Antibiotika und Zucker: 100 Gramm Süßes senken Darmvielfalt um 24 Prozent
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 01:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine hohe Zuckeraufnahme während einer Antibiotikabehandlung steht bei schwer erkrankten Klinikpatienten in direktem Zusammenhang mit schweren Störungen der Darmflora. Dies zeigt eine am 30. September 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Untersuchung von Forschern der NYU Langone Health, des Memorial Sloan Kettering Cancer Center und von City of Hope.
Den Ergebnissen zufolge verringerte sich die mikrobielle Vielfalt im Darm betroffener Patienten deutlich, während sich potenziell gefährliche Krankheitserreger stark vermehrten.
Drastischer Rückgang der mikrobiellen Vielfalt
Für die Untersuchung analysierten die beteiligten Institute die Daten von 173 hospitalisierten Patienten mit Blutkrebs und Stammzelltransplantationen. Ausgewertet wurden dabei insgesamt 9.419 Mahlzeiten aus den Jahren 2017 bis 2022. Bei 158 dieser Patienten verfolgten die Forschungsteams die konkreten Veränderungen der Darmbakterien anhand von 1.009 Stuhlproben.
Die Auswertung ergab, dass pro zusätzlichen 100 Gramm Süßem nach einer Antibiotika-Exposition ein zusätzlicher Rückgang der Alpha-Diversität um 24 Prozent auftrat. Ein Anstieg des Konsums von Süßigkeiten um 3,5 Unzen war unter Antibiotika ebenfalls mit einem Diversitätsverlust von etwa 24 Prozent verbunden.
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In einem statistischen Modell zeigte sich pro 100 Gramm Zucker in den zwei Tagen vor der Probenahme ein zusätzlicher Rückgang der Vielfalt um rund 21 Prozent. Neben klassischen Süßwaren schienen auch bestimmte Formula-Shakes sowie Sportgetränke zu diesem Effekt beizutragen.
Ausbreitung resistenter Keime und erhöhte Risiken
Parallel zum Diversitätsverlust beobachteten die Wissenschaftler eine verstärkte Ausbreitung des Bakteriums Enterococcus faecium. Dieser Erreger ist teilweise gegen Arzneimittel resistent und wird mit schwer behandelbaren Infektionen, längeren Krankenhausaufenthalten sowie einer höheren Sterblichkeit in Verbindung gebracht.
Zudem kann das Bakterium eine Sepsis auslösen und bei Knochenmarktransplantationen zu einer Verschlechterung der Graft-versus-Host-Erkrankung führen. Patienten mit einem überdurchschnittlichen Zuckerkonsum wiesen in der Untersuchung nach einer Transplantation ein um 12 Prozent höheres Sterberisiko auf.
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Ergänzende Laborexperimente an Mäusen bestätigten diesen Zusammenhang. Bei einer Kombination aus Antibiotikagabe und einer Diät mit hohem Saccharosegehalt war das Vorkommen von Enterokokken an Tag drei um das 16-Fache und an Tag sechs um das 33-Fache erhöht.
Dieser Effekt pret bei einer reinen Hochsaccharose-Ernährung ohne Antibiotika nicht auf. Die Saccharose verstärkte und verlängerte somit die bakterielle Vermehrung nach der Arzneimittelgabe im Vergleich zu einer alleinigen Antibiotikatherapie deutlich.
Grenzen der Übertragbarkeit und Ernährungsempfehlungen
Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass der genaue biologische Mechanismus bislang unklar bleibt. Zudem belege die Untersuchung nicht direkt, dass eine Reduktion des Zuckerkonsums die klinischen Behandlungsergebnisse automatisch verbessere; hierfür seien kontrollierte klinische Studien erforderlich.
Auch lassen sich die Resultate nicht ohne Weiteres auf alle Antibiotika-Patienten übertragen, da die untersuchte Kohorte aus besonders vulnerablen Krebspatienten und Transplantierten bestand.
Dennoch vertreten die Forscher die Ansicht, dass eine Reduzierung einfacher Zucker das Darmmikrobiom während einer Therapie unterstützen könnte. Fachleute regen an, das Bewusstsein für die Ernährung während medizinischer Behandlungen zu schärfen. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Kost mit wenig Einfachzuckern sowie einer Beschränkung von Süßwaren und gesüßten Getränken könne die Darmgesundheit fördern und Behandlungsabläufe optimieren.
