millionen Mal heruntergeladen wurde. In beiden Fällen wurden GPS-Koordinaten der Nutzer übertragen.
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Unwissentliche Datenweitergabe an staatliche Stellen
Ein zentraler Aspekt der Problematik liegt in der Intransparenz der Datenflüsse. Die gesammelten Standortinformationen werden laut vorliegenden Informationen an Datenbroker weitergeleitet. Diese Unternehmen fungieren als Zwischenhändler und verkaufen die aggregierten Datensätze unter anderem an Regierungen.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass die Verantwortung für diese Datenweitergabe oft unklar ist. Viele App-Entwickler teilen möglicherweise unwissentlich Standortdaten ihrer Nutzer, da die SDKs die Informationen im Hintergrund sammeln, ohne dass hierfür eine explizite Zustimmung innerhalb der App eingeholt wird. Bisher konnten noch nicht alle betroffenen Anwendungen und SDK-Varianten vollständig identifiziert werden. Angesichts dieser Datenschutzrisiken mahnen Experten zur gesteigerten Vorsicht beim Umgang mit App-Berechtigungen.
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Empfehlungen für Android-Nutzer
Um die eigene Privatsphäre besser zu schützen, raten IT-Sicherheitsexperten Android-Nutzern zu einer systematischen Prüfung ihrer installierten Anwendungen. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Berechtigungen für den Standortzugriff, das Mikrofon, die Kamera, die Kontakte sowie die Barrierefreiheitsfunktionen.
Fachleute empfehlen, den Standortzugriff grundsätzlich nur dann zu erlauben, wenn die jeweilige App aktiv genutzt wird. Anwendungen, die nicht mehr regelmäßig benötigt werden, sollten konsequent deinstalliert werden, um potenzielle Datenabflüsse im Hintergrund zu minimieren. Zudem ist eine regelmäßige Überprüfung der Sicherheitseinstellungen im verknüpften Google-Konto ratsam, um die Kontrolle über die freigegebenen Daten zu behalten.
