Anthropies: Cardano-Gründer veröffentlicht Tool gegen Claude-Wasserzeichen
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 18:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Cardano-Gründer Charles Hoskinson hat ein neues Werkzeug namens „Anthropies“ vorgestellt, das die gezielte Entfernung von digitalen Wasserzeichen aus KI-generierten Texten ermöglicht.
Die Software wurde als Open-Source-Lösung unter der Apache-2.0-Lizenz auf der Entwicklerplattform GitHub veröffentlicht. Das Tool erscheint nur wenige Tage nach der flächendeckenden Aktivierung unsichtbarer Markierungen durch den KI-Entwickler Anthropic für dessen Modell Claude.
Funktionsweise und technische Merkmale von Anthropies
Die von Hoskinson bereitgestellte Anwendung bietet Nutzern drei verschiedene Betriebsmodi: „Clean“, „Humanize“ und „Orchestrate“. Das primäre Ziel des Werkzeugs ist es, spezifische Kennzeichnungen zu eliminieren, die bei der Nutzung von Claude entstehen. Dazu gehören sogenannte „Co-Authored-By“-Trailer in Git-Umgebungen sowie Metadaten nach dem C2PA-Standard bei Bildern.
Technisch setzt „Anthropies“ auf einen Prozess, bei dem die Inhalte durch alternative Sprachmodelle neu geschrieben werden. In der Dokumentation des Repositorys wird explizit darauf hingewiesen, dass diese Neufassungen nicht durch Claude selbst durchgeführt werden sollten, da die Wasserzeichen bei der Verwendung desselben Modells erhalten blieben. Erst der Einsatz von unmarkierten Drittmodellen ermögliche eine effektive Bereinigung der Texte.
Hoskinson begründet die Entwicklung des Tools unter anderem mit rechtlichen Risiken für die Anwender. Er warnt davor, dass die von Anthropic integrierten Wasserzeichen und Metadaten-Trailer komplexe Eigentumsfragen aufwerfen könnten. Zudem betont der Entwickler, dass die Detektion solcher Markierungen grundsätzlich auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen basiere und somit keinen rechtssicheren Beweis für die tatsächliche Autorschaft darstelle.
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Hintergrund der Wasserzeichen-Einführung durch Anthropic
Die Veröffentlichung der Software erfolgt vor dem Hintergrund einer globalen Umstellung bei Anthropic. Das Unternehmen führt derzeit unsichtbare Wasserzeichen für sämtliche Ausgaben des Claude-Modells ein. Diese Maßnahme umfasst sowohl Texte als auch Bilder und wird über alle verfügbaren Zugangskanäle ausgerollt, darunter die eigene API sowie Plattformen von Partnern wie AWS, Google Cloud und Microsoft Foundry.
Grundlage für diese Kennzeichnungspflicht ist der EU AI Act, insbesondere Artikel 50(2), der Transparenzvorgaben für KI-Systeme regelt. Anthropic nutzt hierfür das im Jahr 2024 von Google DeepMind vorgestellte SynthID-Text-Verfahren. Diese Methode integriert die Markierungen so in den Generationsprozess, dass sie für das menschliche Auge unsichtbar bleiben und die Qualität der Texte nicht beeinträchtigen sollen.
Nach Angaben des Unternehmens sind die Wasserzeichen jedoch maschinenlesbar. Eine Besonderheit des Systems besteht darin, dass auch ursprünglich menschliche Texte mit der Markierung versehen werden können, sofern Claude für Aufgaben wie Korrekturen, Übersetzungen oder Formatierungen eingesetzt wird.
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Branchenweite Auswirkungen und Übergangsfristen
Anthropic erklärte zur Funktionsweise, dass eine leichte Bearbeitung der Texte nicht ausreiche, um die Wasserzeichen zu entfernen. Eine vollständige Neuschreibung könne die Kennung jedoch tilgen.
Während Programmiercode derzeit kaum von den Wasserzeichen betroffen sei, plant das Unternehmen für die Zukunft eine spezielle API zur Erkennung dieser Markierungen. Branchenanalysten gehen davon aus, dass weitere Anbieter von KI-Modellen diesem Ansatz folgen werden, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen.
Für bereits bestehende Systeme gewährt der Gesetzgeber eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Die flächendeckende Aktivierung der unsichtbaren Markierungen durch Anthropic erfolgt seit Anfang August, um den Anforderungen des europäischen Marktes frühzeitig zu entsprechen.
