Anthropic, Fehler

Anthropic behebt schwerwiegende Fehler bei Claude Code

15.05.2026 - 04:06:30 | boerse-global.de

Anthropic stabilisiert Claude Code nach sechswöchigen Qualitätsproblemen und kündigt ein neues Guthabensystem für Entwickler an.

Anthropic behebt schwerwiegende Fehler bei Claude Code - Foto: über boerse-global.de
Anthropic behebt schwerwiegende Fehler bei Claude Code - Foto: über boerse-global.de

Der KI-Entwickler hat nach wochenlangen Qualitätsproblemen die Performance seines Flaggschiff-Tools stabilisiert – und bereitet einen radikalen Preiseinschnitt vor.

San Francisco – Sechs Wochen lang kämpfte Anthropic mit technischen Problemen, die die Qualität des KI-Assistenten Claude Code erheblich beeinträchtigten. Das Unternehmen veröffentlichte nun eine detaillierte Fehleranalyse und identifizierte drei Änderungen, die unbeabsichtigt zu Leistungseinbußen führten. Mit der aktuellen Version 2.1.136 sollen die Probleme behoben sein – während sich der Konzern gleichzeitig auf eine grundlegende Umstellung seines Abomodells und den Einstieg in spezialisierte Branchenmärkte vorbereitet.

Drei Fehler, sechs Wochen Frust

Die Performance-Probleme begannen am 4. März. Damals senkte Anthropic die Denkfähigkeit des Modells von einer hohen auf eine mittlere Stufe – eine Änderung, die erst am 7. April rückgängig gemacht wurde. „Das war der erste von drei Fehlern", räumt das Unternehmen in seinem internen Review ein.

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Am 26. März kam ein schwerwiegender Cache-Fehler hinzu: Das System löschte bei jeder neuen Interaktion den gesamten Gedächtnisverlauf des Modells. Bei komplexen Programmieraufgaben musste die KI ihren Denkprozess dadurch ständig von vorne beginnen. Erst am 10. April gelang es den Technikern, diesen Bug vollständig zu beheben.

Der dritte Fehler folgte am 16. April: Ein Längenlimit in der Systemanweisung begrenzte Antworten auf 25 Wörter zwischen Tool-Aufrufen und 100 Wörter für finale Ausgaben. Die Folge: ein Qualitätsverlust von drei Prozent. Das Limit wurde am 20. April entfernt.

Mit der Version 2.1.136, die am 14. Mai erschien, führte Anthropic zudem einen Fast Mode ein, der auf dem Modell Opus 4.7 basiert. Wichtige Fehlerbehebungen betreffen macOS-Schlafzyklen, Windows-Abstürze und verbesserte Timeout-Behandlungen beim Model Context Protocol (MCP).

Abo-Revolution: Schluss mit Flatrate für Automatisierung

Ab dem 15. Juni 2026 führt Anthropic ein separates monatliches Guthabensystem für die programmatische Nutzung von Claude ein. Das neue „Metered"-Modell betrifft das Agent SDK, GitHub Actions und Drittanbieter-Tools wie OpenClaw. Bisherige Flatrate-Zugänge für Automatisierungsentwickler fallen weg.

Die neuen Konditionen im Überblick:
- Pro-Abonnenten: 20 Euro Guthaben monatlich
- Advanced Team: bis zu 100 Euro
- Advanced Enterprise: bis zu 200 Euro

Wer diese Kontingente überschreitet, zahlt zu den regulären API-Preisen. Branchenanalysten sehen darin einen notwendigen Schritt zur Bewältigung der Rechenkapazitätsknappheit – Entwickler kritisieren die versteckte Preiserhöhung.

Parallel dazu führte Anthropic am 14. Mai die Funktion „/goals" ein. Sie trennt die Ausführung einer Aufgabe von ihrer Bewertung. Ein spezialisiertes Prüfmodell (Haiku-Version) kontrolliert nach jedem Schritt, ob das Ziel erreicht wurde. Das reduziert die Abhängigkeit von externen Überwachungsprogrammen.

