Antibiotika, Zucker

Antibiotika und Zucker: 100 Gramm gehen mit 24 Prozent weniger Darmvielfalt einher

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 23:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei transplantierten Blutkrebspatienten war mehr Zucker mit geringerer Darmbakterienvielfalt und höherem Sterberisiko verbunden.
Eine sterile Petrischale auf einem metallischen Labortisch in einem klinischen Forschungsumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die Wechselwirkungen zwischen Ernährung und medikamentösen Behandlungen rücken zunehmend in den Fokus der Mikrobiomforschung. Eine am 30. September 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung liefert nun detaillierte Einblicke in die Mechanismen während einer antimikrobiellen Therapie: Bei Blutkrebspatienten unter Antibiotikagabe stand ein hoher Zuckerkonsum in direktem Zusammenhang mit einem verstärkten Verlust an bakterieller Vielfalt im Darm.

Signifikanter Diversitätsverlust und Anstieg bedenklicher Keime

Die Untersuchung stützt sich auf eine breite klinische Datengrundlage. Analysiert wurden die Verläufe von 173 hospitalisierten Patienten, die sich einer Stammzelltransplantation unterzogen hatten, wobei über 9.000 – konkret 9.419 – Mahlzeiten erfasst wurden.

Die Auswertung zeigte deutliche Dosis-Wirkungs-Zusammenhänge: Pro zusätzliche 100 g Zucker in den zwei Tagen vor der Probenahme – eine Menge, die etwa 2,5 Dosen Cola entspricht – verringerte sich die bakterielle Diversität um 24 % beziehungsweise zeigte sich eine zusätzliche Reduktion um 24,1 %.

Parallel zum Rückgang nützlicher Mikroorganismen dokumentierten die Wissenschaftler eine Vermehrung von Enterococcus. Dieser Keim kann Resistenzen aufweisen und schwere Infektionen hervorrufen. Für die betroffene Patientengruppe hatte diese Verschiebung der Darmflora gravierende Folgen: Patienten mit einer höheren Zuckerzufuhr wiesen im Rahmen der Untersuchung ein messbar höheres Sterberisiko auf.

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Laborbefunde verdeutlichen Wechselwirkung von Zucker und Antibiotika

Ergänzende Experimente im Mausmodell bestätigten diesen Mechanismus und zeigten, dass die Kombination aus beiden Faktoren entscheidend ist. Wurde nach einer Antibiotikabehandlung Saccharose verabreicht, stieg die Häufigkeit von Enterococcus am 3. Tag um das 16,3-Fache und am 6. Tag um das 33,4-Fache an. Dies entspricht einer Vermehrung um bis zu 33-fach in weniger als einer Woche. Zucker allein führte ohne die vorherige Gabe von Antibiotika zu keinem vergleichbaren Effekt.

Bei einem durch die Medikamente destabilisierten Mikrobiom fungierte der zusätzliche Zucker somit wie ein Brandbeschleuniger für opportunistische Erreger. Antibiotika verändern die Zusammensetzung des Darmmikrobioms grundlegend, indem sie empfindliche Bakterien reduzieren und Raum für widerstandsfähigere Arten schaffen.

Zudem können sie die Kolonisationsresistenz herabsetzen, Antibiotikaresistenzgene begünstigen und die Produktion wichtiger kurzkettiger Fettsäuren wie Butyrat beeinträchtigen.

Zu den bekannten Verdauungsfolgen gehören Durchfall, weicherer Stuhl, Blähungen, Bauchkrämpfe sowie veränderte Stuhlgewohnheiten von Verstopfung bis hin zu anhaltenden Beschwerden nach Behandlungsende, wobei die Dauer der Erholung individuell unterschiedlich verläuft.

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Einordnung und Ăśbertragbarkeit der Resultate

Hinsichtlich der praktischen Relevanz verwies Sarah Berry vom King's College London darauf, dass ein reduzierter Zuckerkonsum das Mikrobiom schützen könnte. Die Autoren der Nature-Studie halten es zwar für plausibel, dass sich die Mechanismen auch auf ambulant behandelte Patienten unter Antibiotikatherapie übertragen lassen, weisen jedoch auf bestehende Forschungslücken hin.

Bislang fehlen hierzu randomisierte klinische Studien. Zudem betonen die Forschenden ausdrücklich, dass die Ergebnisse aus der hochgradig spezifischen Gruppe von Stammzelltransplantationspatienten nicht unmittelbar auf die gesunde Allgemeinbevölkerung übertragbar sind. Dennoch liefern die Daten wichtige Ansatzpunkte für künftige Ernährungsstrategien im Rahmen intensivmedizinischer Behandlungen.

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de | wissenschaft | 70401105 |