Anorexie-Forschung, Darmbakterien

Anorexie-Forschung: Darmbakterien chronisch Erkrankter steigern MÀuse-AktivitÀt

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 18:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Übertragene Darmbakterien beeinflussten Nahrungsaufnahme und Bewegung bei MĂ€usen; die Ergebnisse sprechen fĂŒr eine mögliche Rolle bei der Chronifizierung.
Mikroskopische Aufnahme einer bakteriellen Kultur in einer Laborschale, die die KomplexitÀt des Mikrobioms darstellt. Illustration mit AI erstellt.

Forschende des Mikrobiologischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik haben neue Belege fĂŒr die Rolle der Darm-Hirn-Achse bei Essstörungen vorgelegt. Eine Forschungsgruppe um Leitautorin Radka RoubalovĂĄ und Co-Autorin Petra ProchĂĄzkovĂĄ untersuchte die Auswirkungen von Darmbakterien betroffener Patientinnen auf das Verhalten von MĂ€usen.

Die im Fachjournal npj Biofilms and Microbiomes veröffentlichte Arbeit deutet darauf hin, dass VerĂ€nderungen in der mikrobiellen Besiedlung des Darms zwar vermutlich nicht der ursprĂŒngliche Auslöser einer Magersucht sind, jedoch wesentliche Verhaltensmuster verstĂ€rken und den Zustand chronifizieren können.

Deutliche VerhaltensÀnderungen im Tiermodell

Im Rahmen der Untersuchung ĂŒbertrugen die Wissenschaftlerinnen das Darmmikrobiom von Patientinnen mit Anorexia nervosa auf MĂ€use. Dabei zeigten sich je nach Krankheitsstadium der Spenderinnen unterschiedliche Effekte auf die Versuchstiere. Das Mikrobiom von akut erkrankten Patientinnen fĂŒhrte bei den Tieren zu einer verringerten Nahrungsaufnahme und dĂ€mpfte die typischen physiologischen Hungersignale.

Wurde den MĂ€usen hingegen das Mikrobiom von chronisch erkrankten Patientinnen mit schwerer und lang andauernder Anorexie ĂŒbertragen, ließ sich ein drastischer Anstieg der körperlichen BewegungsaktivitĂ€t beobachten. Diese motorische Unruhe spiegelt den bei fortgeschrittenen Essstörungen hĂ€ufig auftretenden Zwang zu ĂŒbermĂ€ĂŸiger Bewegung wider.

Begleitend stellten die Forscherinnen fest, dass bei MĂ€usen mit anorektischem Verhalten die Konzentration des Neurotransmitters GABA im Organismus deutlich abgesunken war.

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Mikrobielle VerÀnderungen als Treiber der Chronifizierung

Die Autorinnen folgern aus ihren Daten, dass die Verschiebung der bakteriellen Zusammensetzung im Verdauungstrakt vor allem im Laufe der Erkrankung entsteht. Durch die mangelhafte NĂ€hrstoffzufuhr verarmt das Mikrobiom, was in der Folge neurobiologische Regelkreise destabilisiert.

Anstatt lediglich ein Begleitsymptom zu sein, kann das verÀnderte Mikrobiom somit zu einem biologischen Treiber werden, der die Symptome verstetigt und eine Erholung erschwert.

Aufgrund dieser Wechselwirkung regen die Forscherinnen an, die gezielte Wiederherstellung eines ausgewogenen Mikrobioms kĂŒnftig stĂ€rker als festen Bestandteil in ganzheitliche Therapiekonzepte einzubinden, um eine langfristige Genesung zu unterstĂŒtzen.

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Einordnung in die Erforschung der Darm-Hirn-Achse

Die Ergebnisse fĂŒgen sich in ein wachsendes Forschungsfeld ein, das die Kommunikation zwischen Darm und zentralem Nervensystem beleuchtet. Signale aus der mikrobiellen Flora gelangen unter anderem ĂŒber den Vagusnerv in Hirnregionen, die fĂŒr die Regulation von Emotionen, Appetit und Verhalten zustĂ€ndig sind.

Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass der Einfluss von Bakterien auf psychische Erkrankungen komplex ist. WÀhrend Studien immer wieder Unterschiede in der mikrobiellen Zusammensetzung bei psychischen Belastungen feststellen, existiert bislang kein eindeutiger mikrobieller Marker, und die genaue KausalitÀt bedarf weiterer klinischer Untersuchungen.

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