Anthropic, AWS

Anthropic: AWS, Google und Microsoft können den Rechenbedarf kaum decken

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 12:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anthropic meldet hohe Rechenkosten und Verluste; ein Börsengang mit möglicher Bewertung von bis zu zwei Billionen US-Dollar wird vorbereitet.
Ein weitläufiges, modernes Umspannwerk bei Dämmerung mit Hochspannungstransformatoren und Strommasten unter einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Laut einem Bericht des Wall Street Journal vom 20. Oktober 2026, das Einblick in einen durchgesickerten Entwurf des Börsenprospekts (Formular S-1) erhielt, sieht sich der KI-Entwickler Anthropic mit erheblichen Engpässen bei der Sicherung von Rechenkapazitäten konfrontiert.

Das Unternehmen habe zunehmend Schwierigkeiten, bei seinen primären Cloud-Partnern Amazon Web Services (AWS), Google und Microsoft ausreichend Rechenleistung zu sichern, um die stark wachsende Nachfrage nach den Claude-Modellen zu bedienen. Grund dafür sei auch eine veränderte Wettbewerbslage: Die drei Technologiekonzerne betrachten Anthropic demnach immer stärker als direkten Konkurrenten.

Verpflichtungen von über 600 Milliarden US-Dollar

Die Sicherung der nötigen Infrastruktur bindet bereits enorme finanzielle Mittel. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Anthropic langfristige Cloud-Verträge über rund 450 Milliarden US-Dollar mit Laufzeiten von sieben bis zehn Jahren eingegangen ist, die überwiegend als nicht kündbar eingestuft sind.

Dazu zählen Vereinbarungen in Höhe von 111 Milliarden US-Dollar mit Google Cloud, 110 Milliarden US-Dollar mit AWS sowie 31 Milliarden US-Dollar mit Microsoft.

Zusammen mit Verpflichtungen von über 160 Milliarden US-Dollar für Google-Prozessoren über Broadcom übersteigen die gesamten vertraglichen Zusagen bereits 600 Milliarden US-Dollar. Einschließlich laufender Verhandlungen über zusätzliche Rechenkapazitäten im Umfang von rund 150 Milliarden US-Dollar könnten die Ausgaben in den kommenden Jahren bis zu 750 Milliarden US-Dollar erreichen.

Hohe Verluste durch rasant steigende Rechenkosten

Die Ausgaben für Infrastruktur belasten die Bilanz massiv. Im ersten Halbjahr 2026, das die sechs Monate bis zum 30. Juni umfasst, stieg der Umsatz von Anthropic zwar von 1,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum auf 16,3 Milliarden US-Dollar.

Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen jedoch einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden US-Dollar, nach 13 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2025. Davon entfielen rund 72 Milliarden US-Dollar auf nicht zahlungswirksame Bewertungsaufwendungen aus Wandelanleihen.

Allein die Rechenkosten summierten sich in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 auf fast 9 Milliarden US-Dollar. Damit übertrafen sie bereits die Ausgaben des gesamten Jahres 2025 von 7,3 Milliarden US-Dollar sowie den Vorjahreswert des ersten Halbjahres von 2,3 Milliarden US-Dollar deutlich.

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Risiken bei alternativen Betreibern und Kundenschwerpunkten

Um den Mangel bei den großen Cloud-Anbietern auszugleichen, weicht Anthropic auf externe Rechenzentren und alternative Neocloud-Betreiber aus. So verhandelt das Unternehmen laut einem Bericht vom 20. Oktober 2026 unter anderem mit dem britischen Anbieter Nscale über ein zweites 460-Megawatt-Rechenzentrum in West Virginia mit einem Volumen von rund 45 Milliarden US-Dollar.

Im Prospektentwurf warnt Anthropic jedoch explizit vor den Risiken solcher Partnerships: Die begrenzte Betriebserfahrung externer Betreiber berge im Vergleich zu den etablierten Cloud-Konzernen die Gefahr von Unzuverlässigkeiten.

Als weiteres operatives Risiko nennt der Entwurf eine starke Kundenkonzentration, da rund ein Fünftel des Halbjahresumsatzes 2026 auf lediglich zwei Kunden entfiel. Weitere Risikofaktoren umfassen potenzielle Haftungen bei Sicherheitsvorfällen, die den Versicherungsschutz übersteigen könnten, sowie politischen Widerstand gegen Rechenzentren in den USA.

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Börsengang zur Deckung des enormen Kapitalbedarfs

Angesichts dieser Summen bereitet Anthropic einen Börsengang vor, der mit bis zu 2 Billionen US-Dollar bewertet werden könnte. Öffentliche Unterlagen für den Börsengang werden in den kommenden Wochen erwartet. Nach Einschätzung von Investoren ist dieser Schritt für das Unternehmen alternativlos, da Anthropic für eine rein private Finanzierung inzwischen schlicht zu groß geworden sei.

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