Anthropic, KI-Würmer

Anthropic warnt: KI-Würmer könnten Smart-TVs und Öfen kapern

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 17:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anthropic sieht autonome KI-Schadprogramme näher rücken; ein selbstständiger Replikator wurde bislang jedoch nicht in freier Wildbahn nachgewiesen.

Anthropic warnt vor KI-Würmern auf Smart-TVs und Haushaltsgeräten
Ein minimalistisch eingerichteter, leerer Wohnraum im Halbdunkel mit langen Schatten, der eine Atmosphäre der Ungewissheit erzeugt. Illustration mit AI erstellt.

Das KI-Unternehmen Anthropic hat am 12. Oktober 2026 in einem Blogbeitrag vor einer neuen Klasse von Cyberbedrohungen gewarnt: Autonome Schadprogramme auf Basis künstlicher Intelligenz könnten künftig als digitale Würmer agieren und Smart-Home-Geräte wie internetfähige Fernseher oder Backöfen kapern. Das hauseigene Frontier Red Team von Anthropic stellte fest, dass kleinere KI-Modelle nur noch Monate davon entfernt seien, sich ohne teure Rechenzentren auf herkömmlichen Heimelektronikgeräten selbstständig zu replizieren.

Bislang existiere zwar noch kein vollständig autonomer Replikator, und es gebe keinen nachgewiesenen Ausbruch eines solchen Systems in freier Wildbahn. Allerdings seien KI-Agenten bereits zunehmend in der Lage, einzelne Schritte der Replikationskette eigenständig abzuschließen.

Die Forscher führen diese Entwicklung auf eine unbeabsichtigte Folge des technischen Fortschritts zurück: Fähigkeiten, die für Programmierassistenten entwickelt wurden, ließen sich direkt auf Cyber-Aufgaben übertragen.

Modelle mit höchstens 30 Milliarden Parametern beherrschten bereits zahlreiche Replikationsschritte, machten jedoch noch Fehler bei deren Verkettung. Bei anhaltendem Entwicklungstempo könnte sich diese Lücke laut Anthropic bis Ende 2026 schließen.

Schwachstellen in Haushalts- und Kleinbetriebs-Hardware

Als potenziell erstes Ziel für solche Angriffe nennen die Anthropic-Forscher William Zhou und Daniel Freeman internetfähige IoT-Geräte in Haushalten und kleineren Unternehmen, darunter Smart-TVs, Kühlschränke, Öfen oder Rasenmäher. Diese Geräte seien traditionell minimal abgesichert.

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Ein entsprechender KI-Wurm würde sich voraussichtlich eher langsam ausbreiten und Tage für eine Selbstkopie benötigen, was die Forscher mit der Dynamik eines Schleimpilzes oder Fruchtfliegenschwarms vergleichen. Historisch zieht Anthropic Parallelen zu Schadprogrammen wie Stuxnet aus dem Jahr 2010 oder WannaCry aus dem Jahr 2017.

In durchgeführten Versuchsreihen demonstrierte Anthropic bereits die technische Umsetzbarkeit:
- Das Modell Gemma4-26B-A4B lief über ein Netzwerk aus 15 einfachen Android-TV-Boxen für jeweils rund 55 US-Dollar mit 4 GB Arbeitsspeicher und erzielte eine kombinierte Generierungsrate von 0,39 Tokens pro Sekunde.

Die Einrichtungsdauer auf solchen TV-Boxen schätzt das Unternehmen auf 71 bis 150 Stunden.
- Das Modell Qwen3.5-9B richtete auf acht von neun Hardware-Typen – darunter NVIDIA Jetson Nano, Apple-Silicon-Macs, Xeon-Server, Google TPU, AMD MI300X sowie PCs mit Nvidia RTX 4090 – eigenständig Inferenz-Umgebungen ein. Die Einrichtungszeit auf günstigen TV-Boxen betrug rund 28 bis 51 Stunden.

Durch künstliche Evolution steigerte das Modell seine Erfolgsrate von 45 Prozent in der ersten Generation auf bis zu 84 Prozent in späteren Generationen.
- Das Modell GLM-5.2 mit 744 Milliarden Parametern und mehr als 1 TB Speicherbedarf schloss die Replikationssequenz über acht Google-Cloud-Knoten mit Android-15-Emulatoren in vier von fünf Versuchen ab, im fünften Versuch auf sieben Knoten. Andere getestete Modelle verbreiteten sich hingegen kein einziges Mal über den Startknoten hinaus.

Risiken persistenter Botnetze und Sicherheitsmaßnahmen

Als schwerwiegendstes Szenario beschreibt Anthropic einen Schwarm unterschiedlicher Modelle auf heterogener Hardware. Zu große Modelle könnten dabei in Teilstücke aufgeteilt über mehrere Geräte hinweg betrieben werden.

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Technisch basieren die Annahmen unter anderem auf Erfahrungen mit dem Botnet Kimwolf, das in der Spitze über zwei Millionen Geräte – vor allem Android-TV-Boxen – infizierte und dessen Rechenleistung etwa 40 spezialisierten KI-Chips entsprach.

Beim Mirai-Botnet seien seinerzeit 92 Prozent der Infektionen innerhalb von 14 Tagen bereinigt worden, sofern Kunden benachrichtigt wurden, und 74 Prozent ohne Benachrichtigung. Da bei einem dezentralen KI-Wurm kein zentraler Abschaltpunkt existiere, wäre ein solches System jedoch nur schwer zu stoppen.

Auch andere Sicherheitsakteure mahnen zur Wachsamkeit. Palo Alto Networks wies darauf hin, dass KI-Würmer Netzwerke rasch durchdringen und bestehende Erkennungsmechanismen umgehen können. Regulatorisch reagieren erste Staaten: Im Vereinigten Königreich sind standardmäßig voreingestellte IoT-Passwörter mittlerweile nicht mehr zulässig.

Anthropic-CEO Dario Amodei warnte, dass ein KI-Schwarm binnen 6 bis 12 Monaten ein persistentes Botnetz über das gesamte Internet aufbauen könnte, was Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar verursachen könne.

Anthropic selbst verzeichnete unterdessen Fortschritte bei der Abwehr von Angriffen zur Modell-Destillation: Unerlaubte Datenextraktionen hätten um 90 bis 99 Prozent reduziert werden können. Die Forscher raten Unternehmen und Herstellern dringend dazu, Systeme abzusichern und sich auf eine dauerhafte Präsenz solcher Software vorzubereiten.

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