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Anthropic baut eigene Chips: Claude-Inferenz soll um 50% billiger werden

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anthropic entwickelt eigene Halbleiter, um Inferenzkosten zu halbieren. Parallel investiert der Konzern Milliarden in Rechenzentren und plant offenbar den Börsengang.

Anthropic plant eigene KI-Chips: Milliarden für neue Hardware-Strategie
Nahaufnahme eines Hightech-Halbleiterwafers auf einer dunklen Ingenieurwerkbank, die KI-Hardwareentwicklung darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der KI-Konzern Anthropic will die Kosten für den Betrieb seiner Claude-Modelle drastisch senken – mit selbst entwickelten Halbleitern. Das könnte den Wettbewerb in der Branche neu ordnen.

Künstliche Intelligenz ist teuer – vor allem im Betrieb. Der US-Konzern Anthropic, Entwickler der KI-Modelle Claude, will genau diese Kosten nun massiv senken. Am 5. August bestätigte das Unternehmen die Gründung eines internen Chip-Design-Teams. Ziel: maßgeschneiderte Halbleiter, die die Kosten für sogenannte Inferenz – also die Berechnung von KI-Antworten – um rund die Hälfte reduzieren sollen.

Eigene Chips: Die Strategie hinter dem Umbau

Das neu formierte „Custom Silicon Team" steht unter der Leitung von Clive Chan, einem ehemaligen OpenAI-Mitarbeiter. Die Idee dahinter: Statt Standard-Chips von der Stange zu kaufen, will Anthropic die Hardware exakt auf die Bedürfnisse der Claude-Modelle zuschneiden. Durch diese enge Verzahnung von Hard- und Software verspricht sich das Unternehmen deutliche Effizienzgewinne.

Doch der Weg dorthin ist steinig. Branchenkenner schätzen die Entwicklungskosten für das Chip-Programm auf umgerechnet rund 450 Millionen Euro. Eine Investition, die sich lohnen könnte – schließlich geben KI-Anbieter Milliarden für Rechenkapazität aus.

Trotz der Hinwendung zu eigener Hardware betont Anthropic, an einer Multi-Chip-Strategie festzuhalten. Die Partnerschaften mit den großen Anbietern wie Nvidia, AMD, Google und Amazon Web Services sollen bestehen bleiben, um den enormen Rechenbedarf zu decken.

Milliarden-Deals und ein Wettlauf um Talente

Parallel zur Chip-Entwicklung baut Anthropic seine Infrastruktur massiv aus. Ein am 5. August bekannt gewordener Vertrag sieht ein Rechenzentrums-Projekt in Norwegen vor: Über sechs Jahre investiert das Unternehmen umgerechnet rund 9,2 Milliarden Euro in einen Standort mit 133 Megawatt Leistung, ausgestattet mit Nvidia-Vera-Rubin-Systemen. Partner ist das Londoner Start-up Volta Infra, das erst kürzlich aus der Deckung trat und mit umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro bewertet wird. Zu den Investoren zählen Nvidia und Andreessen Horowitz.

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Doch die Ambitionen gehen noch weiter. Wie aus Finanzkreisen verlautet, führt der Finanzinvestor Blackstone Gespräche über ein Kreditpaket von mindestens 33 Milliarden Euro – zur Finanzierung von Anthropics Nutzung Google-eigener Chips. Der Konzern hat zudem Berichten zufolge vertrauliche Unterlagen für einen Börsengang eingereicht.

Für die neue Chip-Abteilung sucht Anthropic derweil händeringend Spezialisten. Ingenieure mit Erfahrung in der Halbleiter-Entwicklung können mit Jahresgehältern zwischen 290.000 und 440.000 Euro rechnen. Ein klares Signal, wie ernst es dem Unternehmen mit dem Vorhaben ist.

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Der Branchentrend: Alle wollen eigene Chips

Anthropic ist mit dieser Strategie nicht allein. Der Schritt spiegelt einen breiteren Trend in der KI-Branche wider: Immer mehr Labore wollen ihre Abhängigkeit von Drittanbietern verringern und die explodierenden Betriebskosten in den Griff bekommen.

OpenAI arbeitet eigenen Angaben zufolge mit Broadcom am Projekt „Jalapeño", Meta treibt die Produktion seiner „Iris"- und MTIA-Chips voran. Selbst das französische Start-up Mistral prüft offenbar die Entwicklung interner Hardware-Lösungen. Der Wettlauf um die Chip-Souveränität hat längst begonnen – und dürfte die Kostenstruktur der gesamten Branche in den kommenden Jahren grundlegend verändern.

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