Angststörungen bei jungen Menschen: Jeder Vierte ist bis zum Erwachsenenalter betroffen
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deBeim Umgang mit anhaltenden Sorgen und krisenhaften Phasen erweist sich ein aktives Auseinandersetzen als zentraler Faktor für die psychische Stabilität.
Wie die Psychotherapeutin Angelika Gmehling aus Backnang laut einem Bericht vom 20. Oktober 2026 erläutert, verschaffe das Verdrängen von Ängsten zwar kurzfristige Erleichterung, verstärke die Problematik auf lange Sicht jedoch deutlich.
Die gezielte Konfrontation gelte in der psychotherapeutischen Praxis derzeit als die am häufigsten angewandte und zugleich effektivste Methode, um Ängste nachhaltig abzubauen.
Praktische Ansätze zur Entlastung im Alltag
Um die innere Anspannung zu regulieren, empfiehlt Gmehling unter anderem, den täglichen Nachrichtenkonsum auf ein einziges Mal zu begrenzen. Gestützt auf Befunde aus der Hirnforschung, unter anderem von Klaus Grawe und Gerald Hüther, verweist sie darauf, dass bereits der flüchtige Anblick verängstigter Gesichter in der Amygdala ein unmittelbares Bedrohungsgefühl aktivieren könne.
Neben dem bewussten Umgang mit Medien seien feste Tagesstrukturen, ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus sowie regelmäßige Bewegung, Achtsamkeit und Dankbarkeit wirksame Mittel zur Stabilisierung.
Eltern rät die Expertin dazu, offen mit eigenen Verunsicherungen umzugehen und ihren Kindern aktive Lösungsstrategien vorzuleben. Bei familiären Eskalationen und häuslicher Gewalt verweist sie auf telefonische Beratungsangebote über Gewaltschutz- und Kinderschutzzentren wie DAJEB oder die Caritas.
Für Menschen mit Suchtgefährdung seien ein klarer Abstinenzwille, das Entfernen von Suchtmitteln aus dem direkten Umfeld sowie die Anbindung an Selbsthilfegruppen maßgeblich.
Biologische Schutzfunktionen und emotionale Prozesse
Dass Furcht eine überlebenswichtige Funktion erfüllt, unterstreicht Dr. José Marie Koussemou, Chefarzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Klinikum Heidenheim, in einem Bericht vom 20. Oktober 2026. Menschen überprüften ihre Umgebung fortlaufend intuitiv auf Sicherheit.
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Unübersichtliche, verlassene oder dunkle Umgebungen erschwerten diese Risikobewertung, woraufhin das Gehirn in einen Warnmodus schalte. Dieser biologische Mechanismus schärfe die Sinne und fördere vorsichtiges Verhalten. Nach Vorfällen wie Belästigungen, Bedrohungen oder Übergriffen könne die Furcht jedoch das Alltagsleben dauerhaft prägen und zu einer längerfristigen psychischen Belastung werden.
Auf die Komplexität dieser Reaktionen weist auch die Emotionsforscherin Iris Mauss von der University of California in Berkeley hin. Emotionen bestünden aus drei Ebenen – dem subjektiven Empfinden, körperlichen Reaktionen und dem Verhalten –, die häufig nicht deckungsgleich verliefen.
In einem Laborexperiment mit sozial ängstlichen Personen vor einer Rede habe sich zwar eine ausgeprägte subjektive Angst gezeigt, während die objektiv gemessenen physiologischen Parameter sich nicht von unauffälligen Personen unterschieden hätten.
Mauss legt dar, dass negative Emotionen notwendig seien, um Probleme zu identifizieren und Handlungen anzustoßen; Akzeptanz statt Vermeidung bilde daher das Fundament therapeutischer Konzepte wie der Akzeptanz-und-Commitment-Therapie.
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Der Psychologe Juan Lucas Martín merkt zudem an, dass das Gehirn kaum zwischen real Erlebtem und lebhaft Vorgestelltem unterscheide. Er rät dazu, Schuldfragen zu hinterfragen und den Blick nach vorne zu richten, betont jedoch zugleich, dass ergänzende Visualisierungs- oder Entspannungstechniken eine spezialisierte Traumatherapie nicht ersetzen.
Frühe Interventionen bei verfestigten Ängsten
Wie stark die Thematik auch junge Generationen betrifft, zeigt die Fernsehdokumentation „Terra Xplore“, wonach jeder vierte Mensch bis zum jungen Erwachsenenalter eine Angststörung entwickelt. Die Kinder- und Jugendpsychologin Prof. Julia Asbrand hebt in dem Beitrag hervor, dass das Jugendalter besonders anfällig für Vermeidungsverhalten sei, welches Ängste zusätzlich verstärke.
Umso bedeutender sei frühzeitige Unterstützung. Neurobiologin Prof. Stephanie Kandsperger ordnet Angststörungen dabei als gut behandelbare Erkrankungen ein, die keinesfalls als persönliche Schwäche missverstanden werden dürften.
Wenn Sorgen über längere Zeit anhalten oder Lebensbereiche wie Ausbildung, Beruf, Schlaf und Beziehungen beeinträchtigen, raten Fachkreise zur professionellen Abklärung durch Fachärzte oder psychotherapeutische Praxen.