Expansion in neue Märkte

Mitte Mai startete Anthropic „Claude for Small Business" – eine Initiative mit 15 vorgefertigten Arbeitsabläufen und „Skills" für Plattformen wie QuickBooks, PayPal, HubSpot, Canva und DocuSign. Die Schnittstellen zu Google Workspace und Microsoft 365 zielen auf Kernfunktionen in Finanzen, Marketing und Personalwesen ab.

Parallel dazu erobert das Unternehmen den Rechtsmarkt: 20 neue MCP-Verbindungen für Branchenstandards wie Westlaw, CoCounsel und Harvey sowie 12 spezialisierte Plugins für verschiedene Anwaltsrollen. Ein kürzlich abgehaltenes Webinar für Juristen verzeichnete 20.000 Anmeldungen – ein deutliches Zeichen für die Nachfrage.

Die Expansion wird durch massive Investitionen in die Infrastruktur gestützt. Anthropic hat das SpaceX Colossus 1 Rechenzentrum angemietet – eine 300-Megawatt-Anlage mit über 220.000 NVIDIA-Grafikprozessoren. Diese Kapazität soll die steigenden Rechenanforderungen agentischer KI decken.

Wettbewerber unter Druck

Während Anthropic Transparenz und technische Stabilität in den Vordergrund stellt, kämpft der Hauptkonkurrent OpenAI mit rechtlichen und sicherheitstechnischen Problemen. Am 14. Mai wurde eine Sammelklage in den USA eingereicht, die OpenAI vorwirft, Nutzerdaten – darunter Chat-Inhalte und E-Mail-Adressen – ohne Einwilligung über Tracking-Pixel an Google und Meta weitergegeben zu haben.

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Zudem muss sich OpenAI nach dem tragischen Tod eines 19-jährigen Studenten in Kalifornien verteidigen. Die Klage behauptet, die KI habe gefährliche Dosierungsempfehlungen für Medikamente gegeben. Als Reaktion führte OpenAI am 14. Mai „Safety Summaries" ein und meldet eine 50-prozentige Verbesserung bei der Erkennung von Signalen für Selbstverletzung.

Regulierung als Treiber

Die europäische Regulierung zeichnet sich ab: Am 8. Mai veröffentlichte die EU-Kommission Entwürfe für den AI Act, der ab August 2026 strenge Transparenzanforderungen vorsieht. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des globalen Jahresumsatzes. Anthropics jüngste Offenheit bei der Fehleranalyse und die Einführung von „Human-in-the-Loop"-Arbeitsabläufen könnten als vorbereitende Maßnahmen für dieses strengere regulatorische Umfeld verstanden werden.

Ausblick: Vom Modellanbieter zur Plattform

Der 15. Juni wird zum Lackmustest: Sind Unternehmen bereit, für hochwertige autonome KI-Agenten zu zahlen? Halten die jüngsten Leistungsverbesserungen, könnte Anthropic mit seinen spezialisierten Lösungen für Rechts- und Kleinunternehmensmärkte wertvolle Firmenkundenverträge gewinnen.

Die Herausforderungen bleiben jedoch groß. Umfragen zeigen, dass Datensicherheit für rund 50 Prozent der kleinen Unternehmen das größte Hindernis für die KI-Einführung darstellt. Während Anthropic seine massiven neuen Rechenressourcen im Colossus-1-Rechenzentrum in Betrieb nimmt, wird sich der Fokus von der reinen Rechenleistung hin zur Steuerung und Zuverlässigkeit der darauf laufenden KI-Agenten verschieben. Die „Claude for Small Business"-Tour, die am 14. Mai in Chicago begann, wird zeigen, ob die neue Strategie bei nicht-technischen Anwendern verfängt.

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