Antibiotika und Zucker: 100 Gramm gehen mit bis zu 24 Prozent weniger Darmvielfalt einher
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 16:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Einnahme von Antibiotika rettet Leben, greift jedoch häufig die mikrobielle Schutzschicht des Darms an. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen beleuchten nun genauer, welche Rolle die Ernährung während einer solchen Behandlung spielt.
Eine Ende September 2026 im Fachjournal Nature publizierte Untersuchung der NYU Langone Health, des City of Hope und des Memorial Sloan Kettering Cancer Center (Dai et al., Nature 2026, 658(8136), 757–764) zeigt, dass eine erhöhte Zuckerzufuhr während einer Antibiotikatherapie mit einem deutlichen Verlust der bakteriellen Vielfalt einhergeht.
Starker Rückgang der bakteriellen Vielfalt
Für die Untersuchung analysierten die beteiligten Forschungsteams 9.419 erfasste Mahlzeiten von 173 hospitalisierten Blutkrebspatienten, die sich einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation unterzogen hatten. Zudem wurden 1.009 Stuhlproben von 158 Personen ausgewertet.
Den Daten zufolge war jede zusätzliche Zufuhr von 100 g Zucker in den zwei Tagen vor der Probenahme – eine Menge, die etwa 2,5 Dosen Cola oder einem großen Milkshake entspricht – mit einem Rückgang der mikrobiellen Diversität um 21 % bis 24 % verbunden.
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Dieses Muster zeigte sich ausschließlich bei Personen, die kürzlich Antibiotika eingenommen hatten; ohne eine solche Exposition trat der Effekt nicht auf. Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass die Zahlen keine direkte Kausalaussage erlauben.
Ergänzende Versuche im Tiermodell stützen die Beobachtungen jedoch: Mäuse, die nach einer Antibiotikadosis Saccharose erhielten, zeigten eine stärkere und länger anhaltende Bakterienvermehrung im Darm.
Vermehrung potenziell resistenter Erreger
Neben dem allgemeinen Vielfaltsverlust war eine höhere Zuckerzufuhr während der Behandlung mit Breitbandantibiotika mit einer Zunahme von Enterococcus-Bakterien verbunden. Insbesondere Enterococcus faecium, ein potenziell resistenter Erreger und Verursacher schwerer Infektionen, trat dabei gehäuft auf.
Grundsätzlich können Antibiotikabehandlungen die Vielfalt der Darmbakterien um bis zu 30 % reduzieren. Bis zur Normalisierung vergehen laut Fachbeiträgen oft zwei bis sechs Monate.
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Dr. Debojyoti Dhar von BugSpeaks/Leucine Rich Bio verwies darauf, dass Antibiotika empfindliche Bakterien dezimieren, die Kolonisationsresistenz verringern und Antibiotikaresistenzgene selektieren können. Zu den typischen Folgen zählen veränderte Stuhlgewohnheiten, Durchfall, Bauchkrämpfe und anhaltende Blähungen.
Diskussion über Probiotika und Ernährungsstrategien
Hinsichtlich präventiver Maßnahmen gehen die Empfehlungen auseinander. Während einige Fachberichte den Einsatz von Probiotika im Abstand von zwei bis drei Stunden zur Medikamenteneinnahme empfehlen, warnen andere Fachkreise davor, dass Probiotika die natürliche Erholung des Darmmikrobioms nach einer Antibiotikatherapie verlangsamen könnten.
Dr. van den Brink von der NYU Langone Health betonte in diesem Zusammenhang, dass es keine solide Evidenz für Probiotika zur Erhaltung der Diversität gebe. Eine Reduktion des Zuckers sei hingegen eine unkomplizierte Maßnahme ohne Nachteile.
Ernährungsexperten raten begleitend dazu, raffinierte Produkte wie zuckerhaltige Getränke zu meiden, die pro Flasche bis zu 40 g Einfachzucker enthalten können. Stattdessen wird empfohlen, auf ballaststoffreiche Präbiotika und fermentierte Nahrungsmittel zu setzen, um die nützlichen Darmbakterien während und nach der Therapie gezielt zu unterstützen.
