KinderÀrzte warnen vor sozialen Netzwerken
29.07.2023 - 17:35:27"Eltern mĂŒssen dem Medien- und Internetkonsum klare Grenzen setzen", sagte der PrĂ€sident des Berufsverbandes der Kinder- und JugendĂ€rzte (BVKJ) der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung" (NOZ). "Auf Tiktok, Instagram oder YouTube wird teils ein Schlankheitswahn zelebriert, nach dem die Teenager streben sollen, und wer nicht mitmacht, ist raus. Da tummeln sich sogenannte Influencer, die zahllose ungefestigte junge Menschen negativ beeinflussen."
Auch dadurch seien die Lebensbedingungen fĂŒr Heranwachsende viel komplizierter geworden. "Und viele macht das psychisch krank, das sehen wir in unseren Praxen ganz deutlich." Anlass der ĂuĂerungen sind Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach zehn Prozent aller MinderjĂ€hrigen unter psychischen Problemen leiden und der Anteil in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. "Dass es so schlecht steht um die seelische Gesundheit unserer Jugend, ist hart, weil sie die Zukunft sind", sagte Fischbach. Die extensive Mediennutzung sei eine der Ursachen. "Wenn ich beobachte, dass schon Kleinkinder Tablets in die Hand bekommen und ohne ihre Spiele und Comic-Serien nicht essen wollen, stehen mir die Haare zu Berge", sagte der BVKJ-PrĂ€sident. "Ein Smartphone schon fĂŒr NeunjĂ€hrige ist definitiv zu frĂŒh. Vor einem Alter von zwölf Jahren sollten Kinder kein internetfĂ€higes Handy haben." Auch wenn man Kinder nicht in eine Glasglocke stecken und von allem fernhalten solle, sei die "Gefahr der VerfĂŒhrung" allen technischen Kontrollmöglichkeiten zum Trotz sehr groĂ, erklĂ€rte Fischbach seinen Aufruf: "Eltern dĂŒrfen sich nicht aus Bequemlichkeit davor drĂŒcken, Grenzen zu setzen. Ein wenig Standhaftigkeit sind Eltern ihren Kindern schuldig. Die reale Welt wird fĂŒr eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen immer wichtiger bleiben als die virtuelle." Auch die Politik nahm Fischbach in die Pflicht. So habe die Isolation in der Corona-Pandemie die jungen Menschen auf sich selbst zurĂŒckgeworfen und die psychischen Belastungen verschlimmert, nun werde ihnen aber nicht ausreichend geholfen. Einer der AuftrĂ€ge der interministeriellen Arbeitsgruppe zum Umgang mit den Corona-Folgen sei es, Brennpunktschulen mit mehr Mental Health Coaches auszustatten. "Aber dafĂŒr gibt es nicht genug Mittel, jedenfalls nur ein Viertel dessen, was die NiederlĂ€nder dafĂŒr aufbringen", sagte er. Dass sich der Staat einen "schlanken FuĂ" mache, wenn es um die Finanzierung und konkrete Umsetzung solcher Programme geht, sei aus Sicht der Kinder- und JugendĂ€rzte ein groĂer Fehler.
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH


