Anthropic: Gründer wollen sich 50,1 Prozent der Stimmrechte sichern
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 03:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Technologieunternehmen Anthropic hat seine Aktionäre um Zustimmung zu einer weitreichenden Umgestaltung der internen Stimmrechtsstruktur gebeten. Das Ziel der Neuregelung ist es, CEO Dario Amodei und seinen sechs Mitgründern eine dauerhafte Mehrheit von 50,1 Prozent der Stimmrechte zuzuweisen. Damit strebt das auf künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmen eine Struktur an, die das wirtschaftliche Interesse von der strategischen Stimmkontrolle trennt.
Sicherung der Gründerkontrolle nach Vorbild der Branche
Die vorgeschlagene Struktur folgt Modellen, wie sie bereits bei Unternehmen wie Palantir implementiert wurden. Die Zuweisung der 50,1 Prozent der Stimmrechte an die Gründergruppe soll an die Bedingung geknüpft sein, dass mindestens drei der sieben Gründungsmitglieder weiterhin einen definierten Mindestanteil an Aktien halten. Derzeit hält jeder der beteiligten Gründer einen Anteil von rund 2 Prozent am Unternehmen.
Ein wesentliches Merkmal der geplanten Neuerung ist, dass die hierfür vorgesehenen Sonderaktien keinen zusätzlichen wirtschaftlichen Wert für die Inhaber generieren. Sie dienen ausschließlich der Festigung der Entscheidungsgewalt über die meisten Unternehmensangelegenheiten. Parallel zu diesem Schritt bekräftigten die Gründer ihr Vorhaben, 80 Prozent ihres Vermögens zu spenden.
Sonderrolle des Long-Term Benefit Trust
Trotz der angestrebten Stimmrechtsmehrheit für die Gründer bleibt ein zentrales Gremium von dieser Kontrolle weitgehend unberührt: Die Wahl des siebenköpfigen Verwaltungsrats unterliegt weiterhin dem sogenannten Long-Term Benefit Trust. Diesem Organ, dem unter anderem der ehemalige Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, angehört, kommt das Recht zu, die Mehrheit des Boards zu ernennen. Aktuell ist einer der sieben Sitze in diesem Gremium vakant.
Die geplante Umgestaltung der Stimmrechtsstruktur bei Anthropic trennt wirtschaftliches Interesse von strategischer Kontrolle — ein Modell, das auch bei anderen KI-Unternehmen Schule machen könnte. Wer die Governance vor einem möglichen Börsengang bewerten will, findet in dieser kostenlosen Analyse die entscheidenden Prüfpunkte. Kostenlose Governance-Analyse anfordern
Dennoch sieht die neue Struktur vor, dass die Anzahl der Sitze im Verwaltungsrat, die direkt von den Gründern besetzt werden, von bisher zwei auf drei erhöht wird. Zudem soll eine separate Klasse von Sonderaktien für die Belegschaft eingeführt werden. Diese Mitarbeiteraktien könnten bei spezifischen Fragestellungen als Stichentscheid fungieren und somit ein zusätzliches Kontrollgewicht bilden.
Finanzielle Bewertung und verschobene Börsenpläne
Die Pläne zur Umstrukturierung fallen in eine Phase intensiver finanzieller Dynamik bei dem 2021 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründeten Unternehmen. Im Mai sammelte Anthropic 65 Mrd. USD bei einer Post-Money-Bewertung von 965 Mrd. USD ein.
Ein möglicher Börsengang mit Bewertungen im Billionenbereich wirft die Frage auf, wie viel Einfluss externe Aktionäre künftig tatsächlich haben. Die geplante Struktur sieht vor, dass die Wahl des Verwaltungsrats weiterhin beim Long-Term Benefit Trust liegt — was das für Ihre Bewertung bedeutet, zeigt diese Analyse. Analyse zur Aktionärs-Kontrolle sichern
Auf dem Sekundärmarkt wurde das Unternehmen, das 2023 den Chatbot Claude einführte, zuletzt mit rund 1,5 Billionen USD bewertet. Jüngere Berichte aus dem September deuteten sogar auf ein mögliches IPO-Volumen von bis zu 100 Mrd. USD bei einer Bewertung von rund 2 Billionen USD hin.
Hinsichtlich des Zeitplans für einen möglichen Börsengang gibt es Anzeichen für Verzögerungen. Beobachter halten eine Verschiebung auf das Ende des Jahres für wahrscheinlich, wobei Termine Ende Oktober oder im November nach den US-Zwischenwahlen im Gespräch sind. Anthropic selbst äußerte sich bislang nicht zu den Berichten über die neue Unternehmensstruktur.
