Angeborene Herzfehler: Mehr als 200.000 Erwachsene ohne Fachnachsorge
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei der langfristigen medizinischen Begleitung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern kommt der primĂ€rĂ€rztlichen Versorgung eine entscheidende Rolle zu. Durch eine verstĂ€rkte Vernetzung mit spezialisierten Zentren ĂŒbernehmen HausĂ€rztinnen und HausĂ€rzte eine zentrale Lotsenfunktion, um Betroffene dauerhaft in einer qualifizierten Nachsorge zu halten.
Hintergrund dieser BemĂŒhungen sind erhebliche VersorgungslĂŒcken im Erwachsenenalter, obwohl die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten im Kindesalter historisch gewachsen sind.
Wachsende Patientengruppe im Erwachsenenalter
In Deutschland kommen jĂ€hrlich 7.500â8.700 Kinder mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Dank fortschrittlicher Therapiemöglichkeiten erreichen inzwischen mehr als 95% der Betroffenen das Erwachsenenalter.
Infolge dieses medizinischen Fortschritts leben nach Erhebungen von Dellas und Sigler im Deutschen Ărzteblatt aus dem Jahr 2025 mittlerweile mehr als 350.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) im Bundesgebiet. Diese Gruppe verzeichnet einen kontinuierlichen jĂ€hrlichen Zuwachs von 5.000â7.000 Personen.
Mit dem Ăbergang von der pĂ€diatrischen Betreuung in die Erwachsenenmedizin reiĂt der Faden einer strukturierten Weiterbehandlung jedoch hĂ€ufig ab. Nach vorliegenden Daten befinden sich mehr als 200.000 dieser Patienten auĂerhalb einer spezialisierten Nachsorge und gelten als aus der medizinischen Ăberwachung herausgefallen.
Hohe Risiken durch fehlende Fachkontrollen
Dass viele Betroffene unzureichend versorgt sind, belegt unter anderem eine Untersuchung von Diller und Kollegen im European Heart Journal aus dem Jahr 2021. Die Auswertung von Krankenkassendaten von mehr als 24.000 Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler zeigte, dass weniger als 50% von ihnen regelmĂ€Ăigen Kontakt zu einer kardiologischen Betreuung haben.
In Ihrer Praxis landen die meisten EMAH-Patienten zuerst â rund 80% suchen HausĂ€rztinnen und HausĂ€rzte wegen kardialer oder nicht-kardialer Probleme auf. Genau hier entscheidet sich, ob der Faden zur Fachnachsorge hĂ€lt. Der kostenlose Praxisleitfaden zeigt Ihnen in drei Schritten, wie Sie Betroffene erkennen, den Ăbergang begleiten und an ein zertifiziertes Zentrum anbinden. Kostenlosen Praxisleitfaden jetzt anfordern
Dabei ist eine kontinuierliche kardiologische Betreuung fĂŒr diese Patientengruppe von grundlegender Bedeutung. Die Daten belegen, dass eine regelmĂ€Ăige fachĂ€rztliche Begleitung mit einem niedrigeren Risiko fĂŒr schwere klinische Ereignisse und vorzeitigen Tod assoziiert ist. Viele Patienten wiegen sich nach erfolgreichen Operationen im Kindesalter fĂ€lschlicherweise in Sicherheit, obwohl lebenslange Kontrollen erforderlich bleiben.
Hausarztpraxen als entscheidende Schnittstelle
Da die direkte Anbindung an spezialisierte EMAH-Zentren oft fehlt, wird die hausÀrztliche Praxis zum wichtigsten Anlaufpunkt. Wie eine Untersuchung von Kaemmerer und Kollegen im Fachjournal Der Internist aus dem Jahr 2022 auf Basis von Angaben von rund 1.000 HausÀrzten und rund 4.500 Patienten verdeutlicht, suchen rund 80% der Betroffenen HausÀrztinnen und HausÀrzte wegen nicht-kardialer oder kardialer Probleme auf.
Mehr als 200.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler stehen auĂerhalb jeder spezialisierten Nachsorge â und viele wiegen sich nach erfolgreicher Kinder-OP fĂ€lschlich in Sicherheit. Wer lebenslange Kontrollen nicht aktiv anspricht, verliert diese Patienten. Die Checkliste Ăbergang PĂ€diatrieâErwachsenenmedizin plus Zentren-Adressen geben Ihnen einen klaren Fahrplan an die Hand. Checkliste Ăbergang jetzt abrufen
Die primÀrÀrztliche Versorgung bildet somit die zentrale Schnittstelle, um Patienten mit angeborenen Fehlbildungen zu identifizieren und den Kontakt zu zertifizierten Spezialisten herzustellen.
Flankierend dazu engagieren sich Patientenorganisationen: Die Deutsche Herzstiftung fĂŒhrt hierzu die AufklĂ€rungskampagne âCheckst Du?â, die unter der Webadresse emah-check.de Informationen fĂŒr Betroffene und Behandelnde bĂŒndelt, um die Nachsorgequoten nachhaltig zu steigern.
